Windischeschenbach
23.05.2018 - 20:00 Uhr

Landwirtschaft rückt näher zusammen: "Der Wolf muss weg"

Ringen um angemessenen Milchpreis

Der Großteil der Landwirte im Landkreis Neustadt, rund 45 Prozent, lebt von der Milchproduktion. "Sobald nur irgendjemand äußert, es sei zu viel Milch am Markt, versinkt der Milchpreis in den Läden und damit letztlich für uns Milchbauern", bringt BBV-Kreisobmann Josef Fütterer das Problem auf den Punkt. Die ganze Familie helfe zusammen und produziere täglich beste Qualität. Falle dann der Milchpreis ins Bodenlose, frustriere das die Bauern, und mancher werfe das Handtuch. Sozialversicherung, Betriebsaufwand und Lebenskosten müssten bezahlt werden, von Investitionen ganz zu schweigen. Zurzeit bekommen die Bauern zwischen 30 und 32 Cent pro Liter Milch. Ende 2017 waren es fast 40 Cent, 2015 gar nur 23 Cent. Für Werner Reinl vom BDM wären 40 bis 50 Cent erforderlich.

Für Fütterer stehen auch die Molkereien mit in der Pflicht. Sie müssten bei allem betriebswirtschaftlichen Denken beim Lebensmitteleinzelhandel für die Bauern ein sehr gutes Milchgeld aushandeln. Ansonsten kämen vor allem die Bauern, die neue Ställe gebaut hätten, in die Bredouille. Der BBV habe einen Milchausschuss gebildet und eine Resolution verabschiedet. Mit den Milchlaufverträgen mit den Molkereien mit Andienungs- und Abnahmepflicht seien die Landwirte nicht schlecht gefahren. Der BBV fordere Ausgleichszahlungen, mehr Regionalität und bringe neue Liefermodelle ins Gespräch.

Ein großes Problem sehen BBV und BDM in den vollen EU-Interventionslagern. Das war für Reinl der größte Fehler. So werden schon demnächst mindestens 380 000 Tonnen Magermilchpulver den Markt überschwemmen. Die EU hätte schon viel früher den Landwirten, die weniger Milch produzieren, Prämien bezahlen müssen. 2015/2016 habe diese reine Krisenmaßnahme bestens funktioniert. Ohne Marktverantwortungsprogramm und einen europaweit geregelten Milchmarkt kann nach Einschätzung des BDM die Krise nicht überwunden werden. Jeder Bauer müsse seine Milchmenge in den Griff bekommen, mahnt auch Hubert Meiler.

Einig sind sich alle, dass eine Rückkehr zur Quote nichts mehr bringe. BBV-Vizepräsident Ely Eibisch erwartet ganz harte Verhandlungen mit der EU. (ms)

Neue Düngeverordnung, Dauerbrenner Milch, Flächenfraß, Stromtrassen, ausufernde Bürokratie oder der Wolf - viele Themen bedrücken aktuell die Landwirte. Da rücken BBV und BDM näher zusammen, wie ein gemeinsames Pressegespräch zeigt.

Bayerischer Bauernverband und Bund Deutscher Milchviehhalter an einem Tisch im "Weißen Schwan": (von links) vom BDM Martin Deubzer, Werner Reinl und Hubert Meiler sowie vom BBV Karl Bäumler, Josef Fütterer und Ely Eibisch. 	Bild: Lukas Meister
Bayerischer Bauernverband und Bund Deutscher Milchviehhalter an einem Tisch im "Weißen Schwan": (von links) vom BDM Martin Deubzer, Werner Reinl und Hubert Meiler sowie vom BBV Karl Bäumler, Josef Fütterer und Ely Eibisch. Bild: Lukas Meister

BBV-Kreisobmann Josef Fütterer freute sich am Dienstag im Gasthaus "Zum Weißen Schwan", weil Bayerischer Bauernverband (BBV) und Bund der Milchviehhalter (BDM) erstmals gemeinsam am Tisch saßen. Seit Monaten würde die Landwirtschaft mit immer neuen Themen belastet und gegängelt, eingeschränkt und reglementiert. Jetzt sei es an der Zeit, sich zu Wort zu melden. Für den BBV kamen neben Fütterer der Oberpfälzer Vizepräsident Ely Eibisch und stellvertretender Kreisobmann Karl Bäumler sowie für den BDM Kreisvorsitzender Werner Reinl, Martin Deubzer und Hubert Meiler.

