10.03.2021 - 00:29 Uhr
PressathBesserWissen

Frühlingsgefühle bei Familie Eule

Im Februar und März ist in den Wäldern der Balzgesang der Eulen zu hören. Wer sich gut auskennt, kann Sperlings- und Raufußkauz, Waldkauz und Waldohreule unterscheiden. Solch ein profunder Kenner des Huu-hu ist der 71-jährige Rainer Dötsch.

Der Sperlingskauz ist die kleinste in Deutschland brütende Eule. Sie ist nur faustgroß.
von Christa VoglProfil

Als Rainer Dötsch gegen sieben Uhr abends am Wanderparkplatz in der Nähe von Hessenreuth eintrifft, ist es bereits finster. Spärliches Licht liefert einzig der halbvolle Mond, der zusammen mit den weit in den Himmel ragenden Tannen, Buchen und Fichten eine etwas geisterhafte Atmosphäre erzeugt. Dötsch schließt leise die Autotür, richtet seinen Blick auf die Wipfel der mächtigen Bäume und lauscht.

Er hält Ausschau nach ganz bestimmten Waldbewohnern. Die sind momentan nicht zu sehen - dafür sind zumindest einige von ihnen deutlich zu hören. Erst das langgezogene Heulen des Männchens "Huu-hu-huhuhuhuu", dann die Antwort des Weibchens, ein energisches "U-wee". Dötsch nickt, ja, das war der Ruf eines Waldkauzpaares.

Normalerweise wäre der 71-jährige Pressather an diesem Abend nicht alleine im Hessenreuther Wald unterwegs. Eigentlich würde genau jetzt im Spätwinter die Eulenstimmenwanderung stattfinden, die der Ortsverein des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Pressath Jahr für Jahr organisiert. Doch coronabedingt muss auch diese Veranstaltung ausfallen.

Revierkämpfe und Balz

"Der beste Termin für eine solche Wanderung ist das zeitige Frühjahr, das ist die Zeit der Revierkämpfe und der Balz", weiß Dötsch, der nicht nur den Ruf verschiedener Eulenarten imitieren kann, sondern die Vögel damit auch zum Näherkommen bewegt. Allerdings nutzt er diese Fähigkeit nur während der Stimmenwanderung. "Später, während der Brut oder nach dem Schlüpfen der Jungen, sollte man möglichst auf solche Streifzüge und das Imitieren der Rufe verzichten", sagt der Eulen-Experte. "Vor allem, um zu vermeiden, dass die Vögel beim Brutgeschäft gestört werden."

Doch an diesem Abend Ende Februar wird noch nirgends gebrütet, dafür sind aber die Balz und das Abstecken der Reviere in vollem Gange. "Hier im Hessenreuther Wald sind Sperlingskauz, Rauhfußkauz, Waldkauz und die Waldohreule zu Hause", erzählt Rainer Dötsch mit gedämpfter Stimme, während er seine Hände faltet und dann vorsichtig in den entstehenden Hohlraum pustet, um einen der Waldkäuze zum Näherkommen zu bewegen. Dann pustet er kräftiger und ein langgezogenes "Huu-hu-huhuhuhuu" ist zu hören, für den Laien nicht zu unterscheiden vom Ruf, der noch vor ein paar Sekunden aus dem Wald kam. Doch es bleibt ruhig, nichts ist zu hören, kein Flattern, kein Näherkommen. Während Dötsch weiterhin die Wipfel und den Nachthimmel beobachtet, berichtet er leise von einer ganz besonderen Begegnung, die der Revierförster hier ganz in der Nähe vor ungefähr zwei Jahren hatte: mit einem Uhu.

Uhu? Kauz? Eule? Gibt es da einen Unterschied? "Eule ist der Überbegriff für die Nachtgreife", sagt Dötsch, während er die umliegenden Bäume und den Himmel direkt darüber nicht aus den Augen lässt. "Zur Ordnung der Eulenvögel zählt die Familie der Schleiereulen sowie die Familie der Eigentlichen Eulen, wie zum Beispiel Waldkauz und Uhu. Im Deutschen wird der Begriff Eule und Kauz aber oft gleichbedeutend verwendet."

Jagd in der Dunkelheit

Und dann erklärt Rainer Dötsch auch gleich, warum die Stimmenwanderung nie tagsüber, sondern immer in den Abendstunden stattfindet: "Die meisten Eulen sind Dämmerungs- und Nachttiere. Sie sind Raubvögel und begeben sich in der Dunkelheit auf Jagd." Dabei seien die Beutetiere sehr vielfältig. Je nachdem, ob es sich um den Sperlingskauz handelt, der kleinsten in Deutschland brütenden Eule, oder um den Uhu, der größten unter ihnen, stehen Säuger wie Eichhörnchen, Kaninchen, Igel und Mäuse auf dem Speiseplan, aber auch Insekten, Würmer und Fledermäuse.

Während der kalten Wintermonate ist jedoch das Nahrungsangebot mager. Dazu kommt, dass Eulen als Beutegreifer auf lebendige Tiere angewiesen sind, die sie jagen und töten. Um ihr Überleben zu sichern, wurden sie von der Natur mit vielen Gaben ausgestattet: dem außergewöhnlich guten räumlichen Sehvermögen, gepaart mit der Fähigkeit, den Kopf um 270 Grad zu drehen, einem ausgeprägter Gehörsinn - der Raufußkauz kann eine Maus immerhin noch aus 60 Meter Entfernung orten - und der Kunst, nahezu lautlos zu fliegen.

Doch oft macht den Eulen nicht das fehlende Nahrungsangebot zu schaffen, ihnen setzt ein ganz anderes Problem zu: die geringe Zahl an Brutmöglichkeiten. "Für die Waldohreule ist das keine Schwierigkeit, denn sie bezieht einfach verlassene Nester von Krähen, Elstern oder Greifvögeln", weiß Dötsch. Problematisch sei die Lage allerdings für Eulen, die auf Baumhöhlen angewiesen sind. Denn diese würden in der Natur immer seltener vorkommen. Daher sei es wichtig, alte Bäume zu erhalten und als Ersatz künstliche Nisthilfen anzubieten. "Zum Beispiel für den Raufußkauz, der kein eigenes Nest baut", sagt der Eulen-Experte. Oder für den Sperlingskauz, der gerade mal faustgroß ist und für den Nistkästen ausreichen, die etwas größer sind als die üblichen Meisenkästen.

Uhu frisst Kauz

Apropos Sperlingskauz. Natürlich könnte Rainer Dötsch auch seinen Ruf imitieren und ihn dadurch in die Nähe locken. Doch da die Rufe der Waldkäuze immer noch gut zu hören sind, verzichtet er darauf. Denn für den Waldkauz gehört der Sperlingskauz zum Beutespektrum und Dötsch möchte die kleine, Staren-große Eule nicht in Gefahr bringen.

Andererseits kann auch der Waldkauz sehr schnell vom Jäger zum Gejagten werden, nämlich dann, wenn ein hungriger Uhu in der Nähe ist. Also nicht ganz ungefährlich, so eine Nacht im Hessenreuther Wald. Zumindest für die Eulen. Huu-hu-huhuhuhuu.

Fledermäuse im Winterschlaf

Hirschbach
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Huu-hu-huhuhuhuu hören

 

 

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