16.06.2021 - 10:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzBesserWissen

Erste Schritte: Das ist zu tun während und nach der Schwangerschaft

Hebamme finden, Antrag auf Eltern- und Kindergeld oder die schriftliche Geburtsanzeige: Es gibt unzählige Dinge, an die gedacht werden müssen. Raimunda Schulze, Leiterin der Caritas Schwangerschaftsberatung in Weiden, hat Tipps, um Stress zu vermeiden.

Der Mutterpass vom Frauenarzt ist das wichtigste Dokument.
von Michelle BalzerProfil

Mit der Nachricht einer Schwangerschaft kommt automatisch eine lange Liste mit vielen zu erledigenden Dingen auf die werdenden Eltern zu. Neben Erstausstattung und Arztterminen müssen auch eine Menge Sachen geklärt und beantragt werden. Dabei kann schon vor der Geburt einiges erledigt werden. Raimunda Schulze, Leiterin der Caritas Schwangerschaftsberatung in Weiden, erklärt, wie werdende Eltern am besten vorgehen sollten.

"Die Schwangerschaft sollte zuerst beim Frauenarzt offiziell bestätigt werden", erklärt Raimunda Schulze. Der dort ausgestellte Mutterpass ist von da an das wichtigste Dokument. "Denn sollte etwas passieren, dann weiß jeder Beteiligte Bescheid, dass die Frau schwanger ist und dann kann dementsprechend Hilfe leisten. Es ist wie ein Ausweis für Mutter und das Ungeborene."

Schutz für Schwangere

Der zweite Schritt wäre, den Arbeitgeber über die Schwangerschaft zu informieren. Doch ob und wann das getan wird, liegt bei der Schwangeren. "Je früher desto besser, denn Schwangere sind einem bestimmten Schutz unterstellt, um Gefährdungen zu umgehen." Sobald eine Schwangerschaft gemeldet wird, darf der Frau nicht gekündigt werden und das bis zum Ende der Elternzeit. "Sollte der Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung über die Schwangerschaft verlangen, so muss er die Kosten tragen. Außerdem gelten Vorsorgeuntersuchungen während der Arbeit als Arbeitszeit. Das ist wichtig zu wissen, dass hier keine Frau in die Falle tappt", betont Schulze. Danach sollte sich um eine Hebamme gekümmert werden. "Denn bei uns in der Oberpfalz sind die Hebammen sehr ausgelastet. Deswegen empfehlen wir eine Hebamme anzufragen, sobald die Schwangerschaft bekannt ist."

Bereits vor der Geburt kann eine Menge Papierkram erledigt werden. Bei unverheirateten Eltern sollten die Vaterschaftsanerkennung und das Sorgerecht geklärt werden. Bei der Vaterschaftsanerkennung vor der Geburt wird sich viel Bürokratie erspart. Auf der Geburtsurkunde des Kindes wird der Vater dadurch unkompliziert eingetragen. "Das kann beim örtlichen Jugendamt kostenlos gemacht werden, bei einem Notar müssen dafür Gebühren gezahlt werden", erklärt Raimunda Schulze.

Probleme mit dem Vater

Bei unverheirateten Paaren sollte auch das Sorgerecht geklärt werden. "Dabei gibt es verschiedene Teilbereiche, die gründlich überlegt werden sollten. Ich will keine Beziehung verteufeln, aber sollte die Beziehung auseinander gehen, hat die Mutter oft das Problem mit einem Machtspiel des Kindsvaters." Bei verheirateten Elternpaaren fallen diese Dinge weg.

Rund sieben Wochen vor der Entbindung kann der Antrag auf Mutterschaftsgeld bei der Krankenkasse gestellt werden. Optional können die Eltern- und Kindergeldanträge ausgefüllt und vorbereitet werden. Schulze: "Das spart Zeit und viele Sorgen! Nach der Geburt des Kindes ist dann nämlich nur noch das Geburtsdatum einzutragen sowie die Geburtsurkunde beizulegen und dann einfach abschicken."

Nach der Geburt muss das Kind innerhalb einer Woche durch eine schriftliche Geburtsanzeige angemeldet werden, wo dann auch der Name des Kindes offiziell festgelegt wird. Das kann direkt im Krankenhaus oder beim Standesamt der Kommune, in der das Kind geboren ist, erledigt werden. Bei erfolgreicher Anmeldung bekommt das Kind auch seinen ersten Brief: "Direkt vom Finanzamt, mit der Steuer-ID. Die Steuer-ID ist notwendig für den Antrag auf Kindergeld."

