01.10.2017 - 15:48 Uhr
Oberpfalz

Viele Fußgänger gefährden sich durch Handy-Dauernutzung im Verkehr selbst: In Amberg sind die Smombies los

In Amberg sind die Smombies los. Keine Zombies Gott sei Dank, aber die Dauernutzer von Handys sind fast ebenso gefährlich. In erster Linie gefährden sie sich selbst, wenn sie als Fußgänger im Verkehr ständig das Telefon am Ohr haben oder noch schlimmer: darauf schauen. Auch in Amberg ist diese Ablenkung gruslig groß.

Wer als Fußgänger das Handy nicht mehr vom Ohr kriegt oder beim Gehen Nachrichten liest und schreibt, gefährdet sich und andere im Verkehr, warnen ACE-Kreischef Michael Ponsel (links) und Regionalbeauftragte Petra Dieterich (rechts), die am Bahnhof eine hohe Zahl von Smombies zählten. Bild: Hartl
von Thomas Amann Kontakt Profil

Das hat jetzt der Auto Club Europa (ACE) Kreis Oberpfalz-West herausgefunden. Sein Vorsitzender D. Michael Ponsel hat sich die Situation am Freitagmittag zusammen mit der Regionalbeauftragten für Nordbayern, Petra Dieterich, angesehen. Die beiden zählten an zwei Überwegen beim Bahnhof und bei der Post die Leute, die beim Überqueren der Furten aufs Handy blicken oder telefonieren. Das Ergebnis nach zwei Stunden, unterteilt nach Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen, hat Michael Ponsel "überrascht".

Fast 20 Prozent abgelenkt

Bei letzterer Gruppe waren rund 18 Prozent Jungen und 16 Prozent Mädchen als Smombies unterwegs (von insgesamt über 640 gezählten Fußgängern). Bei den Männern und Frauen ab 18 Jahren waren es 19,5 beziehungsweise ebenfalls 16 Prozent (bei 880 Passanten), die die Finger nicht vom Handy lassen konnten. Ein erschreckend hoher Wert, wie der Kreisvorsitzende findet, weil nämlich aus diesen Situationen viele Unfälle entstehen.

Bei einer Gesamtzahl von rund 2,4 Millionen jährlich in der Bundesrepublik wird etwa ein Drittel allein durch Ablenkung verursacht. "Wiederum ein Drittel dieser Unfälle geht auf die Handynutzung zurück", zitiert Petra Dieterich den Fachverband Fußverkehr Deutschland und weist darauf hin, dass sich der ACE vor zwei Jahren die noch riskantere Handynutzung am Autosteuer mit ebenso verheerenden Zahlen angeschaut hatte.

Doch auch die Smombies leben nach ihren Worten gefährlich und sind in fast ganz Nordbayern in ähnlicher Stärke wie in Amberg vertreten. Das belegen laut Dieterich die Resultate aus 13 von 15 ACE-Kreisen, wo heuer die gleiche Beobachtungs- und Zählaktion unter dem bundesweiten Motto "Finger weg vom Smartphone im Verkehr" über die Bühne ging. 20,6 Prozent Jungen und 18,4 Prozent Mädchen handelten im Gesamtschnitt anders als es die Initiative rät. Bei den Männern und Frauen über 18 waren es immerhin gut 17 beziehungsweise 11 Prozent.

"Kriegen überhaupt nix mit"

Viele seien obendrein mit Kopfhörern unterwegs, immer mehr nicht nur mit Ear-Pods (kleineren Stöpseln), sondern solchen, die das ganze Ohr bedecken. "Die kriegen vom Straßenverkehr überhaupt nix mehr mit", meint Michael Ponsel und warnt gleichzeitig vor einer nach seiner Ansicht im Grunde falschen Entwicklung: Bodenampeln und Leuchtleisten an Überwegen und gefährlichen Stellen sorgten zwar vielleicht an solch neuralgischen Punkten für Entspannung, trügen aber dadurch zu einem falschen Sicherheitsgefühl bei. Weil diese Hilfen für Smombies, wie es sie bisher nur in Großstädten meist in Feldversuchen gibt, eben nicht überall vorhanden sind, aber zu einem anhaltenden Gewöhnungseffekt führen können.

Doch der ACE-Kreischef und die Regionalbeauftragte wollen bei dem Thema nicht nur kritisieren. Sie wissen sehr wohl, "dass es hier halt menschelt". Bei der ACE-Aktion geht es nach ihren Worten nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern darum, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, dafür zu sensibilisieren. "Um die Verkehrssicherheit zu fördern", sagt Michael Ponsel, und um Leben und Gesundheit der Menschen besser zu schützen.

 

 

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