Bestattungen an Bäumen bald auch in Weiden?
Zurück zu den Wurzeln

 
"Sie heißen "Friedwald", "Ruheforst", "Garten der Ruhe" oder "Parkfriedhof", und all das klingt das Stille, nach Frieden, nach Idylle. Jedenfalls nicht nach dem Krach, den manche vor der Ausweisung solcher Naturfriedhöfe schlagen. Was kann falsch daran sein, seine letzte Ruhestätte an den Wurzeln eines Baumes finden zu wollen? Möglicherweise der "Bestattungstourismus", der Flora und Fauna im Wald nachhaltig stören könnte, wie Naturschützer befürchten. Oder, wie Traditionalisten einwenden, ein zu laxer Umgan

Weiden/Eschenbach. (rn/rg) Die Stadt Eschenbach war schneller. Was Weiden erwägt, beschlossen die Stadträte im Landkreiswesten in ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit: einen "Ruhewald". Allerdings dauerte die Vorbereitungszeit nicht weniger als fünf Jahre. Damals hatte man ein Waldstück östlich der Tennisplätze als geeigneten Standort ausgemacht. Unter bis zu 100 Jahre alten Eichen ist nun Platz für jeweils fünf bis sechs Urnen. Zunächst sollen auf einer Fläche von einem Hektar 100 Urnenplätze entstehen. Es soll einen zentralen Versammlungsplatz mit großem Holzkreuz und Ruhebänken geben. Den Bauantrag hat die Verwaltung selbst eingebracht. Stadtrat Udo Müller (SPD) schilderte die Position der katholischen Kirche zu Naturfriedhöfen. Diese seien als Bestattungsort anerkannt, wenn die Grabstätte nicht anonym sei und die Anlage mit Geistlichen eröffnet werde.

Bäume sind Symbole des Lebens. Einige davon könnten in Weiden jedoch bald für die Toten reserviert sein: Die Stadt erwägt, ein Waldstück als Naturfriedhof zu nutzen.

Schilder weisen den Weg in diesen besonderen Abschnitt des Waldes, gelegen oberhalb des Schlosses Stefling am Birkenberg. Seit 2015 finden hier, im Regental bei Nittenau, Menschen ihre letzte Ruhestätte. Genauer: im weichen Boden neben den Wurzeln von Bäumen. Dort liegt ihre Asche begraben - in einer biologisch abbaubaren Urne. Zusammen mit dem "Urnenwald Nordbayern" (Hohenburg, Landkreis Amberg-Sulzbach) ist der "Naturfriedhof Schlosswald" einer von nur zwei solchen speziellen Grabstätten in der Oberpfalz. Jetzt hat die Stadt Eschenbach die Weichen für einen "Ruhewald" gestellt (siehe "Hintergrund"). Und ein weiterer könnte in Weiden hinzukommen.

Dem Finanzausschuss berichtete Stadtkämmerin Cornelia Taubmann unlängst von Plänen der Verwaltung, einen "Friedwald" auszuweisen, geeignete Grundstücke seien bereits vorhanden. "In der Gesellschaft wächst die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen", stellt Oliver Seidel fest. Der Baudezernent lässt - "auf Anregung eines Bürgers" - derzeit einen Vorlagebericht ausarbeiten: Der Ausschuss soll in der Sitzung am 22. Februar eine grundsätzliche Entscheidung fällen, ob ein Naturfriedhof in der Max-Reger-Stadt überhaupt gewünscht ist.

Skeptiker und Kritiker könnten in der Folge durchaus auf den Plan treten. In Nittenau kursierte eine Unterschriftenliste, in die sich 343 Gegner eingetragen hatten - aus Furcht unter anderem vor einem "Bestattungstourismus". Es nutzte nichts: Der Stadtrat votierte mit 17 zu 3 Stimmen für das Vorhaben. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit wurde es im August 2015 Wirklichkeit.

