22.03.2021 - 14:36 Uhr
FriedenfelsBesserWissen

Amphibien in den Startlöchern

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Sobald die Temperaturen ein wenig über der Null-Grad-Grenze liegen und die Nächte feucht sind, wandern Frösche, Kröten und Molche zu ihren Laichplätzen. Lebensbedrohlich ist der Weg für die Tiere. Doch sie erhalten Unterstützung.

Die beiden haben es geschafft: ein Erdkrötenpärchen am Ufer des Griesweihers.
von Christa VoglProfil

1105 Erdkröten, 38 Grasfrösche, 3 Grünfrösche, 11 Bergmolche und 60 Teichmolche: Das macht zusammen insgesamt 1217 Amphibien. So sah vergangenes Jahr die abschließende Bilanz des Helferteams am Griesweiher aus, einem ungefähr 1,2 Hektar großen Teich, der sich idyllisch zwischen Friedenfels und Poppenreuth in die hügelige Landschaft des Steinwalds schmiegt. Er ist eingefasst von Wiesen, von Wald - aber auch von der Staatsstraße 2121, die sich direkt an seinem Westufer entlang schlängelt. Genau diese Kombination aus Wasser und stark befahrener Straße sorgt bei Naturschützern Jahr für Jahr für Kopfzerbrechen. Besonders im März und April. Weil dann eine Vielzahl von Fröschen, Kröten und Molchen ihren Lebensraum verlassen, zu ihrem Laichgewässer - in diesem Fall dem Griesweiher - aufbrechen und auf ihrem Weg die Straße überqueren müssen.

Robert Mertl ist Landschaftsarchitekt, Landschaftspfleger - und auch Teil des Helferteams rund um den Amphibienzaun am Griesweiher. Er war einer der Pioniere, die bereits in den 1980er Jahren die Not der Tiere erkannten und sich um die Aufstellung und Betreuung von - damals noch selbst gebastelten - Amphienzäunen kümmerten. "Inzwischen hat sich aber schon etwas getan", sagt der 68-Jährige und meint damit nicht nur die Schutzzäune, die von der jeweils zuständigen Straßenbauverwaltung Jahr für Jahr auf- und wieder abgebaut werden. Er meint damit auch die festen Leiteinrichtungen, sogenannte Amphibientunnel, die eine sichere Straßenüberquerung - beziehungsweise Unterquerung - ermöglichen.

Auffangeimer entlang der Straße

Diese Querungsmöglichkeiten sind noch eher selten, Mertl hat damit in den vergangenen Jahren aber bereits sehr gute Erfahrungen gemacht: "Wenn diese Durchgänge richtig angelegt sind, dann ist das eine tolle Geschichte. Die Betreuer haben viel weniger Arbeit damit. Selbst wenn es ungefähr drei bis vier Jahre dauert, bis sich die Tiere daran gewöhnt haben." Häufiger sind allerdings nach wie vor mobile Amphibienzäune, die von freiwilligen Helfern betreut werden müssen. Diese Vorrichtungen verlaufen parallel zur Straße und haben in der Regel eine Länge von ungefähr 300 Metern sowie eine Höhe von 40 Zentimetern. Ihre Funktionsweise ist simpel: Beim Versuch, das Hindernis zu umgehen, fallen die Amphibien in die Auffangeimer an der Anwanderungsseite.

Wie läuft die Betreuung ab? "Sobald der Zaun aufgestellt ist und die Witterung passt - Temperaturen um die sieben bis neun Grad und feuchtes Wetter - geht es los und die Eimer, die im Abstand von 15 bis 20 Metern ebenerdig eingegraben sind, werden zweimal am Tag kontrolliert und geleert. Einmal früh und einmal nachts", erklärt Mertl. Tagsüber gebe es kaum Wanderungsbewegungen, da Kröten, Frösche und Molche dämmerungs-oder nachtaktiv seien. Manches Jahr würde man aber vergeblich auf die idealen Witterungsbedingungen warten. Weil es zu trocken oder zu kalt ist - oder beides zusammen. "Dann haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Amphibienwanderung ab einem bestimmten Zeitpunkt trotzdem beginnt. Obwohl die Bedingungen alles andere als ideal sind." In diesem Fall sei die Anzahl der wandernden Tiere jedoch geringer.

