Von einem „tiefgreifenden Einschnitt“ spricht der Neustädter Landrat Andreas Meier. Das zeige „gerade die Zahl der Arbeitsplätze, die allein am Standort Weiherhammer wegfallen sollen“. Der angekündigte Stellenabbau bei BHS Corrugated sei für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien eine „sehr belastende Nachricht“, sagt Meier auf Anfrage von Oberpfalz-Medien.
Es gehe – erklärt Florian Rieder, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nordoberpfalz – bei solchen Nachrichten immer „um Existenzen, Familien und persönliche Schicksale“. Da fühle man mit, Rieder kenne Betroffene auch persönlich.
Dass BHS Corrugated einen größeren Stellenabbau plant, hat zuletzt für viel Aufsehen in der Region gesorgt. Wie in dieser Woche bekannt wurde, sollen am Hauptsitz in Weiherhammer 110 Jobs gestrichen werden, weltweit geht es um 15 Prozent der mehr als 3500 Mitarbeiter starken Belegschaft. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber der Region und führender Anbieter von Maschinenbau-, Anlagenbau-, Lifecycle-Service- und digitalen Lösungen für die Anforderungen der Wellpappenindustrie. Zum geplanten Stellenabbau äußerte sich die Firma gegenüber Oberpfalz-Medien nicht.
"Sorge ja, Panik nein"
Sowohl Landrat Meier als auch IHK-Geschäftsstellenleiter Rieder betonen auf Anfrage, dass es den Verantwortlichen bei BHS bestimmt nicht leichtgefallen sei, diese Maßnahmen einzuleiten. „Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung, die vor dem Hintergrund extrem schwieriger globaler wirtschaftlicher Rahmenbedingungen getroffen wurde“, sagt Meier. „Wenn dieses Mittel gewählt wird, müssen wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Lage und die Aussichten keine andere Option zulassen und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen bedroht ist“, erklärt Rieder. Aus dem Rathaus in Weiherhammer kam am Freitag keine Antwort auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien.
Für jeden Betroffenen, so Rieder, bedeute der Jobverlust „natürlich auch, dass privater Konsum eingeschränkt werden muss, bis man hoffentlich bald wieder in Lohn und Brot steht“. Dazu komme, dass bei vielen Beschäftigten in der Region durch solche Nachrichten die allgemeine Verunsicherung steige. Viele stellten aus Sorge um die eigene Zukunft Investitionen zurück. „So eine Gemengelage stützt also den privaten regionalen Konsum nicht“, sagt Rieder.
Kein radikaler Einbruch in Nordoberpfalz
Trotz allem könne man „in der Gesamtschau aber feststellen, dass Stand heute gemessen an der Gesamtbeschäftigung in der Nordoberpfalz kein radikaler Einbruch wie zum Beispiel zu Zeiten des Strukturwandels in der Porzellan-, Glas- und Textilindustrie zu verzeichnen ist.“ Das Motto müsse lauten: „Sorge ja, Panik nein.“ Den Sturz in den Abgrund zu prophezeien, sei „mehr als kontraproduktiv“.
Das sieht auch der Neustädter Landrat so. BHS Corrugated sei zwar ein „sehr bedeutender Arbeitgeber und Industriestandort für unseren Landkreis“, sagt er. Gleichzeitig verfüge die Region über eine „vergleichsweise breite industrielle und mittelständische Struktur“. Entscheidend werde deshalb sein, wie gut es gelinge, Betroffene des Stellenabbaus zu unterstützen und ihnen neue Perspektiven in der Region zu eröffnen. „Hier sind neben dem Unternehmen auch Arbeitsagentur, Kommunen und weitere Akteure gefordert, eng zusammenzuarbeiten“, so Meier. Im Fall von BHS Corrugated soll es laut IG Metall eine Transfergesellschaft geben, die den Bruch für die Betroffenen abfedern soll.
„Dem Arbeitsmarkt werden nun qualifizierte Kräfte zugeführt“, erklärt Rieder, „die hoffentlich bald wieder in neue Stellen vermittelt werden.“ Der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nordoberpfalz betont, dass es trotz „der stagnierenden und zum Teil schrumpfenden Konjunktur“ Unternehmen und Branchen gebe, die auch „aktuell volle Auftragsbücher haben und Nachfrage nach Beschäftigten haben“. Ob nun jeder Betroffene die passenden Qualifikationen habe, um einen neuen Job zu finden, sei aber nicht gesichert. „Hier muss man die Betroffenen unterstützen.“
Wirtschaft im Wandel
Das Beispiel in Weiherhammer, so Rieder, zeige auch, dass „in der Wirtschaft weltweit ein grundlegender Wandel stattfindet“. Digitalisierung mit einer hohen Dynamik sei nur eine der Entwicklungen. „Ich denke, dass die gesamte Arbeitswelt sich in den nächsten Jahren auf veränderte Anforderungen einstellen muss“, sagt Rieder. „Der Wille zur Qualifikation und Weiterbildung ist sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite existenziell wichtig, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Die Wirtschaftskrise trifft nicht nur BHS Corrugated. Etliche Unternehmen in der Oberpfalz reagierten zuletzt unter anderem mit einem Stellenabbau. Dazu gehören die Witt-Gruppe in Weiden, EMZ Hanauer in Nabburg oder Gerresheimer in Pfreimd. Vor allem trifft die aktuelle Lage aber die Autozulieferer wie Benteler in Schwandorf, Grammer oder ZF in Auerbach.
Vor dem Hintergrund der internationalen Krisen, des politischen und ökonomischen Isolationismus vor allem in den USA sowie einer „gewissen Ratlosigkeit in der heimischen Politik“, sagt Florian Rieder, gebe es aktuell durchaus weitere Risiken, auch für die Region, denen man begegnen müsse. In Deutschland etwa müssten „dringend Antworten gefunden werden, um unsere Wirtschaft in Europa und der Welt wieder wettbewerbsfähig“ zu machen. „Was wir in der Nordoberpfalz tun können, ist, gemeinsam mit der Politik und der Öffentlichkeit verlässliche und planbare Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu sichern“, sagt Rieder. „Damit wäre schon viel gewonnen, um zum Erfolg unserer Unternehmen beizutragen und letztlich Beschäftigung zu sichern.“

















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