Waldfriedhof mit Reserven

Erst wenn sich die Weidener Stadträte für einen Naturfriedhof aussprechen, will Seidel die weiterreichenden Fragen klären. Zum Beispiel die des Standorts. Ob er sich in der Nähe des Waldfriedhofs finden könnte? "Der Waldfriedhof hat durchaus Reserven", bestätigt Seidel die Überlegungen. Dann würden die Weidener Naturgräber denen in Amberg ähneln, wo sie eine "Abteilung" des dortigen Waldfriedhofs bilden. In der Oberpfalz gibt es ein ähnliches Modell noch auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof in Regensburg.

Unklar ist weiterhin die Betreiberfrage. Bewirtschaftet die Stadt das Areal in eigener Regie oder lässt sie - wie in Nittenau der Fall - einen externen Anbieter zum Zuge kommen? Den "Naturfriedhof Schlossberg" betreibt die Schlosswald GmbH mit Sitz in Regensburg, Träger ist die Stadt. Gar deutschlandweit operieren die "FriedWald GmbH" und die "RuheForst GmbH" mit jeweils fast 70 Standorten.

"Vieles denkbar"

Nach deren Konzept könnten Erinnerungstafeln und Schilder auf eine Grabstätte hinweisen, oder aber eine Übersichtskarte beschreibt die letzte Ruhestätte. In Weiden könnten auch anonyme Bestattungen möglich sein - "vieles ist denkbar", sagt Baudezernent Seidel. Für alle Eventualitäten gilt: "Wir werden untersuchen, was die für Weiden sinnvollste Lösung ist." Ein großes Thema sei natürlich die Verkehrssicherheit im betreffenden Waldstück. Die Standfestigkeit von Bäumen müsste regelmäßig untersucht werden.

Im Unterhalt sind Naturfriedhöfe dennoch weit weniger anspruchsvoll als die traditionellen Gottesäcker. Das heißt auch: Die Gebühren dürften deutlich geringer ausfallen. Grabschmuck gibt es nicht, Kerzen dürfen im Wald nicht brennen. Dafür hat der Naturfriedhof andere Vorzüge: "Das Zwitschern der Vögel, der Duft von Laub, das Rauschen der Blätter", wie es auf der Homepage von "FriedWald" heißt. Geboten werde "ein Bestattungsort, an dem Sie sich schon zu Lebzeiten wohlfühlen: der Wald". Angemerkt, Hintergrund

Das Konzept NaturfriedhofDas Konzept von "Friedwäldern" ist im Grunde bei jedem Anbieter gleich: Bereits zu Lebzeiten suchen sich Bürger auf dem Areal einen Baum aus, an dessen Wurzeln sie ihre letzte Ruhestätte finden wollen. Dort wird eine biologisch abbaubare Urne mit ihrer Asche beigesetzt. Im "Naturfriedhof Schlosswald" bei Nittenau zum Beispiel stehen Einzel-, Paar-, Familien- oder Gemeinschaftsgrabstätten zur Auswahl. Für eine Nutzungsdauer von 30 Jahren kostet die günstigste Einzelgrabstelle 1170 Euro. Einen "Familien- und Freundschaftsbaum" gibt es ab 4170 Euro. Hinzu kommen in jedem Fall Beisetzungskosten ab 535 Euro. Zum Vergleich: Ein Grab erster Ordnung auf dem Weidener Stadtfriedhof kostet im selben Zeitraum 2084 Euro (plus Beerdigungskosten von 664 Euro).

Laut Übersicht des bayerischen Innenministeriums (Stand Januar 2017) gibt es im Freistaat bisher 20 eigene Naturfriedhöfe, darunter 2 in der Oberpfalz - in Nittenau, wo auch Bestattungen an Felsen möglich sind, und Hohenburg.

Darüber hinaus bieten jedoch nicht weniger als 170 Kommunen die Möglichkeit von Baumbestattungen in Abteilungen von bestehenden Friedhöfen. In der Oberpfalz sind es jedoch erneut nur 2: Amberg und Regensburg. (rg)

Bild: FriedWald/Thomas Gasparini

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.