Brand (VG Neusorg)
17.05.2018 - 20:10 Uhr

140 Jahre Eisenbahn Neusorg: Grundstein auf Schienen

Eine stolze Zahl: 140 Jahre Eisenbahn in Neusorg. Grund genug, dem Thema eine ausgezeichnete Ausstellung zu widmen.

Gut besetzt waren die Reihen bei der Eröffnung der Ausstellung
Gut besetzt waren die Reihen bei der Eröffnung der Ausstellung

Neusorg. "Neusorg ist ein Kind der Eisenbahn", formulierte Bürgermeister Peter König bei der Eröffnung in der Fichtelnaabtal-Grundschule und meinte damit nichts anderes, als dass die Eisenbahn ein wichtiger Grundstein war für die Entwicklung der Gemeinde. Sie ist mit ihr groß geworden.

Neben dem vollzählig anwesenden Gemeinderat und der Schulleitung hatten sich auch weitere Gäste eingefunden. Mit seinen Worten wolle er die Zeit um 140 Jahre zurückdrehen und Rückschau auf die Entwicklung halten, meinte König. Ein historischer Tag sei er gewesen, der 15. Mai 1878, der für die Entwicklung des Ortes Neusorg, im wahrsten Sinne des Wortes eine "bahnbrechende Bedeutung" hat. Er habe es verdient, in den Mittelpunkt der aktuellen Berichterstattung gestellt zu werden.

Mit der Inbetriebnahme dieser Teilstrecke wurde der geplanten Ost-West-Magistrale Prag - Paris ein weiterer Mosaikstein hinzugefügt. Es sei eine der schwierigsten Eisenbahn-Projekte in Nordbayern gewesen. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten waren hohe Dämme und tiefe Einschnitte anzulegen. Die etwa 150 Meter lange und 46 Meter hohe Brücke über das Fichtelnaabtal sowie die beiden Tunnel bei Langentheilen (762 Meter) und Oberwappenöst (841 Meter) bezeichnete König als ingenieurtechnische Meisterleistungen.

Die Tunnel lagen durchwegs in unwegsamem Gelände. Alle Kräfte waren gefragt. Wer Pferde und Ochsen hatte, war im Einsatz, riesige Ablagerungsflächen für die Aushubmassen waren notwendig. Flächen mussten angekauft oder gepachtet werden, das für den Tunnelbau erforderliche Schachtbauholz stellten die Holzhändler und Sägewerksbesitzer vor eine große Herausforderung.

Kurz nach dem Bau der sogenannten "Eisernen Brücke" 1876 stürzte das nördliche Widerlager auf Neusorger Seite der Fichtelnaab mit einer Höhe von 40 Metern ein. Das Fundament war zu schwach ausgelegt. Die Arbeiten gingen trotzdem weiter, so dass knapp drei Wochen vor der Eröffnung mit einem Zug mit acht Frachtwagen mit je zehn Tonnen Gewicht eine Belastungstestfahrt über die zunächst eingleisige Brücke erfolgreich durchgeführt werden konnte. Erst 1901/1902 wurde die Brücke mit einem zweiten Gleis erweitert. Im Zweiten Weltkrieg war die Brücke eine strategisch wichtige Infrastruktureinrichtung. Das Kriegsende hat sie gut überstanden, obwohl eine Sprengung vorgesehen war, um den Amerikanern ein Vordringen zu erschweren. Der Ort Neusorg ist ein "Kind der Eisenbahn", für die erst einmal eine andere Streckenführung über Reichenbach und Oberkotzau ins Auge gefasst worden. Bis zum Jahr 1878 bestand die Siedlung Neusorg aus acht Häusern mit 65 Einwohnern.

Nachdem der Bahnbau mitten durch die acht Häuser verlief, mussten drei Häuser dem Bahndamm weichen. Sie wurden entweder weiter südlich oder nördlich wieder aufgebaut. Die Ausstellung gibt darüber näher Auskunft. Am östlichen Ortsende soll noch ein Ziegelofen abgerissen worden sein, der nicht wieder aufgebaut wurde. Das Ortsbild habe sich im positiven Sinne einschneidend verändert. Neusorg wurde zu einem bevorzugten Standort für Industrie- und Handwerksbetriebe, die Einwohnerzahl stieg deutlich.

1915 hatte der Ort 55 Anwesen mit rund 500 Einwohnern. Fünf Jahre nach der Eröffnung der Bahnstation Neusorg wurde die Lokalbahn mit dem Endbahnhof Fichtelberg begonnen. Am 20. Dezember 1890 fuhr der erste Zug. Die Linie hatte nicht einmal 100 Jahre Bestand. 1976 wurde der Personenzugverkehr eingestellt, 1984 befuhr der letzte Güterzug die Lokalbahn. Heute nutzen Radfahrer den Großteil der ehemaligen Trasse als Radweg. Im Zuge des Bahnbaus wurde auch das Bahnhofsgebäude geschaffen und 1880 seiner Bestimmung übergeben. Von den beiden Stellwerken westlich und östlich des Bahnhofs ist nichts geblieben.

In der Blütezeit diente der Bahnhof Neusorg bis zu 130 Personen als Arbeitsplatz. Seit 1997 ist er nicht mehr besetzt, doch sein Dornröschenschlaf ist nun im 140.Jahr seines Bestehens beendet. Das historische Gebäude erfährt eine neue Nutzung. Der Gemeinde Neusorg ist es gelungen, eine Brücke von einer glanzvollen Vergangenheit in eine erfolgreiche und gute Zukunft zu schlagen.

Die Rektorin der Fichtelnaabtal-Grundschule, Sabine Graser, meinte, dort wo es Leute gebe, gebe es auch Kinder, und so sei die Schule letztendlich auch eine Folge des Bahnbaus. Im Lehrplan der vierten Klasse werde das Thema behandelt. Die Schülerinnen und Schüler hätten sich mit ihren Lehrerinnen bereits mit der Thematik befasst und Plakate als Teil der Ausstellung erstellt. Bestaunt hätten sie auch den Hefteintrag des Bürgermeisters, vor allem die Schrift vor Beginn des Zeitalters von Tablet und Computer.

Hintergrund

Ein mögliches Kriterium für den heutigen Verlauf ist das sogenannte "Schindelloh-Gutachten", das besagt, dass um Schindellohe etwa 400 Millionen Zentner Braunkohle zum Abbau anstünden und die geförderte Kohle mit der Bahn abtransportiert werden sollte. Daneben waren noch namhafter Kalkabbau und der Abbau von Eisenstein erwähnt. Diese rentablen Rahmenbedingungen brachten den Zuschlag für die jetzige Strecke. Das Gutachten ist niemals auch nur annähernd bestätigt worden. Verschiedene Probebohrungen und vereinzelte Abbauversuche sind zwar erwähnt, mehr nicht. Die Geschichte hat es mit dem Ort gut gemeint hat und eine "höhere Gewalt" hat Neusorg als Heimat für ganze Eisenbahnergenerationen vorgesehen. (ld)

 
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