06.04.2018 - 17:41 Uhr
Oberpfalz

Überblick über Leih- und Mietangebote in Weiden und dem Landkreis Neustadt Von B wie Ballkleid bis W wie Werkzeug

Kaufen war gestern. Teilen oder mieten liegt voll im Trend. "Sharing Economy" lautet das Stichwort. Neben reinen Tauschbörsen und kostenfreien Diensten gibt es zahlreiche kommerzielle Leih- und Mietangebote in der Region. Ein Überblick.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

 Bücher, Werkzeuge, Nikoläuse, Kleider, Boote - das und noch viel mehr kann man in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN tauschen, leihen oder mieten. Mal steckt ein sozialer Gedanke dahinter, mal ein kommerzielles Interesse. 

Bücher und Porzellan gibt es am Weidener Bauhof. Das Angebot entspricht der ursprünglichen Idee der "Sharing Economy": Bücher und Porzellan stehen in Containern und können kostenlos mitgenommen und angeboten werden. "Es ist quasi eine Tauschbörse: Ich kann ein Buch abgeben oder eines holen. Wer seine Bücher nicht mehr haben will, soll sie nicht wegschmeißen, so dass andere sie lesen können", erklärt Manuela Zahner, zuständig fürs Personal am Bauhof. Eineinhalb bis zwei Jahre gebe es das Angebot, das der ehemalige Bauhof-Chef Manfred Meßner ins Leben gerufen hat. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der Porzellan-Tausch am Wertstoffhof. Ein ähnliches Angebot steht vor der VHS in Weiden: eine ausgediente Telefonzelle dient als Bücherschrank. Hier gibt es Bücher zum Mitnehmen, Lesen und Zurückstellen. Und wer’s klassisch mag, leiht Bücher, Filme, Musik und Co. in der Regionalbibliothek Weiden.

All die Bücher und das Porzellan würden auf dem Müll landen, gäbe es den Tausch-Service am Bauhof nicht.

Karin Köllen (30) freut sich über die Möglichkeit, aus der „Bücher-Zelle“ vor der Volkshochschule in Weiden Lesestoff mitnehmen zu können. Und sie gehört auch zu den Nachfüllern. (Fotos: Gabi Schönberger)

Knecht Ruprecht und Bischof Nikolaus kann man über Peter Ertl buchen. Vom ersten Advent bis Weihnachten (außer Heilig Abend) sind vier bis fünf Paare aus Knecht und Heiligem ehrenamtlich in Familien, Kindergärten und Schulen unterwegs. "Bei Bedarf haben wir noch einen Engel", sagt Peter Ertl. Er ist seit 40 Jahren in seiner Freizeit als Nikolaus dabei, "aus Freude am alten Brauch und wegen des Kontakts zu den Familien. Es gibt Termine, wo ich früher bei den Kindern war, die inzwischen selber Kinder haben". Die Eltern füllen für jedes Kind per E-Mail einen Lob-und-Tadel-Zettel aus, damit Knecht Ruprecht und Nikolaus wissen, was zu berichten ist. Die Paare sind ehrenamtlich im Einsatz, die Kunden legen selbst fest, was ihnen der Service wert ist. Die Einnahmen decken laut Ertl in etwa die Kosten in der "dicken Zeit" um Weihnachten.

Peter Ertl (rechts) ist seit 40 Jahren ehrenamtlicher Nikolaus. Links sein Kollege Johannes Schlosser als Knecht Ruprecht. (Foto: privat)

Reifrock zum Brautkleid: Unter anderem bei "Wolke 7 Brautmoden" und Brautmoden "La Novia" in Weiden können Frauen, die sich dort ein Brautkleid gekauft haben, dazu einen Reifrock leihen. Stefanie Kreis, Inhaberin von "Wolke 7" weiß: "Das Angebot wird fast immer genutzt. Bei 100 Bräuten ist vielleicht eine dabei, die selbst einen Reifrock hat. So ein Reifrock ist mit 60 bis 70 Euro relativ teuer. Das Leihen kostet nichts, auch dann nicht, wenn etwas geändert werden muss." Die Röcke werden bei "Wolke 7" entweder gereinigt zurückgegeben oder bei der Rückgabe werden dafür zehn Euro fällig.

Werkzeuge und Geräte kann man in diversen Baumärkten oder zum Beispiel beim Werkzeug- und Geräteverleih von Werner Stich in Weiden mieten. In seiner großen Garage warten Heckenscheren, Stampfer, eine Parkettschleifmaschine, Bautrockner und andere große und kleine Gerätschaften auf ihren Einsatz. Für Stich ist es ein Nebengeschäft. Er ist seit 1999 selbstständig und weiß: "Beim Werkzeug fehlt immer was." Deshalb teilt er sein Werkzeug. Alle zwei bis drei Tage komme jemand, um ein Teil zu mieten. Meist handle es sich um Privatkunden. Gezahlt wird ein Mietpreis und eine Kaution, die Mietdauer ist flexibel regelbar.

