Wiesau/Falkenberg. Die Blicke von Klara Zeitler sind noch kritisch. Schnell macht Mama Nina noch ein Foto von ihrer Tochter mit langen Haaren. Schließlich sitzt die Neunjährige gleich auf dem Friseurstuhl von "N-Joy Hair Coiffeur" in Wiesau und trennt sich von ihrer langen Mähne.
"Auf der Herfahrt war sie schon ein wenig aufgeregt", gesteht die Mutter. Sie habe zu ihrer Tochter immer wieder gesagt, dass sie es nicht machen muss. "Aber Klara will das unbedingt machen", erklärt die Falkenbergerin stolz.
Einprägendes Erlebnis
Der Ursprung dieser Aktion hat einen traurigen Hintergrund. Während einer Chemotherapie hatte Klaras Großvater Uli, der 2014 an Krebs verstorben ist, seine schwarzen Haare verloren. "Das hat sie beschäftigt. Sie sagte damals immer: 'Opa hat doch so schöne schwarzen Locken gehabt'", erinnert sich Nina. Dieses Erlebnis habe sich offenbar bei ihrer Tochter eingeprägt. "Das war die ganze Zeit in ihrem Kopf."
Seit der 1. Klasse hatte sich die Schülerin die Haare wachsen lassen. Denn ihr großer Wunsch sei es gewesen, dass sie zur Kommunion ganz lange Haare hat. Anfang Mai war es so weit. Mit langen, lockigen Haaren trat die Neunjährige erstmals an den Tisch des Herrn. Da stand für Klara aber schon fest, dass sie sich von ihrer langen Mähne trennen wird. Die Kinder in Falkenberg spenden zur Kommunion eigentlich immer Geld. "Das haben wir auch gemacht", so die Mutter. Aber zusätzlich wollte Klara ihre Haare spenden. "Auch krebskranke Kinder wollen hübsch ausschauen und eine schöne Perücke haben", erklärt die Neunjährige. Auf die Idee kam sie beim Surfen im Internet.
Dort landete die junge Falkenbergerin auf der Seite haare-spenden.de (Infokasten) . Auf der holte sie sich alle nötigen Informationen. Die Mutter hatte nichts dagegen: "Ich bin ganz stolz auf sie, auch wenn ein tränendes Auge dabei ist." Auch ihren Freundinnen und in der Schule hat es Klara erzählt. Alle hätten es toll gefunden. Manche hätten aber nicht gewusst, dass es so etwas gibt. Zudem hätten Papa Andreas und ihre zwei Brüder sie bei dieser Aktion unterstützt. Auch wenn Bruder Max am Anfang doch recht skeptisch war. Seine erste Reaktion: "Spinnst du. Das kann man doch nicht machen."
Zurück auf den Friseurstuhl: Trotz eines "leicht komischen Gefühls" nimmt Klara Platz. Und dann geht es ganz schnell. "N-Joy"-Chefin Michelle Siegel setzt die Schere an und mit einem Schnitt hat sie einen 35 Zentimeter langen Haarzopf in der Hand. Dann folgen die Feinarbeiten für die neue Bob-Frisur.
Vorteile der Kurzhaarfrisur
Schnell findet die Neunjährige Gefallen an ihrem neuen Aussehen. "Die langen Haare haben am Rücken immer genervt. Jetzt ist es auf dem Kopf viel leichter. Das fühlt sich richtig gut an." Zudem könne sie sich nun einfach ins Bett legen, ohne ihre Haare zu richten. Und in Richtung Mama gerichtet findet die Neunjährige auch noch einen Vorteil: "Jetzt hängen meine Haare wenigstens nicht mehr ins Essen." Von Nina gibt es da ein nickendes Zustimmen. Auf dem Friseurstuhl vergisst Klara weitere Unannehmlichkeiten, die ihr die langen Haare bereitet haben. Sie habe viel Zeit im Bad und beim Föhnen verbracht.
"Manchmal hat sie schon gesagt, dass sie nicht mehr will. Aber dann hat sie immer schnell wieder ihre Meinung geändert", erinnert sich Nina. Ihr Tochter habe dabei oft einen Spruch gesagt: "Haare verschenken, ist wie Glück verschenken." Als Klara vom Friseurstuhl steigt, strahlt sie. Auch die Mutter und Michelle Siegel sind mehr als zufrieden: "Das schaut wirklich super aus." Schließlich zückt die Mama noch einmal das Handy. Das Foto danach darf schließlich nicht fehlen.
Initiative "haare-spenden.de"
Bei der Initiative "haare-spenden.de" gehen jährlich etwa 10 000 Haarspenden ein. Der Kunde kann sich im Haarlager der Initiative seine neuen Haare aussuchen. Max Rieswick ist Gründer von haare-spenden.de.
Auf www.ze.tt hat er erklärt, dass sie eine große Auswahl an Perücken anbieten möchten und momentan auch dazu in der Lage sind: "Wir können heute jeden mit Zweithaar versorgen, der durch eine Krankheit seine eigenen Haare verloren hat, und berechnen unseren Kunden für das gespendete Haar keinen Cent. Das können wir allerdings nur so lange, wie wir ausreichend Haarspenden zugeschickt bekommen."

















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