06.04.2021 - 12:21 Uhr
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Meerschweinchen: Nur in der Gruppe richtig glücklich

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In der Corona-Pandemie ist das Interesse an Meerschweinchen gestiegen. Wer sich die Kleintiere ins Haus holt, sollte jedoch beachten, dass sie Platz benötigen und keine Kuscheltiere sind.

Meerschweinchen lassen sich auch drinnen problemlos halten: Wichtig ist dann ein großzügiges Gehege mit Möglichkeiten zum Unterschlüpfen.
von Agentur DPAProfil

Sie können pfeifen und quieken, sind sehr sozial und benutzen ihre Zähne in der Regel nur, um Nahrung zu zerkleinern: Meerschweinchen gelten als relativ unkomplizierte Haustiere. Derzeit sind die aus Südamerika stammenden Nagetiere besonders gefragt. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe die Nachfrage definitiv zugenommen, sagt Elisabeth Preuß, Pressewartin des Bundesverbands Meerschweinchenfreunde Deutschland aus dem westfälischen Olfen. Auch Andrea Gunderloch, Mitglied des Vereins SOS Meerschweinchen, berichtet von gestiegenem Interesse. "Viele Familien haben jetzt mehr Zeit. Die Kinder sind länger daheim und es wird nach Beschäftigung gesucht." Die Vereine müssen dadurch auch vermehrt beraten. Denn Meerschweinchen sind zwar klein, stellen aber Ansprüche an ihre zukünftigen Besitzer.

Ein besonders wichtiger Aspekt: Einzelhaltung ist alles andere als artgerecht - die Tiere sollten mindestens zu zweit sein. "Meerschweinchen sind hochsoziale und sehr mitteilsame Wesen", sagt Niklas Kirchhoff, Züchter im Bundesverband Meerschweinchenfreunde. Soziale Kontakte sind für sie immens wichtig. "Das geht auch zu zweit, aber mit mehr Tieren ist es schöner", sagt Kirchhoff. Der Verein SOS Meerschweinchen gibt Tiere sogar nur mindestens zu dritt ab. Expertinnen und Experten raten, entweder mehrere kastrierte Böckchen oder aber einen Kastraten mit mehreren Weibchen zu halten. Reine Weibchen-Gruppen sind weniger sinnvoll, weil häufig eines der Weibchen eine "männliche" Anführerrolle übernimmt.

Keine Käfige aus dem Handel

Meerschweinchen können im Freien oder in der Wohnung gehalten werden. Draußen sollten sie Elisabeth Preuß zufolge mindestens zu viert sein. "Weil sie sich dann im Winter besser gegenseitig wärmen können." Generell können sie das ganze Jahr über draußen leben, zum Beispiel in einem geräumigen Stall. Kälte macht den Tieren weniger aus als Hitze. Will man die Meerschweinchen in der Wohnung halten, ist eine ausreichend große Behausung wichtig: Von Käfigen aus dem Zoofachhandel raten die Expertinnen ab.

Andrea Gunderloch vom Verein SOS Meerschweinchen rät zu einem selbstgebauten Gehege mit mindestens zwei Quadratmetern Grundfläche. "Das kann man schon aus vier Brettern und einem Boden aus Teichfolie bauen." Im Gehege müssen die Tiere Unterschlupfmöglichkeiten finden, die mindestens zwei Öffnungen haben: So können sie sich bei Konflikten aus dem Weg gehen.

Die Mitglieder von SOS Meerschweinchen übernehmen Tiere mit gesundheitlichen Problemen oder aus schlechter Haltung, päppeln sie auf und vermitteln sie im Raum zwischen Karlsruhe und Frankfurt weiter. Mit einem passenden Gehege sei die Haltung eigentlich unkompliziert, sagt Andrea Gunderloch. Für Probleme sorge aber immer wieder die falsche Ernährung, denn Meerschweinchen haben ein empfindliches Verdauungssystem.

"Nahrung wird nur weitertransportiert, wenn von oben etwas nachkommt." Deshalb müssen Heu und Wasser ständig vorhanden sein. Da Meerschweinchen zudem wie Menschen nicht eigenständig Vitamin C bilden können, gehören auch Kräuter und Gemüse wie Paprika, Fenchel, Gurke und Löwenzahn auf den Speiseplan. Wichtige Mineralstoffe erhalten die Tiere, wenn sie an ungespritzten Zweigen knabbern können. Bei Obst ist wegen des hohen Zuckergehalts dagegen Vorsicht angesagt.

Kuscheln großer Stress

"Für Kinder sind Meerschweinchen nur bedingt geeignet", findet Hester Pommerening, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Anders als Hund und Katze können sie sich nicht wehren, sondern verfallen in bedrohlichen Situationen in eine Art Schreckstarre. "Man kann sie dann zwar aufheben und streicheln, aber innerlich sind die Tiere großem Stress ausgesetzt. Meerschweinchen sind deshalb keine Kuscheltiere, sondern reine Beobachtungstiere."

Die Nagetiere könnten durchaus handzahm werden, sagt Elisabeth Preuß von den Meerschweinchenfreunden. "Aber man braucht Zeit, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Und auch wenn das geglückt ist, sollte man sie nicht kuscheln und herumtragen."

Preuß findet, dass Meerschweinchen generell auch für Kinder infrage kommen. Den Eltern müsse aber bewusst sein, dass sie die Verantwortung tragen. Bei guter Pflege und artgerechter Haltung können Meerschweinchen sechs bis acht Jahre alt werden. Auch darüber sollten sich Interessenten bewusst sein. "Für zwei achtjährige Meerschweinchen fallen im Laufe ihres Lebens mindestens 6000 Euro Gesamtkosten an", schätzt Hester Pommerening. Wichtig sei auch die Frage, wer sich um die Tiere kümmert, wenn die Familie zum Beispiel in den Urlaub fährt.

Wer nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommt, dass Meerschweinchen ins Haus kommen sollen, kann sie zum Beispiel bei einer seriösen Züchterin oder einem Züchter kaufen. Fündig wird man aber auch bei Notvermittlungsstellen. Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund rät, zunächst in den Tierheimen nachzufragen: "Jährlich landen Hunderte von Meerschweinchen in den Tierheimen, weil die Halterinnen oder Halter den Aufwand unterschätzt haben."

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Friedenfels
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