22.04.2021 - 12:28 Uhr
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Riesenbärenklau: Unverwüstlich wie Herkules

Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, ist ein Problem. Er liefert zwar Nektar für Insekten, aber sein Saft ist die Ursache übler Hautentzündungen beim Menschen. Wer die Staude loshaben will, muss sie mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Schon aufgrund seiner Höhe wirkt der Riesenbärenklau exotisch. Er verbreitet einen Hauch Dschungelatmosphäre.
von Christa VoglProfil

Man lehne sich in seinem Sessel zurück, schließe die Augen und stelle sich eine der folgenden Pflanzen im blühenden Zustand vor: Wald-Engelwurz, Wilde Möhre, Wiesenkerbel, Große Bibernelle, Wilder Fenchel oder vielleicht auch Süßdolde. Dann setze man diese Pflanze in Gedanken an einen idyllischen Bachlauf, an einen wenig genutzten Wald- oder Wegesrand oder auf eine brachliegende Fläche. Und jetzt wird diese Pflanze größer gezoomt. Nicht nur ein bisschen größer, sondern viel, viel größer. So ungefähr auf eine Höhe von vier Metern. Und dann? Dann bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie ein Riesenbärenklau in der Natur aussieht.

Eine Spur Dschungelflair

Erschreckend? Nein, nicht wirklich. Denn der erste Eindruck, den die Staude macht, wenn sie Wanderer oder Radfahrer am Wegrand entdecken, ist im Normalfall eher positiv: Schon aufgrund ihrer Höhe wirkt sie exotisch, verbreitet eine Spur Dschungelflair, ist gleichzeitig aber auch sehr dekorativ mit ihren vielen, weit ausladenden Blütenständen. Jemand, der den Riesenbärenklau aus einem anderen Blickwinkel sieht, ist Jonas Ständer, 32, der seit zwei Jahren als Ranger im Naturpark Steinwald arbeitet.

Einer seiner Tätigkeitsbereiche ist die Natur- und Landschaftspflege und damit auch die Aufgabe, den Riesenbärenklau auf dem Gebiet des Steinwalds im Auge zu behalten. "Der Riesenbärenklau schaut tatsächlich schön aus und das ist der Grund dafür, warum er bei uns erst zur Zierde, später dann auch als Bienennahrung angepflanzt wurde. Und es stimmt, dass er als Pollen- und Nektarlieferant eine gute Pflanze ist." In Ständers Beschreibung lässt sich das große Aber bereits erahnen, er fasst es dann auch gleich in Worte: "Allerdings hat die Staude einen großen Nachteil: nämlich, dass sie für den Menschen äußerst gefährlich sein kann."

Wobei sich die Gefährlichkeit erst im direkten Kontakt mit Stengeln, Blättern oder Blüten zeigt. "Das Gefährliche am Riesenbärenklau ist der Pflanzensaft", sagt der Ranger. "Kommt die Hautoberfläche damit in Kontakt, so führt das in Verbindung mit UV-Einfall, also mit Sonnenstrahlung, zu starken Verbrennungen und Blasenbildung." Dann erzählt der gelernte Berufsjäger von einem älteren Mann, der im Bereich des Naturparks versuchte, solche Stauden zu entfernen und sich dabei schwere und schlecht heilende Verbrennungen zuzog. Medizinisch gesehen ist es so, dass die Haut durch das Gift der Pflanze ihren natürlichen UV-Schutz verliert. Wenn dann die Sonne auf die betreffende Stelle scheint, kommt es zu Verbrennungen und Quaddelbildung. Die Beschwerden können dabei durchaus mehrere Wochen dauern.

Aus dem Kaukasus

Was also tun gegen diesen Neophyten, diesen Neubürger, der aus dem Kaukasus stammt und der sich in Deutschland immer weiter ausbreitet? "In erster Linie ist es wichtig, dass die Leute das Gefährdungsrisiko erkennen und wissen, wie sie sich verhalten sollen", erklärt Ständer. "Man sollte auf jeden Fall Abstand halten und vor allem auch Kinder entsprechend aufklären. Denn gerade sie begeistern sich für die hohen Pflanzen, weil sie ein ideales Versteck sind. Und auch für Hunde ist die Staude gefährlich."

