17.05.2018 - 17:08 Uhr
Deutschland & Welt

Exotisch ist nur der Hácek Fahrbericht Skoda Karoq

Wir haben sie bestaunt und belächelt zugleich, die Skoda-Fahrer der 70er und 80er Jahre mit ihren lärmenden Klapperkisten. Was da durch den eisernen Vorhang zu den wenigen Händlern rollte, war als fahrbarer Untersatz bestenfalls akzeptiert bei Kommunisten, Studenten und Hippies - meist trafen alle drei Eigenschaften auf die Skoda-Lenker zu. Und heute? Das einzig Exotische an einem Skoda ist der Hácek auf dem großen S. Seit der Übernahme durch Volkswagen hat sich das Bild komplett geändert. Aus Mladá Boleslav kommt seit Jahren 1-a-Ware, und das ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Griffen zu Beginn noch vorwiegend Sparfüchse zu Oktavia, Fabia und Co., so erobern aktuell die Skoda-Modelle auch die Herzen von Menschen, die gutes Design und hohe Wertanmutung schätzen.

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Irgendwie vertraut

Da macht der Karoq, ein SUV der Kompaktklasse im Seat-Ateca-Format, keine Ausnahme. Wir erleben das selten bei Testautos, dass sie sich vom ersten Tag an anfühlen als gehörten sie schon immer zur Familie.

Nah am Tiguan

Keine Rätsel bei der Bedienung, funktionelles Interieur und eine Größe - leicht unterhalb der des Tiguan - , die für die meisten Alltagsaufgaben locker reicht. Dabei ist der Karoq dank Varioflex-Sitzsystem (390 Euro) ein Verwandlungskünstler, bietet verschiebbare, wickelbare, nach innen rückende Sitze im Fond. Und dann gibt es noch - teils gegen Aufpreis - rund 20 Simply-Clever-Lösungen für den Karoq, die das Leben leichter machen: Beispiele: an der Heckklappe befestigtes Rollo, Regenschirm unter dem Beifahrersitz, Fehlbetankungsschutz, Halter für Warnweste, Raum für Kugelschreiber, Gummizug in der Türverkleidung Eiskratzer im Tankdeckel, abnehmbare LED-Taschenlampe im Kofferraum, Abfalleimer mit Müllsäckchen in der Türverkleidung, Tablett-Halterungen und 230-Volt-Steckdose, ...

Der Testwagen kommt in der hübschen Standardfarbe Energy-Blau mit Allradantrieb, 7-Gang-DSG und dem bekannten 150-PS-Konzerndiesel. Der Antrieb ist genügsam, nicht unbedingt leise, dafür aber kräftig. Mit einem Testverbrauch von 6,5 Litern bei viel Stadtverkehrsanteil erweist sich das kompakte SUV als Knauser. und weil er die Abgase mit SCR-Technik reinigt, auch fit für die Zukunft. Nicht zuletzt wegen der großen 18-Zöller rollt der Testwagen etwas hölzern ab, macht aber sonst viel Freude. Das Doppelkupplungsgetriebe hat beim Anfahren eine gewisse Klebrigkeit, die sich mit leichtem Antupfen des Fahrpedals überlisten lässt. Die Armaturen verzichten auf digitale Spielereien; wer je einen VW oder ein anderes Konzernmodell fuhr, findet sich auf Anhieb zurecht. Jedere andere auch.

Extras mit Sinn

Ein paar Extras, die wir für gut befunden haben: Das Abstandsradar (bis 210 km/h inklusive Spurhalte- und wechselassistent (1500 Euro), die Rückfahrkamera (350 Euro) und den Parklenkassistenten, der den Karoq selbst in kleine Lücken sicher steuert (300 Euro). Das Datenblatt zeigt: Wer viele Kreuze macht, muss auch viel bezahlen. Im Falle unseres üppig ausgestatteten Testwagens sind es mehr als 44 000 Euro. Auch diesbezüglich hat sich Skoda längst vom Billig-Image verabschiedet.

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