18.05.2018 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Landesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Gerhard Stärk, kritisiert Bundeswehr "Es ist ein Desaster"

Landesvorsitzender kritisiert "Tag der Bundeswehr", Infrastruktur und Ausbildung

Oberstabsfeldwebel a. D. Werner Kandler (links) und der Landesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Gerhard Stärk (rechts), danken Werner Kunz für 50 Jahre Treue. Bild: uz
von Autor UZProfil

"Es ist ein Desaster, es fehlt am Kleinsten." Der Landesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Gerhard Stärk, nahm in der Mitgliederversammlung im Offizierskasino kein Blatt vor den Mund. Er kritisierte den aktuellen Zustand der Bundeswehr. Alles konzentriere sich auf die Nachwuchswerbung, für die sehr viel Geld in die Hand genommen werde. "Wer heute schon im System drin ist, spielt da eher eine untergeordnete Rolle."

Als Beispiel nannte der Stabsfeldwebel a. D. die Werbeaktion "Tag der Bundeswehr", die im letzten Jahr auf dem Großparkplatz in den Naabwiesen veranstaltet wurde. Stärk sprach von einer "getürkten" Show. "Da wurde den Leuten die heile Welt vorgespielt. Eine hochpolierte Bundeswehr." In Wahrheit habe man 90 Prozent des Materials über Hunderte von Kilometern von anderen Standorten nach Weiden gebracht. "Ich versteh das nicht."

Sorgen mache er sich auch um die Qualität des Nachwuchses. Seine Empfehlung: "Lieber eine Lücke, als eine Krücke." Es fehle an Infrastruktur und es gebe zu wenig Ausbildung. Stattdessen beschäftige man sich mit Kleinigkeiten und Stückwerk, dass sich zum Beispiel in jedem Kasernenzimmer ein Flachbildfernseher und die entsprechende Stehlampe befinde. Wer sich früher als Berufssoldat verpflichtet habe, dem sei ein Eintrittsalter in den Ruhestand von 53 Jahren versprochen worden. Stärk sprach von einer "besonderen Altersgrenze", von einer "festen Größe" - die jetzt aber zu wackeln drohe. Es sei zu ihm durchgesickert, man wolle über eine Anhebung des Eintrittsalters nachdenken: 62 Jahre.

Für 2018 geplante Beförderungen sei der Bundeshaushalt noch nicht in trockenen Tüchern. Deshalb würden die auf die lange Bank geschoben. "Die liegen alle auf Eis." Ferner fordere der Bundeswehrverband schon länger eine eigene "S"-Besoldung für Soldaten, was CDU/CSU bisher zu verhindern wussten. Auch eine Deckelung des Hinzuverdiensts bei pensionierten Soldaten solle nach Wunsch des Verbandes wegfallen. Stärk lobte Verbesserungen beim Krankenhausaufenthalt. "Wird ein ehemaliger Berufssoldat im Krankenhaus behandelt, rechnet künftig das Krankenhaus mit der Beihilfestelle ab." Ortsvorsitzender Werner Kandler ließ das Verbandsjahr Revue passieren und ehrte mit dem Landesvorsitzenden den Werner Kunz, der dem Bundeswehrverband seit 50 Jahren die Treue hält.

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