Nach der schriftlichen Geburtsanzeige erhalten die Eltern die Geburtsurkunde. Eine Geburtsurkunde muss bei der Krankenkasse vorgelegt werden, wo außerdem ein Antrag auf Familienkrankenversicherung gestellt werden sollte. Außerdem sollten mit dem Eintreffen der Geburtsurkunde die Eltern- und Kindergeldanträge abgeschickt werden. "Und man darf nicht vergessen, das Kind extra beim Einwohnermeldeamt anzumelden", sagt Schulze.

"Spätestens dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem überlegt werden sollte, wann man in Elternzeit geht. Denn die Elternzeit sollte mindestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn beantragt werden." Das sollte schriftlich passieren mit einer Forderung der schriftlichen Bestätigung, denn "bei einer mündlichen Vereinbarung ist immer die Gefahr, dass was schiefläuft. Das haben wir immer wieder erlebt." Bei alleinerziehenden Eltern sollte das Thema Unterhalt geklärt werden. Laut Raimunda Schulze sei "hierbei immer eine Hilfe durch das Jugendamt, eine Beistandschaft, sinnvoll".

Steuerliche Entlastung

Wenn zusätzlich beim Finanzamt ein Kinderfreibetrag beantragt wird, kann eine steuerliche Entlastung bestehen. Doch: "Das Finanzamt ist ein dunkler Wald. Wer sich hier nicht auskennt, der fragt einfach am besten beim Finanzamt direkt nach. Die Behörde ist verpflichtet Auskunft zu geben", erklärt Schulze. Auch die Anmeldung für den Kindergarten sollte nach der Geburt erfolgen. Hier gilt ebenso: "Je früher desto besser. Wenn ein Kind erst geboren ist, dann scheint das alles nicht so nah. Aber das geht früher als man denkt."

Bei Fragen und Problemen stehen Behörden, Ämter und auch Beratungsstellen, wie die der Caritas unterstützend zur Seite. "Wenn man das so liest und hört, klingt das alles erstmal viel. Aber das schafft man schon", macht die Beraterin Mut.

Nicht alle Anträge und Hürden betreffen jede Schwangere, so "muss sich eine verheiratete Frau nicht mit dem Vaterschaftsnachweis beschäftigen". Es helfe, nach einer gewissen Struktur oder einem Plan zu arbeiten: "Nur so kann man in dem Dschungel nicht verzweifeln. Außerdem kann man immer Hilfe oder Tat holen. Die Frauen sind nicht alleine. Wir sind immer für sie da."

Die Caritas-Schwangerschaftsberatung bietet Beratung und Unterstützung bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Auch in Konflikt- und Notlagen sowie bei Fragen über vorgeburtliche Untersuchungen oder Kinderwunsch, beim Verlust eines Kindes oder Totgeburt, in psychischen, partnerschaftlichen und familiären Krisensituationen stehen die Beratungsstellen allen Ratsuchenden zur Verfügung. "Jeder findet hier Antworten auf seine Fragen", so Raimunda Schulze.

So plant man die Elternzeit

BesserWissen
Raimunda Schulze ist Leiterin der Caritas-Schwangerschaftsberatung in Weiden. Ihr Team besteht aus neun Mitarbeiterinnen. Beratungsstellen gibt es in Weiden und Amberg sowie in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN und Tirschenreuth.
Zwischen Anträgen, Formularen, Arztterminen, der Umstellung und der Vorfreude, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, kann es ganz schön kompliziert und stressig werden.
Service:

Checkliste: Vor und kurz nach der Geburt

  • Schwangerschaft beim Frauenarzt offiziell bestätigen lassen und einen Mutterpass bekommen.
  • Arbeitgeber über Schwangerschaft informieren.
  • Hebamme suchen.
  • Bei unverheirateten Eltern: Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung.
  • Eltern- und Kindergeldanträge ausfüllen und vorbereiten.
  • Innerhalb einer Woche nach der Geburt: schriftliche Geburtsanzeige. Daraufhin wird die Geburtsurkunde erstellt und zugesendet.
  • Kind im Einwohnermeldeamt anmelden. Daraufhin wird die Meldebescheinigung ausgestellt.
  • Nach Eintreffen der Geburtsurkunde: Eltern- und Kindergeldanträge abschicken und das Kind bei der Krankenkasse anmelden.
  • Elternzeit schriftlich beantragen.
  • Bei Alleinerziehenden: Unterhalt klären.
  • Kinderfreibetrag beim Finanzamt beantragen.
  • Rechtzeitig auf die Suche nach einem Kindergartenplatz gehen.

 

 

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