23.05.2018 - 17:30 Uhr

Schädlingsbekämpfung in St. Katharina: Da ist der Wurm drin

Ein Klopfer auf die Bank, schon rieselt es und die unscheinbaren Häufchen auf dem Boden sind das Alarmzeichen. "Frisch und aktiv", sagt Uwe Rascher im Tonfall des Fachmanns. Da ist der Holzwurm drin. Nicht mehr lange.

Der Beweis: Der die Sanierung leitende Architekt Heinrich Schwirzer zeigt, wo der Holzwurm aktiv ist.
Der Beweis: Der die Sanierung leitende Architekt Heinrich Schwirzer zeigt, wo der Holzwurm aktiv ist.

Heute ist für ihn und seinen Kollegen die Friedhofskirche St. Katharina dran. Ein eher kleines Objekt für die beiden Schädlingsbekämpfer. Früher wären sie wohl als Kammerjäger tituliert worden. Das trifft es schon lange nicht mehr, da sind Spezialisten am Werk. Die in Lauf an der Pegnitz ansässige Firma Binker Materialschutz hat den Auftrag bekommen, allen, wirklich allen und auch dem allerletzten Holzwurm im Innern der kleinen gotischen und natürlich denkmalgeschützten Kirche den Gar auszumachen. "Richtig interessant wird es ab 10 000, 12 000 Kubikmeter", sagt Rascher. Also ein kleiner Auftrag. St. Katharina schlägt mit 1200 Kubikmetern zubuche. Die Generalsanierung des Sakralbaus, der in die Zuständigkeit der Pfarrei St. Georg fällt, läuft bereits geraume Zeit. 1,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, im April 2019 soll alles fertig sein. Das Dach und die Fassadenrenovierung sind weitgehend abgeschlossen. Jetzt ist der Innenraum dran.

Sakrales Kleinod

Die am Dienstag begonnene Holzwurmbekämpfung zielt nicht auf tragende Holzteile, etwa das Dachgebälk ab, erläuterte der Architekt Heinrich Schwirzer. Sein Büro in Freihung ist auf Denkmalsanierungen und Altbauten spezialisiert. Schwirzer gerät ins baustilistische Schwärmen, wenn er über die kleine Kirche, die bis 1370 zurückverfolgbar ist, spricht. Gotik, Spätgotik, Renaissance, Barock, von allem etwas.

Ernst wird sein Blick, wenn die Sprache auf den Holzwurmbefall kommt. Der ist massiv und substanzgefährdend. Es geht um das gesamte Innenmobiliar der Kirche. Die Bänke für die Besucher ebenso wie den Hochaltar, Stühle, Sakristeischränke, Sitzhocker usw., usw. Ein Teil davon war am Dienstagvormittag noch in einem Nebenraum gelagert. Wenn Rascher und sein Kollege mit der Begasung beginnen, müssen diese Möbel rüber in die Kirche gebracht sein. Das Prinzip, wie die Schädlingsbekämpfer vorgehen, ist einfach. Alles abdichten, Gas rein, gleichmäßig verteilen, abwarten, fertig. Das Duo der Firma Binker war sich sicher, am noch Dienstagabend mit der Begasung beginnen zu können. Eingesetzt wird Sulfurylfluorid, das in den 1950er Jahren als Insektizid entwickelt wurde.

Nicht vergessen

Ein Stichwort genügt, und Rascher weiß sofort Bescheid, dass es 2002 wenige Kilometer von der Katharinen-Kirche entfernt in Ursensollen einen tödlichen Unfall bei einer vergleichbaren Holzwurm-Bekämpfung gegeben hat. Er weiß auch, woran es gelegen hat und welche Fehler damals gemacht wurden. Hier schließt er jegliche Gefährung aus. Vier Tage lang wird sich niemand in einem Sperrgürtel von zehn Metern rund um die Friedhofskirche aufhalten.

Zum Spezialisten-Handwerk, das Rascher braucht, um sorgfältig arbeiten zu können, gehört hauptsächlich die Abdichtung des Baus, gleichmäßige Verteilung des Gases im Innenraum und die konstante Beibehaltung der nötigen Konzentration. Bevor das giftige Sulfurylfuorid eingeblasen und mit Ventilatoren verteilt wird, findet einen Testbegasung mit einem ungiftigen Mittel statt. "Ob auch alles dicht ist", sagt Rascher. "Danach kommt dann keiner mehr in die unmittelbare Nähe der Kirche." Deshalb werden sogar die Schließzylinder von allen Zugangstüren ausgetauscht.

 
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