07.10.2021 - 17:48 Uhr
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Brustkrebsmonat Oktober: Jede achte Frau von der Krankheit betroffen

Der Brustkrebsmonat Oktober soll ein Bewusstsein für die verbreitete Krankheit schaffen: Jede achte Frau ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Zwei Regensburger Mediziner sprechen über Behandlung und Wiederaufbau der Brust.

Ein Radiologe deutet auf eine Auffälligkeit in einer weiblichen Brust, dargestellt auf einem Computermonitor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Wie merken die Betroffenen, dass sie Brustkrebs haben?

Brustkrebs wird heute am häufigsten bei Früherkennungsuntersuchungen erkannt, sagt Professor Olaf Ortmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg. Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr werde alle zwei Jahre eine Mammographie angeboten.

Was sind die Ursachen für Brustkrebs?

Wie bei allen Krebserkrankungen liegen ursächlich Mutationen vor, die zum malignen Wachstum von Zellen führen, erklärt Ortmann. Es gebe auch ererbte Brustkrebserkrankungen.

Wie läuft die Behandlung ab?

Grundsätzlich werden operative Therapien, Strahlentherapien und medikamentöse Therapien eingesetzt, sagt der Gynäkologe. Je nach individueller Auswahl für die Betroffenen ist die Therapie unterschiedlich lang, kann in der Primärbehandlung bis zu sieben Monaten dauern.

Muss immer operiert werden?

Brustkrebs wird heute bei frühen Erkrankungsstadien fast immer operiert, erklärt Ortmann. Nur in Ausnahmefällen könne davon abgewichen werden. Fortgeschrittener Brustkrebs, also das metastasierte Mammakarzinom, werde in der Regel primär nicht operativ behandelt.

Kann die Brust bei einer OP erhalten bleiben?

In etwa drei Viertel der Fälle kann heute eine brusterhaltende Therapie durchgeführt werden, sagt Ortmann. Bei einem Viertel müsse die Brust entfernt werden.

Falls die Brust komplett entfernt werden muss, welche Möglichkeiten des Wiederaufbaus gibt es?

Zum einen kann die Brust mit Eigengewebe wieder aufgebaut werden, erklärt Professor Lukas Prantl, Direktor der Klinik für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Dafür eigne sich gut Gewebe vom Unterbauch, Gesäß oder Oberschenkel. Damit lasse sich eine weiche und natürliche Brust formen, die im Gegensatz zu einem Implantat auch die normale Körpertemperatur aufweist.

Wann kommt ein Implantat zum Einsatz?

Wenn eine Patientin sehr schlank ist und man kein Fettgewebe findet, kann das die Methode der Wahl sein, sagt Prantl. Oder wenn es sich um eine Risiko-Patientin handelt, bei der die Eingriffszeit möglichst geringgehalten werden muss.

Verzichten manche Frauen ganz auf einen Wiederaufbau und tragen stattdessen eine abnehmbare Brustprothese?

Das erlebt Prantl selten. Die allermeisten Frauen seien sehr glücklich nach der Wiederherstellung, sagt der Mediziner. Psychologischen Studien zufolge habe eine wiederaufgebaute Brust auch eine wichtige Bedeutung für die Krankheitsbewältigung.

Müssen die Kosten für den Wiederaufbau nach einer Brustkrebserkrankung selbst getragen werden?

Grundsätzlich ist das eine Kassenleistung, erklärt Prantl. Probleme gebe es in Einzelfällen, wenn sich die Frau zum Beispiel eine perfekte Symmetrieangleichung der Brüste wünscht, die Kasse das aber nicht übernehmen möchte.

Welche emotionalen Herausforderungen müssen die Betroffenen und ihre Familien durchstehen?

Brustkrebs ist grundsätzlich eine lebensbedrohliche Erkrankung, daher sind sowohl die Betroffenen als auch die Familien durch Ängste stark belastet, sagt Gynäkologe Ortmann. Mit ärztlicher und psychoonkologischer Unterstützung könne die Belastung in der Regel meist gut verarbeitet werden.

Wie hoch liegen die Heilungschancen bei Brustkrebs?

Die Fünf-Jahres-Überlebensraten für alle Stadien der Brustkrebserkrankung liegen bei 85 Prozent, erklärt der Experte. Heute werde Brustkrebs allerdings meistens in Frühstadien erkannt, so dass die Lebenserwartung deutlich höher ist.

Glück in Pink: Frau aus dem Kreis Neustadt überwindet den Brustkrebs

Neustadt an der Waldnaab
Professor Lukas Prantl, Direktor der Klinik für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg.
Professor Olaf Ortmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg.
Hintergrund:

Brustzentrum Regensburg

  • Am Brustzentrum Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef werden die Patientinnen interdisziplinär von Ärzten aus der Frauenheilkunde, der Radiologie und der plastischen Chirurgie behandelt.
  • Die Kooperation mit Ärzten für Plastische Chirurgie bietet Patientinnen, bei denen die Brust entfernt werden muss, alle verfügbaren Möglichkeiten des Wiederaufbaus.
  • Kontakt unter Telefon 0941/7823411 oder per Mail an info[at]brustzentrum-regensburg[dot]info.

 

 

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