04.12.2017 - 18:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Peter Ertl spielt seit 40 Jahren den Heiligen Mann Schnuller für den Nikolaus

Er will kein rotbackiger Weihnachtsmann sein. Und auch kein polternder Knüppel-Knecht, vor dem sich die Kinder fürchten. Nein - Peter Ertl legt Wert auf den christlichen Brauch, darauf dass er der heilige Bischof Nikolaus aus Myra ist. Seit 40 Jahren.

Seit 40 Jahren mit dem roten Buch und dem goldenen Stab unterwegs: Peter Ertl.
von Autor hczProfil

Mit dem roten Buch und dem goldenen Stab besucht Ertl seit seinem 21. Lebensjahr Kinder, Vereine, Seniorenclubs, Geschäfte und Familien. Begonnen hat er seine Nikolaus-Karriere bei der Caritas. Damals fuhr er ehrenamtlich "Essen auf Rädern" aus und wurde gefragt, ob er nicht auch den Nikolaus-Dienst übernehmen könne. Hinzu kamen Anfragen von Verwandten und Vereinen. Die Aufträge wurden immer mehr und so machte er sich einige Jahre später selbstständig.

Das erste Nikolaus-Gewand kostete 1000 Mark, erinnert sich Ertl. Für Josef Östreicher, seinen Freund, der als Knecht Ruprecht mit in die Häuser ging, suchte das Duo über den Aushang im Fernmeldeamt, wo beide arbeiteten, alte Fell-Autositzbezüge. Aus dem Stapel, der schnell zusammen kam, nähte Östreichers Frau Daniela das Gewand für den "Krampus". 23 Jahre lang begleitete Östreicher Ertl.

Nikolaus-Systemadministrator

Nun ist er "Nikolaus-Systemadministrator". Denn die Termine haben eine Dimension angenommen, die nur noch per Computer zu bewältigen ist. Auch eine Homepage www.nikolaus-weiden.de hat Östreicher erstellt. Dort kann man ein Anmeldeformular herunterladen, die Terminanfrage eingeben und erhält dann per Mail Antwort. Auch "nikolausige Regeln" erfährt man über diese Adresse. Ein "Lob- und Tadelblatt" soll man ausfüllen. Weitere Tipps: Den Kindern keine Angst vor dem Besuch machen und bitte den Fernseher ausschalten, wenn der Heilige und sein Knecht da sind.

Erste Aufträge kamen heuer schon im Juni, berichtet Ertl. Mitte Oktober waren 165 Termine fest geplant. Es wurden noch mehr. Letztes Jahr waren 215 Einsätze von den vier Nikolaus-Paaren, die unter Ertls Regie laufen, zu absolvieren. An lustige und schöne Erlebnisse erinnert sich der frühere Leiter des "T-Punkts" am Oberen Markt gerne. Einmal öffnete ein Fünfjähriger die Haustüre. Als er die Besucher sah, lief er weg, versteckte sich unter dem Bett und war weder von den Eltern noch durch beruhigende Worten des Nikolaus zum Hervorkommen zu bewegen. Also rückte man unverrichteter Dinge wieder ab. Ein andermal hatten Eltern in Parkstein die Geschenke absprachegemäß in der Mülltonnen-Box deponiert. Große Verwunderung gab es dann, als der Nikolaus auch eine leere Waschpulverschachtel als Geschenk auspackte. Sie war eben auch in der Box gestanden.

Schnäpschen für die Opas

Ertl erinnert sich auch gerne an ein wunderschönes Gedicht und Geschenke, die er von Kindern in Ullersricht einmal bekam. Oder an Opas, die von ihm beim Besuch immer ein Schnäpschen bekommen und jedes Jahr schon freudig darauf warten. Seit 2004 ist Ertl auch "städtischer Nikolaus" und eröffnet als solcher den Christkindl-Markt. "Eine Woche davor ist er vor lauter Lampenfieber nicht ansprechbar", berichtet seine Frau Franziska.

Auch sie kann Einiges erzählen. Alljährlich habe sie einige Dutzend Schnuller zu entsorgen, die Kinder dem Nikolaus mitgegeben haben. Manchmal kommen aber auch Eltern und wollen sie doch wieder zurück. Franziska Ertl ist mit dem Telefondienst betraut, wenn die Nikoläuse mit ihren Begleitern Ruprecht und einem Engel im Einsatz sind. Da kann es auch mal vorkommen, dass sie übel beschimpft wird, wenn sich der Besuch etwas verzögert, bedauert die Ehefrau. Wegen schlechten Wetters etwa. Einmal musste sie einen zu spät eingegangenen Text ihrem Mann per Fax in das Lokal zustellen, wo dieser bereits im Einsatz war.

Auch bei Firmenfeiern

Der 5. und der 6. Dezember sind natürlich die Haupttage für die Nikolaus-Teams, aber es folgen noch Firmen-Weihnachtsfeiern oder Adventsfeiern in Altenheimen, die Ertl sehr gerne übernimmt, "weil sich die alten Leute oft mehr freuen als die Kinder". Nach der "Saison" treffen sich alle Beteiligten in einer Nikolaus-Hütte im Wald und feiern ein Wochenende durch. Aber: Nach dem Advent ist vor dem Advent! Bei dieser Gelegenheit wird schon besprochen, was man verbessern könnte, wer in der nächsten Saison wieder dabei ist, wer nicht mehr mitmacht und so weiter. Ertl möchte übrigens noch weitere 25 Jahre durchhalten. "Denn auch der Nikolaus kann erst mit 65 in Rente gehen."

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