10.02.2021 - 00:03 Uhr
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Schöner Abschied nehmen

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Wenn ein Haustier stirbt, ist die Trauer groß. Mit einem besonderen Sarg können Halter ihren Vierbeinern eine würdevolle Beisetzung ermöglichen.

Arno Ludwig schrieb zusammen mit einer Bekannten das Büchlein „Aus die Maus“. Die Geschichte der kleinen Maus – vom Kennenlernen bis zum Abschiednehmen – soll Familien bei der Trauerarbeit helfen. Die Tiersärge, die er entwirft, passen für Hunde, Katzen, Hasen oder Kaninchen bis acht Kilo. Für kleinere Tiere wie Meerschweinchen, Mäuse und Ratten gibt es noch eine kleinere Version.
von Agentur DPAProfil

Ein Haustier nimmt für viele einen besonderen Platz im Leben ein. Es ist bester Freund und Familienmitglied zugleich, Trostspender und Lichtblick. Stirbt das Tier, ist der Schmerz groß. Umso wichtiger ist ein würdevoller Abschied. Das weiß auch Arno Ludwig, der spezielle Tiersärge entwirft. Ein Modell hat beispielsweise die Form einer schlafenden Katze. "Ganz rund und eingekuschelt, wie es sich Katzen eben gemütlich machen", meint der Grafiker aus Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart).

Ludwig kennt sich mit Abschieden aus: "Mit meiner Tochter habe ich schon 16 Tiere beerdigt", erzählt der 59-Jährige. "Ich habe gemerkt, wie ihr das gut tut. Zwei, drei Tage ist sie noch zum Grab und hat Blümchen abgelegt. Aber dann war es auch gut." Doch als Sarg habe immer ein leerer Schuhkarton herhalten müssen. "Ich hab mir damals schon gedacht: Ach, es könnte doch was Schöneres geben als eine Schuhschachtel." Doch er habe nur klassische Särge im Miniaturformat oder eben Schachteln gefunden.

Nachhaltiges Material

Irgendwann habe er seinem Bekannten Christian Wittmann von den Särgen in Tierform erzählt, der gleich von der Idee überzeugt war. Gemeinsam zogen sie die Produktion und Anfang Januar auch den Online-Versand von "tutapets" auf. "Die Särge sollten auf jeden Fall nachhaltig sein, damit sich das Material unter der Erde gut zersetzt", berichtet Ludwig, der erst mit einem Modell aus Ton und geschöpftem Papier experimentierte. "Im Prinzip ist es jetzt wie ein Eierkarton, einfach gepresstes Papier ohne Leim oder irgendwelche schädlichen Stoffe."

Doch der Sarg soll nicht so braun wie Pappe bleiben, er lässt sich bemalen und bekleben. So verwandelt sich der Sarg beispielsweise in eine braungrau gestreifte Katze, die sich auf einer blühenden Wiese unter Sternenhimmel eingekuschelt hat. Auf der Wiese ist noch eine Einkerbung für ein Teelicht. Der Sarg in Katzenform eignet sich auch für andere Tiere wie kleine Hunde, Hasen oder Kaninchen bis acht Kilo. Für kleinere Tiere wie Meerschweinchen, Mäuse und Ratten gibt es noch einen Sarg in Form eines Meerschweinchens.

Beerdigung im Garten

Im eigenen Garten dürfen Haustiere in der Regel beerdigt werden, sagt Tierrechtsexperte Andreas Ackenheil - außer das Grundstück gehöre zu einem Wasser- oder Naturschutzgebiet. "Denn die Leichengifte könnten Gewässer oder Böden verschmutzen." Das Grab sollte ein bis zwei Meter von öffentlichen Wegen und dem Nachbargrundstück entfernt sein. Der Kadaver müsse mindestens einen halben Meter tief eingegraben und mit viel Erde bedeckt werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass andere Tiere ihn entdecken und ausgraben, erklärt der Rechtsanwalt. "Das Tier darf aber nicht im Wald oder neben einer Parkbank begraben werden, wo man früher immer gemeinsam den Sonnenuntergang beobachtet hat", betont Ackenheil. In so einem Fall drohe eine Bußgeld von bis zu 15 000 Euro.

Asche als Amulett

Rund ein Drittel der Besitzer vergraben ihr Haustier im eigenen Garten, schätzt Martin Struck vom Bundesverband der Tierbestatter. Ein weiteres Drittel entsorge das Tier in einer Tierkörperbeseitigungsanlage. Andere lassen das Tier in einem Krematorium einäschern oder auf einem Tierfriedhof begraben. Anders als bei Menschen dürfen Tier-Urnen mit nach Hause genommen werden, berichtet Struck. "Manche lassen sich mit der Asche auch ein Amulett oder einen Ring machen. Oder sie stopfen das Tier aus."

Die Entscheidung sei auch eine Kostenfrage: Eine Beisetzung auf einem Tierfriedhof koste durchschnittlich 125 Euro, dazu kommen rund 75 Euro Pflegekosten jährlich. Soll das Tier einzeln eingeäschert werden, fallen rund 200 Euro an. Eine Urne koste dann je nach Material noch einmal zwischen 80 und 1000 Euro. In jedem Fall sollten sich die Besitzer frühzeitig informieren, rät der Verband. "Es kann schließlich sein, dass sie mit dem Tier zum Arzt fahren und müssen es dort plötzlich einschläfern lassen", sagt Struck. Immer mehr Menschen würden sich dann eine würdevolle Bestattung wünschen. "Viele Haustiere werden heute als Mitglied der Familie angesehen und nicht nur als Nutztier."

Trauerarbeit für Kinder

Wenn der Hamster oder die Katze stirbt, kommen Kinder oft das erste Mal mit dem Thema Tod in Berührung, meint Arno Ludwig. Mit einer Bekannten schrieb und zeichnete er deshalb das Büchlein "Aus die Maus". Die Geschichte der kleinen Maus - vom Kennenlernen bis zum Abschiednehmen - soll Familien bei der Trauerarbeit helfen. "Der Tod muss nicht immer was Schlimmes sein. Wir beschäftigen uns nur nicht damit", ist der 59-Jährige überzeugt. Der Tod gehöre einfach dazu - auch bei Haustieren. "Man kann es nur traurig gestalten oder versuchen, sich schön zu verabschieden."

Christian Wittmann (links) und Arno Ludwig haben die Särge für Tiere erfunden. Gemeinsam führen sie die Firma "tutapets".

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