Antrieb für die gefährliche Wanderung ist die Fortpflanzung: Viele Amphibien suchen dazu ihr Laichgewässer auf, in dem sie die erste Lebensphase - als Larve und als Kaulquappe - verbracht haben und legen dort ihre Eier ab. Sie sind somit eng an das Wasser gebunden. Mertl sagt: "Zum Teil ist eine gewisse Laichplatzbindung da. Der Griesweiher ist ja schon über 100 Jahre alt, da wandern die Kröten, Frösche und Molche oft zwei Kilometer."

Stellt sich die Frage, woran sie "ihren" Weiher, ihr Geburtsgewässer erkennen und wie sie dorthin zurückfinden? Vielleicht durch einen besonderen Geruchssinn? Ein spezielles Organ? Die Orientierung an Landmarken? Die Zuhilfenahme der Erdanziehung? Den Stand der Gestirne? Die Vermutungen sind vielfältig, geklärt ist das Rätsel jedoch noch nicht endgültig.

Ins Wasser entlassen

In der Hochzeit der Amphibienwanderung können an einem Abend "schon ein paar Hundert Exemplare in den Eimern zusammenkommen". Dabei ist das Leeren der Eimer nur der erste Arbeitsschritt. Fast noch aufwendiger ist die damit verbundene zahlenmäßige Erfassung. Früh und abends wird akribisch notiert, wie viele Erdkröten, Grasfrösche, Teichfrösche, Bergmolche und Teichmolche sich in den Eimern befinden. Erst danach werden sie über die Straße getragen, vorsichtig am Ufer abgesetzt und ins Wasser entlassen.

Außer Gefahr sind sie damit aber noch nicht, das nächste Problem zeichnet sich bereits ab. Denn kurz nach dem Ablaichen machen sich die wechselwarmen Tiere wieder auf den Weg zurück in ihre unterschiedlichen Sommerlebensräume: Hecken, Streuobstwiesen, Wälder, Feuchtbiotope. Allerdings brechen "die Rückwanderer" zeitversetzt auf. Und oftmals leider erst, wenn die mobilen Amphibienzäune schon längst wieder abgebaut sind. Die Folge: Viele von ihnen fallen dabei dem Straßenverkehr zum Opfer.

Trotzdem ist Robert Mertl ein Optimist. Er hofft, dass es dieses Jahr einem Großteil der Amphibien gelingt, unbeschadet über die Straße zu kommen. Und zwar nicht nur am Griesweiher. Der Grund? Ganz einfach, weil Corona-bedingt deutlich weniger Verkehr herrscht. Ein kleiner Lichtblick also. Zumindest für die vielen Frösche, Kröten und Molche, die sich demnächst auf den Weg zu ihren Laichgewässern machen.

Bitte der Naturschützer an die Autofahrer:

  • Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen.
  • Achten Sie auf die Helfer, die an den Amphibienzäunen Tiere einsammeln.
  • Drosseln Sie Ihr Fahrtempo auf Straßen, die an Teichen vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
Hintergrund:

Amphibien und ihre Metamorphose

  • Frösche, Kröten, aber auch Molche zählen zu den Amphibien. Sie können sowohl im Wasser als auch an Land leben.
  • Der Name kommt von dem griechischen Wort „amphibios“, das bedeutet „doppellebig“.
  • Metamorphose bedeutet „Umwandlung des Körpers“.
  • Wenn Amphibien im Wasser ausschlüpfen, tragen sie Kiemen, durch die sie atmen können.
  • Nach ein paar Wochen erfolgt die Umstellung von Kiemen- auf Lungenatmung. Damit können sie auch an Land leben.
  • Außerdem wird der Schwanz zurückgebildet und die Beine bilden sich aus.

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