16.05.2018 - 19:02 Uhr
Oberpfalz

KfW-Bundespreis für Sanierung in der Oberen Bachgasse Altstadthaus zeigt seine Schätze

Die Nachbarn gelten durchaus als prominent. Während sie ihre Altstadthäuser aufwändig in die Moderne führen, wartet das Gebäude Obere Bachgasse 14 lange darauf, endlich wachgeküsst zu werden. Das Ehepaar Müller entdeckt den Charme des Anwesens, kauft 2015 und investiert. Der Ergebnis der sensibel ausgeführten Generalsanierung überzeugt.

Dachflächenfenster öffnen das Geschoss und vor allem das dreigeschossige Treppenhaus zum Licht und zur Sonne. Auf der Westseite schaufeln große Fenster Licht ins Haus und gewähren den Blick in den Garten. Bilder: Oliver Heinl (4)
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Viele Interessenten stuften das seit Jahren in dieser Gasse leerstehende Gebäude wegen des gewaltigen Sanierungsstaus als unattraktiv ein, erinnert sich Architekt Karlheinz Beer. Doch Iris und Christian Müller glauben daran, aus diesem Gebäude etwas Besonderes machen zu können.

Schon bei der ersten Besichtigung nutzen sie den Rat des Architekten, um die anstehenden Maßnahmen zu diskutieren. Sie entwickeln mit ihm das Nutzungskonzept für eine Wohnung mit integriertem Home-Office für die freiberufliche Tätigkeiten, das zugleich barrierefrei erschlossen wird, um gegebenenfalls einer späteren Nutzung als Einliegerwohnung zu dienen.

Hell und weit

Langgestreckt, bis hoch zur Dachrinne eingekeilt zwischen den Nachbarhäusern, drei Fenster schmal in der Gasse steht das dreigeschossige Gebäude aus dem 16. Jahrhundert unter dem Ensembleschutz der historischen Altstadt und unterliegt den Anforderungen den Landesamtes für Denkmalpflege. Umso mehr überzeugt der moderne Zuschnitt der neu geschaffenen Räume, die Weite und die Helligkeit, die über das Treppenhaus und die großen Fenster auf der Westseite ins Haus geschaufelt werden. Beim Umbau überrascht das Gebäude durch viele historische Bauteile, die hinter Vorsatzschalen und abgehängten Decken zum Vorschein kommen. Gerade sie werden in der Planung von der Bauherrin Iris Müller und dem Architekten leidenschaftlich aufgegriffen, um dem Gebäude eine besondere Atmosphäre zu verleihen. Die in den letzten Jahrzehnten der historischen Bausubstanz zugefügten Abtrennungen und Raumteiler werden entfernt, um die großzügige ursprünglichen Raumzusammenhänge im Gebäude wieder wirken zu lassen. Historische Details und Bauteile werden deshalb erhalten und achtsam in Stand gesetzt.

Dreigeschossiger Schrank

"Das neue Nutzungskonzept schafft Wohn- und Arbeitsfläche, vor allem aber bereits die Flexibilität für späteres integriertes Seniorenwohnen", erzählt der Architekt. Das zentrale Treppenhaus wurde durch den ins Lichtauge eingebauten dreigeschossigen Schrank als großer Stauraum für alle Räume entwickelt. Durch die integrierten Sitzmöglichkeiten erhält es gleichzeitig eine zusätzliche Wohnfunktion.

Heute strahlt das Haus in neuem Glanz und ist mit seinem grünen Innenhof ein Kleinod in Weiden geworden. Am 23. Juni wird es sogar als beispielhafte Sanierung bei den Architektouren der Bayerischen Architektenkammer präsentiert: Ab 14 Uhr kann das Anwesen besichtigt werden, Einlass erfolgt nur nach Voranmeldung unter: anmeldung[at]beerarchitekt[dot]de.

Hintergrund

Gerne griff Bauherrin Iris Müller das Angebot der KfW-Bank auf, die energetische Sanierungen im Denkmal-/Ensembleschutz mit sehr interessanten Konditionen zu fördern. Dazu erforderte es allerdings eine intelligente Planung und technische Ausrüstung, die den Charakter des historischen Gebäudes nicht zerstört und dennoch den Ansprüchen an Energieeffizienz genügt. Das KfW-Programm bot durch die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten die Chance, die Haustechnik zu erneuern und gezielte Dämmmaßnahmen an der Fassade, an Dach und Boden durchzuführen. Sogar der uralte Keller aus dem 15. Jahrhundert wurde begeh- und nutzbar gemacht sowie seine natürliche Belüftung wieder hergestellt.

Heute, am 17. Mai, erhalten Iris und Christian Müller in Berlin einen Bundespreis, nämlich den "KfW-Award Bauen", für die vorbildliche Modernisierung. Für die drei Hauptpreise stellt die KfW-Bankengruppe insgesamt 35 000 Euro zur Verfügung. (wd)

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