23.05.2018 - 22:16 Uhr
Deutschland & Welt

Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt müssen sich wohl wegen ... Anklage in WM-Affäre

Die Affäre um die WM 2006 wandert vor Gericht. Dort müssen sich Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt wohl wegen Steuerhinterziehung verantworten. Die Anklage liegt ihnen jetzt vor.

Der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (links) überreicht dem damaligen Fußballfunktionär Horst R. Schmidt die Ehrenmitgliedschaft im DFB. In der Affäre um die Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt die drei früheren DFB-Funktionäre Zwanziger, Niersbach und Schmidt wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Bild: Daniel Karmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Main. Die drei langjährigen DFB-Funktionäre Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt werden in der Affäre um die Fußball-WM 2006 wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Alle drei bestätigten, entsprechende Anklageschriften von der Staatsanwaltschaft erhalten zu haben. Diese Schriften werden jetzt vom Landgericht Frankfurt in einem Zwischenverfahren geprüft. Danach kann Niersbach, Zwanziger und Schmidt in einer Hauptverhandlung der Prozess gemacht werden.

Die Ermittler werfen dem Trio vor, eine falsche Steuererklärung für das WM-Jahr 2006 abgegeben und eine Rückzahlung der ominösen 6,7 Millionen Euro im Zentrum der gesamten Affäre bewusst verschleiert zu haben. Die drei langjährigen Spitzenfunktionäre weisen das jedoch zurück. "Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind", sagte der 2015 zurückgetretene DFB-Präsident Niersbach. Auch sein Vorgänger Zwanziger erklärte in einer Stellungnahme seines Anwalts: "Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen."

Der langjährige DFB-Generalsekretär Schmidt ging sogar soweit, zu sagen: "Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main verletzen mich. Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen."

Auffällig ist jedoch, dass zumindest Schmidt und Zwanziger für die Rückzahlung der ominösen 6,7 Millionen unterschiedliche Argumente vorbringen. Zwanziger erklärte, dass es sich dabei tatsächlich wie auch in der Steuererklärung angegeben um einen "Zuschuss für die Fifa-Gala" gehandelt habe, die später jedoch nie stattfand. Der Anwalt von Schmidt hält in seiner Stellungnahme dagegen an der alten DFB-Version fest, wonach dieses Geld ursprünglich dafür verwendet wurde, "um die Voraussetzungen für die Gewährung eines Zuschusses der Fifa für die Durchführung der WM 2006 in Deutschland zu schaffen." Diese Version wird mittlerweile sogar von Zwanziger angezweifelt.

Im Zentrum der gesamten Affäre stehen zwei Zahlungen über je 6,7 Millionen Euro. Der WM-Organisations-Chef Franz Beckenbauer erhielt 2002 ein entsprechendes Darlehen von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus und leitete das Geld auf ein Konto in Katar weiter, das zum Firmengeflecht des damaligen und nachweislich korrupten Fifa-Funktionärs Mohamed Bin Hammam gehörte.

2005 zahlte dann nicht Beckenbauer die 6,7 Millionen an Louis-Dreyfus zurück, sondern der DFB. Der Verband überwies das Geld an die Fifa und die leitete es an den Franzosen weiter. Deklariert wurde das in der Steuererklärung als Beitrag zur WM-Gala. Louis-Dreyfus starb 2009.

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