15.10.2021 - 12:08 Uhr
BesserWissen

SOS im Auto: Was hinter E-Call und Hersteller-Notrufen steckt

Der Notruf E-Call sorgt in vielen neuen Autos dafür, dass Retter und Polizei nach einem Unfall automatisch informiert werden. Einige Hersteller installieren aber auch eigene Notrufsysteme. Ein Problem?

Die Notruftaste für den E-Call findet sich entweder am Dachhimmel oder in der Mittelkonsole.
von Agentur DPAProfil

Seit April 2018 müssen neu auf den Markt kommende Fahrzeuge mit dem europaweit funktionierenden Notrufsystem E-Call ausgeliefert werden. Die Idee dahinter: schnellere Hilfe bei Unfällen oder in anderen Notsituationen.

"Stellt das Auto einen schweren Unfall fest, etwa über die Airbag-Sensoren, löst der E-Call selbsttätig einen Notruf aus und übermittelt Fahrzeug- und Standortdaten an die nächstgelegene Notrufzentrale", erläutert Markus Bach von der "Auto Zeitung". Über einen SOS-Knopf könne der Fahrer den Notruf auch selbst betätigen.

Natürlich braucht all das Extra-Technik. "Dazu werden vom Hersteller unter anderem eine fest installierte SIM-Karte und ein GPS-Modul für den Satellitenempfang eingebaut", erklärt Bach. Erst wenn das System aktiviert wird, erfolgt die Einwahl ins Mobilfunknetz.

Antwortet noch jemand?

Steht die Verbindung, wird eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in der Notrufzentrale erst einmal versuchen, mit den Autoinsassen Kontakt aufzunehmen. Deshalb gehören auch Mikrofon und Lautsprecher zum System. Wird festgestellt, dass niemand ansprechbar ist, schickt die Leitstelle sofort einen Rettungswagen los, erklärt Bach. Viele Autohersteller haben die technische Basis für all das in ihre Entertainmentsysteme verbaut und bieten darüber hinaus auch Pannen-, Navigations- oder eben eigene Notrufdienste an. Hier kommt es dem ADAC zufolge dann aber mitunter auch zu Problemen.

Bei einer Abfrage habe der ADAC festgestellt, "dass einige deutsche Autohersteller zusätzlich zum vorgeschriebenen 112-E-Call eigene Notrufe anbieten, die an ihre eigenen Callcenter gehen", sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. "Tests haben gezeigt, dass es bis zu einer Minute dauert, bis solche Anrufe überhaupt angenommen werden. Und dann muss der Hersteller die Unfall-Infos erst an eine Rettungsstelle weiterreichen, denn nur die schickt Rettungswagen und Notarzt los." Dies sei für die Rettungskräfte wertvolle Zeit, die verloren gehe. Aber warum gibt es bei Audi, BMW, Mercedes und Volvo sowie bei einigen VW-Modellen überhaupt eigene Notrufsysteme? Die Hersteller führten die Ansprache des Unfallopfers in der Muttersprache auch im Ausland, den Empfang in mehr Mobilfunknetzen sowie genauere Informationen zum Unfallhergang als Argumente an, sagt Thiemel.

Zentrale nicht immer erreichbar

Auf der anderen Seite gebe es Berichte von Rettungsleitstellen, die beklagten, dass die Notrufzentralen der Hersteller mitunter gar nicht 24 Stunden am Tag erreichbar seien oder falsche Unfall-Koordinaten übermittelten, sagt Thiemel. Zudem gebe es Hersteller-Notrufdienste, die nur für einige Jahre kostenfrei seien und dann kostenpflichtig würden. Beim E-Call gebe es dieses Problem nicht.

Damit Eindeutigkeit herrscht und erst gar nicht die Gefahr besteht, dass ein Notruf verzögert oder gar nicht vermittelt wird, sollte der europaweite 112-E-Call ohne Umwege an die öffentlichen Leitstellen gesendet werden, sagt Thiemel. "Diese direkte Verbindung sollte auch werksseitig bei der Fahrzeugauslieferung eingestellt sein."

Der E-Call als Grundeinstellung

Autofahrerinnen und Autofahrer wissen in der Regel nicht, wie ihre Notrufe zur Notrufzentrale gelangen, und verboten ist die Umleitung über den Hersteller nicht. Der ADAC kritisiere aber, dass Autofahrer in den meisten Fällen gar nicht ohne Weiteres die Möglichkeit haben, den 112-E-Call selbst als Grundeinstellung einzustellen, so Thiemel. Bei Audi, BMW und Mercedes beispielsweise müssten die Kunden in die Werkstatt fahren, um auf den reinen 112-E-Call umzustellen.

Laut ADAC leiten vor allem deutsche Autohersteller die Notrufe über ihre eigenen Pannenleitstellen um. Die meisten anderen europäischen oder auch die asiatischen Autofirmen hingegen hätten immer den 112-E-Call voreingestellt, der dementsprechend auch nie deaktiviert werden könnte.

Fahrzeug-Beleuchtung: Fünf Tipps für den Herbst

BesserWissen
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.