06.08.2021 - 14:32 Uhr
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"Verkauf im Mai": Saisonalen Mustern an der Börse auf der Spur

Am Aktienmarkt weisen die großen europäischen und US-Indizes im August und September eine statistisch auffällige Saisonalität auf. Hier kommt es öfters zu Kursrücksetzern und einer gewissen Schwächephase. Woher kommt das?

Der Handelssaal der Frankfurter Börse. Statistisch stehen mit August und September im Vergleich relativ schwache Börsenmonate bevor.
von Redaktion ONETZProfil

Von Robert Beer

In einer deutlichen Wende ihrer Einschätzung zum Aktienmarkt hat Goldman Sachs seine professionellen Anleger vor der saisonal schwierigsten Zeit des Jahres gewarnt und hält eine Korrektur an den Märkten für möglich. Denn: Statistisch stehen mit August und September im Vergleich relativ schwache Börsenmonate bevor. Es lohnt also durchaus ein Blick, warum saisonale Faktoren entstehen und ob Saisonalität als Prognoseinstrument brauchbar ist.

"Sell in may and go away, but remember to come back in september (in etwa: Verkauf im Mai und geh, aber komm im September zurück)", lautet eine bekannte Börsenweisheit. Und in der Tat gibt es gute Gründe für periodische Verläufe und Bewegungen. Stimmungen zum Beispiel. So kann man feststellen, dass rund um die Feiertage, besonders zu Weihnachten, Börsen in der Regel freundlich tendieren. Die positive Grundstimmung wirkt sich entsprechend auf Anlageentscheidungen aus.

Bei den Agrarmärkten liegen die niedrigsten Kurse oft in den Erntemonaten. Auch die Witterung in der Frühjahrszeit spielt hier eine Rolle. Beim Öl hingegen sind die Sommermonate Juli bis Oktober positiv, denn hier werden die Anschaffungen für den Winter getätigt und die Öltanks gefüllt, während in den Wintermonaten der Preis dann bereits wieder rückläufig tendiert.

Urlaubszeit als Ursache

Am Aktienmarkt weisen die großen europäischen und US-Indizes im August und September eine statistisch auffällige Saisonalität im Jahresverlauf der vergangenen 30 Jahre auf. Hier kommt es, zumindest mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, öfters zu Kursrücksetzern und einer gewissen Schwächephase.

Eine Erklärung hierfür ist zum einen die Urlaubszeit, für die einige Anleger Geld vom Aktienmarkt abziehen beziehungsweise ihr Geld am Seitenrand ruhen lassen. Zum anderen reduzieren Marktteilnehmer nach der Dividendensaison - eine Vielzahl von Aktiengesellschaften schüttet zwischen März und Juli aus - die Aktienquote und warten die Aktualisierung der Gewinn- und Dividenden-Prognosen für die kommenden Monate ab.

Vorsicht bei Statistiken

Vorsicht gilt dennoch - wie bei allen Statistiken. So lagen etliche kursbeeinflussende Ereignisse schlicht in diesen Sommermonaten, wie beispielsweise der Irak-Krieg (August und September 1990), die Euro-Krise (August 2011), die Terroranschläge von New York (11. September 2001), die Lehmann-Pleite (September 2008) sowie der Staatsbankrott Russlands (August 1998). Ohne diese sähe die durchschnittliche Tendenz reichlich anders aus. Ebenso wird durch diese Ausreißer verdeckt, dass viele Jahre ohne Korrektur verlaufen sind und die Indizes durchaus positiv abgeschnitten haben. Auch zur Vermeidung von Risiken, um den großen Bewegungen aus dem Weg zu gehen, taugt die Statistik nur bedingt. Januar 2008, Januar 2016 und nicht zu vergessen März 2020 sind untrügliche Zeichen, dass Rücksetzer jederzeit auftreten können.

Anleger sollten sich daher von den Empfehlungen diverser Investmentbanken nicht in die Irre führen lassen. Da die meisten Geldanlagen sowieso mit einem Horizont von mehreren Jahren angelegt werden, spielen die saisonalen Entwicklungen nur eine untergeordnete Bedeutung.

Viel wichtiger sind die langfristigen Entwicklungen und Statistiken. Und diese besagen, dass die meisten Monate positiv verlaufen und deutsche Aktien seit 1959 im Schnitt um die acht Prozent pro Jahr Rendite erbracht haben.

Aktien gute Alternative

Vor dem Hintergrund einer florierenden Wirtschaft, sehr guter Gewinnmeldungen der Konzerne sowie positiver Aussichten für die kommenden Monate bieten Aktien daher eine interessante Anlagealternative zu Null-Zins und Verwahrentgelten. Saisonale Rücksetzer, sofern diese denn auftreten, bieten daher die Gelegenheit, günstiger zu investieren oder nachzukaufen. Anleger, die große Einbrüche vermeiden wollen, sollten sowieso clever agieren und professionelle risikoadjustierte Strategien bevorzugen.

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Hintergrund:

Zur Person: Robert Beer

  • Robert Beer ist Fondsmanager und Inhaber der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein.
  • Als Buchautor befasst er sich seit den 1980er-Jahren mit der Wirtschaft und den Kapitalmärkten.

 

 

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