12.03.2018 - 14:18 Uhr
Windischeschenbach

Interview mit dem bayerischen Musiker und Kabarettisten Michi Marchner Dichter, Denker Wortverrenker

Michi Marchner gilt als absolutes Unikat der bayerischen Kabarett- und Comedy-Szene und bezeichnet sich selbst als modernen Volkssänger. Seit 30 Jahren zelebriert er seine Kunst und hat daraus eine extrem entspannte "Hochleistungskabarettistik" entwickelt. 

Michi Marchner präsentiert sich seinem Publikum mit bayerischem Charme, Wortwitz und Spontaneität. Bild: Tom Garrecht
von Hans PremProfil

Der gebürtige Schwabinger Michi Marchner ist Multi-Instrumentalist, Kabarettist, Sänger, Erzähler und Romantiker. Bereits 1989 gründete er mit seinem Kumpan Martin Lidl die Musik-Kabarettgruppe "Les Derhosn", mit der er rund 2000 Auftritte absolvierte. Seit 2002 steht der vielseitige, sympathische Kabarettist auch solo auf der Bühne und verzaubert. Am Samstag, 17. März (20.30 Uhr), gastiert er mit seinem aktuellen Programm "Ausgerechnet wie immer" bei der "Futura 87". Im Interview verrät er unter anderem, was er darunter versteht und warum er 1987 am Bauzaun in Wackersdorf verhaftet wurde.

Herr Marchner, sie gelten als der letzte echte Schwabinger. Wieso sterben die Ureinwohner des Szene-Stadtteils in München aus?

Michi Marchner: Der echte Schwabinger kann sich die Mietpreise dort nicht mehr leisten und ist längst weg. Schwabing hatte mal einen Ruf als Szene- und Künstlerviertel mit vielen Kulturbetrieben und Clubs. Von den alten Betrieben ist kaum noch was übrig. Schwabing mutierte zum Viertel der Reichen und Schönen.

Sie können auf 30 Jahre Kabarett und Kleinkunst zurückblicken. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Die Szene hat sich ungeheuer professionalisiert. Als ich das Handwerk angefangen habe, ging es darum, originell zu sein. Jetzt läuft alles nur noch über Agenturen, die für den Künstler Internetseiten erstellen und Veranstalter buchen.

Ihr künstlerischer Stil wird als "extrem entspannte Hochleistungskabarettistik" bezeichnet. Wo würden sie sich selbst als Kabarettist einordnen.

Ich würde mich als versierten Musiker mit Gitarre als Hauptinstrument bezeichnen. Ich mache Musik-Kabarett mit lustigen Liedern. Auf der Bühne bin ich ein echtes Vieh, eine Rampensau, der die Lieder auch bei Liebeskummer lustig rüberbringen kann. Dazwischen erzähle ich Geschichten, die das Leben schrieb oder schreiben sollte. Ich sehe mich als modernen Volkssänger wie Fredl Fesl, jedoch einer, der im neuen Jahrtausend angekommen ist.

Sie stehen zum ersten Mal auf der Kleinkunstbühne der Futura. In ihrer Biografie steht zu lesen, dass speziell an den Bauzaun in Wackersdorf, schlechte Erinnerungen haben. Was ist da 1987 passiert?

Damals war ich noch ein sehr junger Mensch, der glaubte, die Welt in die positive Richtung verändern zu können. Ich wurde wegen Besitzes einer Säge am Bauzaun in Wackersdorf festgenommen, jedoch im Verfahren freigesprochen, weil ich kein Sägeblatt dabei hatte. Wir wurden damals als Chaoten beschimpft. Das Chaos hat mir in dem Fall geholfen, weil ich das Sägeblatt vergessen hatte.

Ihr Programm heißt "Ausnahmsweise wie immer". Auf was darf sich das Futura-Publikum bei ihrem Auftritt freuen?

Ich laufe seit 30 Jahren bei jedem Auftritt zu Höchstform auf. Von der Thematik befasse ich mich sowohl mit Liebe, Sex und Tod, als auch mit Facebook, Marderzuchtvereinen, Fischern, Tradition und Brauchtum, Verlederhosung der Gesellschaft oder hohen Durchdirndelungsraten. Ich beleuchte querbeet Auf- und Abgründe des Menschseins und gehe dabei auch relativ schonungslos mit mir selbst um. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf einen bewegenden und gelungenen Abend in Windischeschenbach.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

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