22.05.2018 - 17:40 Uhr
Oberpfalz

Landesweiter Aktionstag "Bayern gegen Leukämie" Die Bayern lassen sich piksen

Der Irrglaube ist so alt wie die Typisierungen selbst. Blutabnehmen oder Wangenabstrich gehen ja noch, meinen viele. Doch die Vorstellung, sich dann - wenn man als Spender in Frage kommt - die Stammzellen vermeintlich aus dem Rückenmark entnehmen zu lassen, davor haben sie Angst.

Ein paar Tropfen Blut oder ein Wangenabstrich reichen, um sich für die Spenderdatenbank registrieren zu lassen. Bild: Michael Rieperdinger
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

"Völliger Quatsch", sagt Michael Sporrer kopfschüttelnd über die falsche Meinung, die seit etlichen Jahren hartnäckig kursiert. Gebetsmühlenartig müsse der Vorsitzende des Vereins "Hilfe für Anja" immer wieder damit aufräumen. "In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen direkt aus dem Blut gewonnen, in den Ausnahmefällen aus dem Knochenmark des Beckenkamms", erläutert Sporrer im Vorfeld der landesweiten Typisierungsaktion "Bayern gegen Leukämie" an diesem Freitag. Beides wenig invasive Maßnahmen.

Den Aktionstag der Stiftung Knochenmarkspende Bayern (AKB) mit dem Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes an rund 250 Standorten im Freistaat findet der Vorsitzende gut: "Es zählt jede Spende, man darf keinen Aufwand scheuen, um einen Spender zu finden."

Kam passende Stammzellen zu finden in den Anfangszeiten der Typisierungsaktionen einem Treffer in der Lotterie gleich, sind die Chancen nun deutlich besser. "Hilfe für Anja" alleine nahm seit der Gründung vor 18 Jahren 47 500 Typisierungen vor und vermittelte 450 Spender. Aber dennoch wartet auch heute noch jeder fünfte Patient vergeblich auf einen Spender. Etwa 1800 Menschen in Bayern (11 000 in Deutschland) erhalten nach Angaben von Gesundheitsministerin und Schirmherrin Melanie Huml jährlich die Diagnose Blutkrebs. Eine Stammzellen- oder Knochenmarktransplantation ist oft die einzige Aussicht auf Heilung.

Solche Momente bestärken uns in unserer Arbeit.Michael Sporrer über das Treffen mit der dankbaren Mutter eines betroffenen Kindes

Was nach den Stammzellenspenden passiert, erfährt der Verein laut Sporrer in der Regel nicht. "Eine junge Mutter kam vorbei und hat sich für die erfolgreiche Spende für ihren kleinen Sohn, die bei uns erfasst wurde, bedankt. Solche Momente bestärken uns in unserer Arbeit." Auch "Anja" - seit zwei Wochen frisch gewählte Schriftführerin der nach ihr benannten Aktion - führe laut Sporrer seit der Transplantation 2011 ein unbeschwertes Leben.

Anja, Kathrin, Robin und viele andere mehr - die Namen der Betroffenen aus der Region haben Typisierungen ins Bewusstsein gerückt. Für Sporrer trotzdem noch nicht umfassend genug: "Diejenigen, die sich dafür interessieren, wissen natürlich Bescheid, bei den Anderen muss man weiter Aufklärungsarbeit leisten." Auch die Rücklaufquote der Sets bei großen Aktionen liege nur bei etwa 40 Prozent. Viele ließen sich vom Gemeinschaftsgefühl mitreißen.

"Jeder muss es für sich genau überlegen, was es bedeutet, sich als potenzieller Lebensretter registrieren zu lassen. Und was im Fall einer Spende auf ihn zukommt", betont Sporrer. Nachdem der Mythos von Spritzen ins Rückenmark ausgeräumt ist, ist das angesichts eines neuen Lebens für den Kranken überschaubar.

Weitere Infos und Lebensretter-Sets: www.akb.de www.hilfe-fuer-anja.de

TypisierungsAktion am 25. Mai

An rund 250 Standorten in Bayern können "Lebensretter-Sets" abgeholt werden. Jeder, der Stammzellen spenden möchte, nimmt das Set mit nach Hause, registriert sich online und schickt den Wangenabstrich oder die Blutprobe portofrei in der Box zurück. Typisieren lassen kann sich jeder von 17 bis 45 Jahren, der gesund und in körperlich guter Verfassung ist. Der Spender verbleibt in der weltweiten Spenderdatei bis zum 60. Lebensjahr.

Typisierungsstellen in der Region:

Amberg: DAK, Marienstraße 9, und Landratsamt, Hockermühlstr. 53

Weiden: DAK, Schillerstraße 11, und MDK, Leimberger Straße 63

Tirschenreuth: Landratsamt, St. Peter-Straße 33

Schwandorf: DAK, Klosterstraße 17, und Landratsamt, Wackersdorfer Straße 78 a

Oberviechtach: Krankenhaus, Teunzer Straße 15 (tos)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.