05.10.2021 - 17:41 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Think pink": Ehemalige Brustkrebspatientin aus dem Landkreis Neustadt will anderen Frauen Mut machen

Den Tag, an dem sie die Diagnose Brustkrebs bekam, wird Anita Schiller nie vergessen. „Da siehst du erst einmal einen Sarg“, sagt sie. Inzwischen hat sie die Krankheit überwunden. Jetzt möchte sie anderen Betroffenen helfen.

Ein Luftsprung fürs Foto - na klar! Anita Schiller (38) strahlt Lebensfreude pur aus. Mit dieser positiven Einstellung möchte die ehemalige Brustkrebspatientin anderen betroffenen Frauen helfen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Der Oktober gilt weltweit als Monat des Brustkrebs. Mit pinkfarbenen Schleifen machen viele Organisationen und Selbsthilfegruppen auf die Krankheit aufmerksam. Anita Schiller will sich dem anschließen. Vor vier Jahren war die Frau aus dem Landkreis Neustadt/WN selbst betroffen, hat gebangt, gelitten und gehofft. Die 38-Jährige ließ sich nicht unterkriegen und strahlt heute mehr Lebensfreude aus denn je. Ihre Botschaft für alle, die in ähnlichen Situationen sind oder waren: „Nutzt jeden Tag, genießt das Leben. Die Welt ist schön!“

Nur bei schönen Worten will es die Kinderpflegerin nicht belassen. „Ich will allen anderen helfen, da sein, wenn jemand mich braucht“, sagt sie. Anbieten kann sie ihre persönlichen Erfahrungen und einen Verein im Rücken, den „Think-Pink-Club“.

Die Vorgeschichte: Nach zwei Operationen, einer Chemotherapie und 28 Bestrahlungen fährt Anita Schiller im November 2018 zur Reha in eine Klinik der Annette-Rexrodt-Stiftung an die Ostsee. Dort lernt sie Nadja Will aus Bielefeld, kennen. Nadja hatte zu dieser Zeit den „Think-Pink-Club“ gegründet, ein Netzwerk, dass Frauen helfen soll, mit dem Krebs zu leben und damit umzugehen. Mittlerweile ist daraus ein gemeinnütziger Verein geworden, der deutschlandweit agiert.

Hey, du schaffst das

Ohne das Engagement des Teams der Onkologie im Weidener Klinikum schlechtreden zu wollen („Die Schwestern waren großartig und haben mich immer unterstützt“), habe sie sich den Zuspruch einer Gleichaltrigen gewünscht, erzählt Anita Schiller. „So wie wenn die Tür aufgeht und jemand einfach sagt: Hey, du schaffst das.“ Und genau das würde sie gerne für andere Betroffene tun. „Ich würde auch ins Klinikum kommen, wenn mich jemand braucht“, bietet sie an.

Natürlich gebe es Selbsthilfegruppen in der Region, aber der 38-Jährigen geht es um den Kontakt zu eher jüngeren Frauen. "Mitte 30 hat man andere Schwerpunkte als mit Mitte 50", sagt sie. "Ich habe mich zu dieser Zeit immer wieder gefragt, ob ich noch einmal Mama werden kann." Tochter Klara, inzwischen 8 Jahre alt, war damals 5. Auch ganz banale Dinge trieben sie um: "Bin ich noch sexy? Wie kann ich mit dieser Diagnose ich einen neue Partner finden?"

Durch den "Think-Pink-Club" hat die 38-Jährige gelernt, das Leben mit anderen Augen zu sehen und Momente zu genießen, "die einfach passieren". "Ich jage inzwischen Sonnenauf- und -untergänge", erzählt Anita schmunzelnd. Die achtjährige Klara wundert sich nicht mehr, wenn die Mama während einer Autofahrt plötzlich stehenbleibt, aus dem Wagen springt und den "wahnsinnig schönen" Himmel fotografiert. Neulich in der Schule habe die Lehrerin Klara angesprochen, warum sie denn aus dem Fenster schaue, anstatt dem Unterricht zu folgen. "Der Himmel ist so schön. Meine Mama macht bestimmt gerade ein Foto", habe die Achtjährige daraufhin erklärt. "Und es war wirklich so", bestätigt Anita Schiller.

Positive Ausstrahlung

Zwischendrin etwas Verrücktes tun, gemeinsam lachen oder ganz einfach reden – das wünscht sich die Kinderpflegerin von einer möglichen regionalen Gruppe. Sie könnte sich auch vorstellen, die „Think-Pink-Club“-Gründerin Nadja Will zu einer Veranstaltung in die Oberpfalz einzuladen.

Durch Corona seien viele Frauen mit Sicherheit alleine geblieben. Das möchte Anita Schiller jetzt ändern. „Ich möchte Mutgeber sein, das ist so wichtig“, sagt sie freudestrahlend. Wer die 38-Jährige heute sieht, kann es sich gut vorstellen, dass sie diese Aufgabe mit großer Begeisterung erfüllt. Ihr Lachen und ihre positive Ausstrahlung stecken an. „Nadja sagt immer ,brustbewusst durchs Leben gehen‘. Und diesen Spruch nehme ich mir zu Herzen“, erklärt Anita Schiller, was ihr wichtig ist.

Neben einem positiven Lebensgefühl will Anita Schiller den Frauen ganz konkrete Dinge mit auf den Weg geben. "Es ist wichtig, auf seinen Körper und sein Gefühl zu hören, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen, hartnäckig zu bleiben und eventuell eine zweite Meinung einzuholen", sagte sie. Auch Bewegung spielt für sie eine große Rolle. Nach der Reha an der Ostsee hat sie beschlossen, beim Nofi-Lauf 2019 mitzumachen. "Ich wollte das einfach schaffen", blickt sie zurück, obwohl sie mit dem Laufen bis dahin nicht allzu viel am Hut hatte. Beim Start wurde sie umgerannt und fiel hin. "Doch ich habe mich aufgerappelt und habe durchgehalten", ist sie heute noch stolz.

Einen Gänsehautmoment erlebte sie im Ziel, als Klaras Papa die Kleine über die Absperrung hebt und das Kind mit der Mama Hand in Hand über die Ziellinie läuft. Die Laufschuhe schnürt Anita Schiller inzwischen nicht mehr. "Ich habe festgestellt, dass ich lieber schwimme."

Anita Schillers Leben nach der Krankheit

Weiden in der Oberpfalz
Vor vier Jahren wirft die Diagnose Brustkrebs Anita Schiller (38) aus Bahn, heute will sie anderen Frauen Mut machen.
Info:

Anita Schiller und der "Think-Pink-Club"

  • Anita Schiller bekommt 2018 die Diagnose Brustkrebs.
  • Sie muss sich 2 Operationen, Chemotherapie und 28 Bestrahlungen unterziehen.
  • Neuen Mut schöpft sie auf Reha an der Ostsee, wo sie die "Think-Pink-Club"-Gründerin Nadja Will kennenlernt.
  • Die Teilnahme am Nofi-Lauf 2019 ist für sie ein positiver Meilenstein.
  • Die 38-jährige möchte nun ebenfalls betroffenen Frauen helfen, zurück ins Leben zu finden.
  • "Mich kann jeder über Facebook oder Instagram anschreiben", bietet sie an.
  • Sie hofft über den "Pink-Think-Club" (www.think-pink-club.de), auf in der Region Treffen organisieren zu können.
  • In den vergangenen Monaten hielten die "Think-Pink-Club"-Mitglieder per Zoom deutschlandweit Kontakt.

 

 

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