23.04.2021 - 17:17 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Das Märzveilchen vertreibt Melancholie

Wer sich mit den Lehren der Hildegard von Bingen beschäftigt, stößt schnell auf Bertram, Galgant und Quendel. Letzterer ist als Wilder Thymian bekannt und wächst in den Biotopen der Region. Auch Arnika, Rainfarn, Petersilie und das Märzveilchen beschreibt die Klosterfrau in ihren Werken.

Die Märzveilchen haben in den Lehren der Hildegard von Bingen einen hohen Stellenwert.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wer sich mit der Naturheilkunde der Hildegard von Bingen näher befasst, wird bald feststellen, dass jede Menge Gewürze und Kräuter aus dem eigenen, heimischen Garten in Hildegards Anwendungen Nutzen gefunden haben. Dazu gehört das Veilchen ebenso wie der Rainfarn, die Akelei oder die Petersilie. Beachtung fand in den Hildegardlehren auch die sehr selten gewordene Arnika, die noch zu Großmutters Zeiten auf den Wiesen massig wuchs und von den Kindern der Nachkriegszeit für Salben und Tinkturen in Körbchen gesammelt wurde.

Heute steht die Arnika, deren Heilwirkung unter anderem bei Prellungen gute Dienste leistet, unter Naturschutz und darf nicht mehr auf den Wildwiesen gepflückt werden. Geschichtlich fand die Arnika erstmals wohl bei Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert Erwähnung. Regelmäßig wurde ihre Wirkung ab dem 18. Jahrhundert gegen Blutergüsse, Krampfadern, Venenentzündungen, Gicht und Rheuma eingesetzt.

Zarter Duft

Mindestens so wertvoll in der Hildegard-Lehre ist das unscheinbare Märzveilchen, das seinen zarten Duft wildwachsend verbreitet. Dabei geht das Wissen um die beruhigende Wirkung des Veilchendufts bei Melancholie oder Schwermut, aber auch gegen Husten oder zur Schmerzlinderung im Kopf wesentlich weiter zurück. Bereits 400 vor Christus wurde das kleine Blümchen wegen seiner Heilwirkung sehr geschätzt und schon zu damaligen Zeiten für die Parfümherstellung verwendet.

Bei Hildegard von Bingen erfuhr es ein „Comeback“. Sie riet zur Verwendung des Blümleins mit Schafbockfett als Salbe. Noch heute ist Veilchencreme oder -salbe begehrt, jedoch finden zur Herstellung nun feine Mandel- oder Olivenöle Verwendung. Dabei hat das Veilchen immer auch in gehobenen Kreisen seine Fans gefunden. So soll Wolfgang Amadeus Mozart eines Winters eine derart große Sehnsucht nach dem Frühling verspürt haben, dass er das Veilchen-Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe vertonte.

Rainfarn gegen Husten und Schleim

Weniger spektakulär im Aussehen, aber nicht weniger heilsam ist der sogenannte Gewöhnliche Rainfarn, der in unseren Gärten und an Wegrändern wächst. Hildegard von Bingen hat schon in ihrer mittelalterlichen Zeitepoche um das Jahr 1000 den Rainfarn als Suppenbeilage gegen Husten und Schleim empfohlen. Dabei wird von dieser filigran anmutenden, „gefiederten“ Pflanze lediglich „ein Blatt vom Blatt“ verwendet. Achtsam sein muss man hier besonders: Sollte der Rainfarn blühen, wird er zum Verzehr unbekömmlich und darf keinesfalls mehr verwendet werden. Der „Feinmehlsuppe“ wird lediglich ein kleines Rainfarnblatt (kleiner als ein Fingernagel) zugeführt.

Während der Frauenmantel, wie die Hildegard-Lehre sagt, auch in der Blüte gut helfen soll bei Frauenleiden, Magen- und Darmbeschwerden oder Krämpfen aller Art. Zu den drei Grundkräutern der Hildegard von Bingen gehört auch der Quendel. Dieser Wilde Thymian wächst auf den Wiesen und Biotopen in Nordeuropa und ist auch bei uns verbreitet. Quendel gilt als Gehirnnahrung. Es sorgt für eine gesunde Haut und Schleimhaut. Meist wird er in pulvriger Form gemeinsam mit Bertram und Galgant als die drei Grundkräuter der Hildegard von Bingen angewandt. Bertram und Galgant sind allerdings Gewächse aus Indien und Spanien. Wiederum auch in heimatlichen Gefilden zu finden sind einige Grundheilmittel der Hildegard von Bingen wie der Dinkel, der Fenchel oder die Maronen.

Expertin Johanna Eisner

Viel Wissen über die heimischen Kräuter der Hildegard von Bingen kann die Hauswirtschaftsmeisterin Johanna Eisner aus Haunritz weitergeben. Die 70-Jährige hält seit 30 Jahren über die Hildegard-Lehre Vorträge, gibt Workshops oder führt Gruppen durch den Kloster- und Naturerlebnisgarten der Abtei Waldsassen.

Mehr über den unverwüstlichen Riesenbärenklau

Fuchsmühl

Die Beiträge der Serie "Natur unserer Heimat"

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.