18.05.2018 - 16:38 Uhr
Oberpfalz

Sterile Steingärten der neuen Art Natur unter Kies und Vlies

Würmer haben hier schlechte Chancen. Für Bienen gilt dasselbe. Dafür geht das Unkraut besser auf als der Gartenfreund allgemein annimmt. Leider. Wovon die Rede ist? Na, vom trendigen Kiesgarten.

Eines der Bilder, die auf der Facebook-Seite "Gärten des Grauens" für Furore sorgen: Ein Schottergarten in Sachsen-Anhalt. Bild: Schneider/Facebook
von Jutta Porsche Kontakt Profil

So richtig verteufeln will Thomas Huber, der Weidener Stadtgartenmeister in spe, den aktuell ach so beliebten Steingarten - gefüllt mit vielen kleinen Kieseln - nicht. Vorausgesetzt bestimmte Bedingungen sind erfüllt. Glücklich ist Huber über den Trend zu immer mehr Steinchen und immer weniger Erde und Pflanzen allerdings nicht. Und das hat gute Gründe.

Diese "Steinwüsten" - wie manche Zeitgenossen schimpfen - sind meist das genaue Gegenteil von naturnahen Gärten. Insekten, Würmer und Vögel haben hier schlechte Karten. "Das Vlies zwischen Erde und Steinen bildet praktisch einen Deckel auf dem Untergrund. Das heißt, Würmer kommen nicht mehr von oben in die Erde oder umgekehrt von unten in die obere Erdschicht", erklärt Huber. "Das Bodenleben verarmt. Würmer und Asseln fehlen als Nahrung für Vögel. Der Kreislauf wird gestört."

Tiere haben Stress auf Kies

Das gilt auch für die so wichtige Honigbiene. Denn Blütenpflanzen werden in den meist recht steril anmutenden Kiesgärten eher selten angepflanzt. Keine Chance also, um Nektar zu sammeln. "Schnecken können sich auf dem schnell heiß werdenden Schotter nicht halten." Doch auch für andere Tiere und Pflanzen bedeutet die sich schnell erhitzende Umgebung Stress. Dafür fließt das Wasser bei Starkregen nicht schnell genug ab. Der Abfluss wird durch das Vlies gebremst, das Wasser sammelt sich und fließt gerne mal auf die Straße.

"Tatort Garten - Ödnis oder Oase" - diese Ausstellung des Bund Naturschutz war 2017 in Amberg zu sehen und lockte auch Gärtnermeister Huber aus Weiden an. Die Fotoschau greift den Trend zur Versteinerung der Vorgärten auf, egal ob durch Kiesel oder Platten. Immerhin jeder sechste Vorgarten bundesweit ist inzwischen gepflastert oder mit Schotter belegt, zitiert Huber aus einer Studie. Dabei ist das Material auch noch teurer als Erde, und der Energieaufwand bei Abbruch und Transport ist in der Regel weit höher als bei Erde, die sich direkt vor Ort erwerben lässt.

Von wegen pflegeleicht

Ein weiterer Trugschluss, so Thomas Huber: "Es stimmt nicht, dass diese Gärten pflegeleicht sind." Denn Laub und andere Pflanzenteile bleiben zwischen den Kieseln hängen, zersetzen sich und bilden so im Laufe der Zeit einen fruchtbaren Untergrund für Unkraut. Die Steine vermoosen schnell. Die Wurzeln des Unkrauts verankern sich im Vlies. "Gut möglich, dass in fünf bis zehn Jahren eine Komplettsanierung nötig wird, weil das Unkraut nicht mehr in den Griff zu kriegen ist", warnt Huber. Von Pflegeersparnis könne dann wohl kaum die Rede sein.

"Ich will's nicht ganz verdammen", schränkt er ein. "Kieswege, etwa am Bauernhof oder Friedhof, sind schon in Ordnung, wenn sie sich in Grenzen halten. Aber eine komplette Gartenfläche voll Kies, das ist kaum ökologisch." Vor allem wenn, wie aktuell Trend, auf großen Schotterflächen nur ganz vereinzelt Pflanzen gesetzt würden - und das in kleinen Erdlöchern. "Wo soll sich da im Garten eine Eidechse oder Maus verstecken?"

Wer Tieren und Pflanzen Lebensraum geben will, der sollte im Garten unbedingt Platz lassen für größere Erdflächen und Blühpflanzen. Das müssen keine komplizierten Pflanzenkombinationen sein: Auch Wiese oder Gras erfüllen einen gewissen Zweck. Zudem gelte: Grün wirkt ausgesprochen beruhigend fürs Auge.

Vier Tipps vom Gärtnermeister

Weiden. (ps) Wer Tieren und Pflanzen in seinem Garten einen Lebensraum bieten möchte, der sollte bereits bei der Neuanlage bestimmte wichtige Punkte beachten. Welche das sind, verrät Gärtnermeister Thomas Huber im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Wählen Sie standortgerechte Pflanzen: Rhododendron und Buchs also keinesfalls in die pralle Sonne pflanzen. Felsenbirne, Hartriegel und Hibiscus sind dagegen für sonnige Stellen geeignet. Auch Sanddorn hält pralle Hitze aus, ebenso wie Gräser oder die sogenannte Garten-Yucca, das ist übrigens eine heimische Art.

Um die Vogelwelt zu unterstützen eignen sich besonders heimische Sträucher: Hartriegel, Zierapfel, Felsenbirne und alles, was Beeren hat.

Je besser die Pflanzen an den jeweiligen Standort und an die vorhandene Bodenbeschaffenheit angepasst sind, umso besser gedeihen sie und umso weniger Pflege benötigen sie. Trotzdem sollten die Blütezeiten und -farben sowie die Wuchshöhe variieren, damit der Garten das ganze Jahr über ansprechend wirkt.

Wer unbedingt Schotter- oder Kieselflächen im Garten haben möchte, sollte auch größere Erdflächen und mehrere, nicht nur vereinzelte Pflanzen mit einplanen, um so ein gewisses Bodenleben zu ermöglichen.

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