Falls man den Riesenbärenklau - auch Herkulesstaude genannt - auf dem eigenen Grundstück entdeckt, so rät der Naturparkranger dazu, ihn frühzeitig zu entfernen. "Eine einzige Pflanze kann zwischen 10 000 und 50 000 Samen ausbilden", sagt Ständer. Und diese Samen seien wahre Überlebenskünstler: Sie sind leicht und lassen sich vom Wind bis in einem Umkreis von 130 Metern verwehen. Sie sind schwimmfähig und nehmen Bäche und Flüsse als Transportmittel, um sich an weit entfernten Ufern neu anzusiedeln. Und schließlich: Die Samen können jahrelang im Boden ruhen und bleiben keimfähig, so dass oft wie aus dem Nichts neue Pflanzen keimen, obwohl die Mutterpflanze bereits vor Jahren entfernt wurde.

Mit der Entfernung dieser Stauden hat der Ranger bereits eigene Erfahrungen gesammelt. "Wenn der Riesenbärenklau unsachgemäß weggeschnitten wird, treibt er wieder aus", sagt Ständer und erklärt, wie vorgegangen werden sollte: "Wir haben vorletztes Jahr einige Pflanzen in der Nähe der Grenzmühle, auf der Bärnhöhe, entfernt. Natürlich mit Schutzbrille, Handschuhe und bedeckter Haut. Wichtig ist vor allem, die Pflanze nicht nur oberhalb der Grasnarbe abzuschneiden, sondern auch den Vegetationskegel bis in eine Tiefe von 10 bis 15 Zentimeter abzustechen." Sollte die Pflanze bereits Samenstände ausgebildet haben, so müssten diese vorsichtig abgetrennt und über den Restmüll entsorgt werden. Die Stängel und Blätter könne man liegen lassen, "die verrotten dann einfach", sagt der Wahl-Oberpfälzer.

Doch nicht jeder Grundstücksbesitzer ist in der Lage, die Herkulesstaude selbst zu entfernen. "Vielleicht ist dann ja der Maschinenring der richtige Ansprechpartner", schlägt Ständer vor. Denn gerade, wenn es sich um großflächige Ansammlungen handelt, sei das Entfernen dieser Pflanze mit Hilfe der Rosenschere zu aufwendig.

Regelmäßige Nachkontrolle

In diesem Fall wäre der Einsatz von Traktor und Fräse von hohem Nutzen. "Am besten 10 bis 15 Zentimeter tief fräsen und direkt danach eine Einsaat mit schnell- und dichtwachsenden Gräsern", sagt der Ranger. Damit sichergestellt ist, dass sich die Grasnarbe schnell schließt und kein Licht für das Auskeimen von Samen, die sich vielleicht noch im Erdreich befinden, vorhanden ist. Und einen letzten Tipp hat Jonas Ständer: "Vor allem eines nicht vergessen, nämlich die regelmäßige Nachkontrolle." Eben weil die Samen lange keimfähig sind und auch ein Neuaustrieb alter Riesenbärenklau-Pflanzen keine Seltenheit ist.

Seinen Namen erhielt der Riesenbärenklau übrigens wegen der Form seiner Blätter: Lappig gestielt und behaart sollen sie an Bärenklauen erinnern. Bei uns gibt es in der freien Natur schon lange keine Bären mehr, in Bayern wurde der letzte von ihnen 1835 erlegt. Die Erinnerung an ihre frühere Anwesenheit lebt aber in der Sprache fort. Zum Beispiel in der Ortsbezeichnung "Bärnhöhe" im Naturpark Steinwald. Dort, wo auch der Riesen-Bärenklau zu finden ist.

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