Von Uli Piehler
Laut Wetterexperten war es einer der stärksten Sonnenstürme der vergangenen 20 Jahre, der die Erdatmosphäre erreicht hat. Die Folge war ein atemberaubendes Schauspiel am Nachthimmel. Wer in der Nacht auf Dienstag, 20. Januar, zwischen 22 und 23 Uhr noch vor der Tür war, um beispielsweise mit dem Hund Gassi zu gehen, der konnte sie am Firmament mit bloßem Auge sehen - die pink- und violettfarbenen Schlieren, die am nördlichen Himmel standen. Hinzu kamen grünfarbene Bänder, die ihre Form sekündlich veränderten. Über Whats-App verbreiteten sich die ersten Fotos in Windeseile, immer mehr Menschen gingen ins Freie, um sich das Spektakel anzuschauen. Hier sind einige Fotos aus der Region, die am Dienstagmorgen die Redaktion von Oberpfalz-Medien erreichten.
Die Polarlichter wurden durch einen sehr starken geomagnetischen Sonnensturm ausgelöst. Diesmal ereignete sich am 18. Januar auf der Sonne eine kräftige Eruption mit koronaler Massenauswurf-Wolke, die aus elektrisch geladenen Teilchen bestand und in Richtung Erde geschleudert wurde. Diese Teilchenwolke erreichte die Erde rund 25 Stunden später und löste einen geomagnetischen Sturm aus, wodurch Polarlichter bis nach Deutschland und sogar weiter südlich sichtbar wurden. „Die Sonne befindet sich zur Zeit in ihrem Aktivitätsmaximum“, erklärt Prof. Dr. Matthias Mändl, der Vorsitzende der Sternfreunde Amberg-Ursensollen. Das bedeutet, dass es gerade mehr Sonnenflecken, Eruptionen und koronale Massenauswürfe gibt.
Ein Zyklus von Maximum zu Maximum dauert etwa elf Jahre. Wahrscheinlich hat es also auch vor elf und vor 22 Jahren – also um 2014/15 und Anfang der 2000er Polarlichter über Deutschland gegeben, nur wurden sie damals wohl kaum gesehen. Das liegt nach Meinung von Prof. Mändl vor allem an den veränderten technischen Möglichkeiten und Kommunikationsmittel. „Der Grund, dass heute so viele Leute die Polarlichter gesehen haben und tags darauf darüber reden sind vor allem die Handys und die spontane Kommunikation.“ Das Himmelsphänomen sei für die breite Bevölkerung erst mit den neuesten Smartphones und der Bilderflut in den sogenannten sozialen Medien greifbar geworden. Eine Faszination, die mit der Digitalisierung zusammenhängt. Möglicherweise erklärt sich dadurch auch, dass das Phänomen scheinbar zweimal zur gleichen Uhrzeit – immer gegen 22 Uhr, kurz vor dem Zubettgehen – aufgetaucht ist. Es ist eben die Zeit, zu der viele Menschen noch einmal einen Blick auf ihr Handy werfen. Polarlichter (vielleicht sogar noch viel schönere) gibt es auch zu späteren Uhrzeiten, nur nimmt sie da die breite Masse nicht wahr.




























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