Am drängendsten ist nach den Worten Fütterers die neue Düngeverordnung. Wegen der Nitratbelastung in einigen Quellfassungen in Deutschland habe die Bundesregierung handeln müssen. Nun seien strenge und enge Zeitfenster für die Gülleausbringung vorgegeben, zudem maximale Hektarmengen beim organischem Stickstoff. "Für viehstarke Betriebe ist das ein Desaster", klagt Fütterer. Aber auch die Art der Gülleausbringung mit Schleppschlauch werde diktiert. Wenn es zu wenig regne, würde die streifenförmige Ausbringung problematisch. Aktuell habe man dieses Problem. Jauche löse sich nicht und bleibe am Boden liegen. Beim nächsten Schnitt werde teilweise Gülle mit dem Schwader mitgenommen, so dass sich Reste davon im Siliergut wiederfänden. Über das Grassilo würden die Tiere Dünger mit aufnehmen. Eine Erkrankungen sei vorprogrammiert. Der Tierarzt müsse kommen, das koste.

Ab 2020 müsse die Gülle mit Schleppschlauch oder Schleppschuh ausgefahren werden. Die Breitverteilung benötige Fässer mit einem Eigengewicht von fünf bis zehn Tonnen. "Diese sind länger, breiter und höher", so der BBV-Kreisobmann. In Verbindung mit dem Schlepper seien dann respekteinflößende Ungetüme mit bis zu 40 Tonnen auf Dorf- und Kreisstraßen oder Feldwegen unterwegs. Ein Überholen sei ein Wagnis. Jeder Bauer müsse eine Düngebedarfsermittlung machen, "ein Bürokratiemonster". "Wir verwalten uns zu Tode." Im Herbst werde der Nährstoffvergleich notwendig. Verboten sei die Stoppeldüngung.

In dem Zusammenhang bedauerte Eibisch, dass die Bevölkerung von der Landwirtschaft kaum mehr eine Ahnung habe. "Die Leute sind so weit weg, dass es erschreckend ist." Selbstkritisch gibt der Vizepräsident seinem Berufszweig mit Schuld an dieser Entwicklung: "Wir haben den Verbraucher nicht mitgenommen."

Jeder neue Stall bedeute mehr Platz, mehr Licht und Spielzeuge wie Bürsten für das Vieh. "Und trotzdem haben wir immer mehr Probleme bei Stallbauten", bedauert Eibisch und beklagt ständig neue Verordnungen. In der nördlichen Oberpfalz gebe es kaum Probleme mit Nitrat im Trinkwasser, dafür im Landkreis Schwandorf sowie in den Bereichen Regensburg und mit Einschränkungen Neumarkt. Trotzdem würden alle Regionen gleich behandelt. Die Hälfte des Nitrataustrags erfolge durch Verkehr, Industrie und Verbraucher, die Landwirtschaft sei nur zu 50 Prozent Verursacher. "Was ist mit dem Flugverkehr?", fragt der BBV-Mann.

Alles werde den Bauern aufgebürdet, sogar das Bienensterben. Dabei gebe es mehr Bienenvölker und nicht weniger. Das Wildinsekten-Sterben sei noch zu wenig erforscht. Es sei daher unfair, generell zu sagen, die Bauern seien schuld. Ähnlich verhalte es sich mit dem Glyphosateinsatz. Wenn ein Landwirt dieses Mittel benütze, dann mache er nichts Unrechtes. Reinl: "Die Bauern machen nichts, was Verordnungen widerspricht. Wir müssen uns auf die Zulassung verlassen können."

Eine klare Meinung haben BBV und BDM zum Wolf. "Er muss weg. Der hat in freier Wildbahn nichts verloren", fordert Eibisch. Solange er Tiere reiße, werde er toleriert. Aber was sei, wenn Kinder angefallen würden? Große Probleme bereiteten auch Biber, Kormoran und Fischotter. Eibisch berichtete, dass immer mehr Teichwirte aufgäben.

30 Prozent der Landwirte im Kreis Neustadt lebten von der Schweinehaltung. Die Ebermast funktioniere nicht, daher müsse weiter das Kastrieren der männlichen Ferkel möglich sein. Der BBV hält eine Schmerzausschaltung für sinnvoll, allerdings müsse der Bauer die örtliche Betäubung selbst vornehmen dürfen, ohne Tierarzt.

Ein weiteres Thema sei der Flächenfraß. Die Bauern sehen nach den Worten Fütterers ein, dass sich die Kommunen entwickeln und daher für neue Bau- und Gewerbegebiete landwirtschaftliche Flächen abgegeben werden müssten. Allerdings seien die Kompensationsflächen überzogen. Ärgerlich sei es, wenn die Stromtrassen auf landwirtschaftlichen Flächen gebaut werden. Naturschutzgebiete und FFH-Flächen seien grundsätzlich tabu. Den Süd-Ost-Link lehnt die Landwirtschaft ab, weil er überflüssig sei. Angemerkt

Die Leute sind von der Landwirtschaft so weit weg, dass es erschreckend ist.BBV-Vizepräsident Ely Eibisch

 
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