Ein Boot oder einen Jetski für den Urlaub kann man seit 2016 bei "Dein Urlaubsboot" mieten. Der Verleih befindet sich allerdings nicht in Meeresnähe, sondern in Parkstein. "Wer einen Bootsführerschein hat, kann das gemietete Boot oder den Jetski auf dem Trailer mitnehmen und zum gewünschten Urlaubsziel fahren. Das ist meistens Kroatien", erzählt Geschäftsführer Thomas Kappl. Im Angebot hat er Jetski mit 260 bis 300 PS und reine Sportboote, also "nichts, wo man drin schlafen kann". Sein Angebot ist saisonal stark gefragt: "Für Juli und August sind wir schon seit ungefähr Oktober ausgebucht."

Thomas Kappl vermietet in Parkstein Sportboote und Jetski an Urlauber. (Foto: "Dein Urlaubsboot")

Hackbretter und Harmonikas verleiht der Musikantenladl in Neustadt. "Es gibt zwei Möglichkeiten", erklärt Sandra Lang, Ehefrau von Inhaber Wolfgang Lang. "Man kann ein Instrument zu einem monatlichen Betrag leihen, abhängig vom Preis des Instruments. Oder man kann sich für ein Schnupperpaket entscheiden und ein Instrument im Zusammenhang mit Unterricht leihen." Letzteres werde "irrsinnig oft genutzt". Ein solches Angebot gebe es hier wohl nicht noch einmal. Nach dem Kurs können sich die Kunden entscheiden, ob sie das Instrument kaufen oder weiter mieten möchten. "Die Instrumente sind mit 4 000 Euro für eine Harmonika und 1 200 bis 1 500 Euro für ein Hackbrett relativ teuer. Aus der Westentasche heraus kann man ein paar Tausend Euro nicht einfach ausgeben. Und wenn Kinder anfangen wollen, mit der Harmonika zu musizieren, ist es Quatsch, eine zu kaufen. Weil die Kinder rauswachsen aus dem Instrument."

Üppige Ball- und Abendkleider vermietet Tanja Schmidt gemeinsam mit ihrer Mutter Brigitte Stopfer seit 2006 unter dem Firmennamen "Rent a Highlight" in Kirchenthumbach. Angefangen haben die Frauen mit 40 Kleidern, heute können fast 500 Kleider gemietet oder gekauft werden. "Ein Abschlussball ist heutzutage wie eine Hochzeit", weiß Tanja Schmidt. Deshalb hat sie kaum schlichte, dafür viele auffallende Kleider im Sortiment: tiefe Rücken, weite Röcke, Tüllkleider mit bis zu sieben Schichten. Rund um den Jahreswechsel herrscht Hochsaison: "Da muss man schon mal auf eine Umkleidekabine warten oder ein Kleid von der Begleitperson bewachen lassen, damit es keine andere Kundin wegschnappt." Änderungen können die Kundinnen gleich im Laden beauftragen. Schmidt berichtet von kreischenden Mädels und stolzen Eltern und fasst zusammen: "Wir haben den schönsten Job der Welt."

Üppige Ball- und Cocktail-Kleider vermieten Tanja Schmidt (rechts) und ihre Mutter Brigitte Stopfer (links) bei "Rent a Highlight" in Kirchenthumbach. (Foto: privat)

Hund-To-Go könnte man das betiteln, was das Tierheim Weiden anbietet: Es werden Gassigeher gesucht, die die Tiere für eine kurze Zeit "ausleihen". "Im Moment haben wir nur drei oder vier Hunde und sechs bis acht Gassigeher", weiß Heimleiterin Jutta Böhm. "In der Urlaubszeit kann das aber schon wieder ganz anders aussehen: Wenn die Besitzer einverstanden sind, können die Gassigeher auch mit den Urlaubshunden rausgehen. Wenn genügend Hunde da sind, suchen wir Gassigeher." Interessenten sollten sich in jedem Fall bei ihr melden. Sie müssen Mitglied im Tierschutzverein Weiden werden (Jahresgebühr 15 Euro), weil die Tiere ansonsten außerhalb des Geländes nicht versichert sind. Es besteht Leinenpflicht und die Gassigeher dürfen nicht unter 16 Jahren alt sein. Außerdem gibt es feste Gassigeh-Zeiten am späten Nachmittag.

Wo fängt das Teilen an und wo hört es auf?

Welche Angebote gehören zur "Sharing Economy"? Die Frage ist wegen der uneindeutigen Definition des Begriffs schwer zu beantworten. Der Ursprungsgedanke hinter der "Wirtschaft des Teilens" bezog sich auf Aspekte wie Nachhaltigkeit, soziales Miteinander, Nutzung bisher ungenutzter Ressourcen, gemeinschaftlicher Konsum, freie Zugänglichkeit. Zur "Sharing Economy" gehören Dienstleistungen (zum Beispiel Leihoma), Firmen und Geschäftsmodelle (Fahrdienstvermittler Uber), Plattformen (Unterkunfts-Vermietung AirB'n'B) und Praktiken (Foodsharing). Auch Maschinenringe sowie Siedlergemeinschaften könnte man unter diesen Begriff fassen. Es gibt allerdings auch Kritik an der "Sharing Economy": Einige große Anbieter zahlen Dumpinglöhne, Wirtschaftlichkeit ist oft wichtiger als Nachhaltigkeit. Für diesen Beitrag haben wir eine breite Begriffsdefinition gewählt, die das kommerzielle Mieten beinhaltet. (jak)

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