Weiden in der Oberpfalz
19.05.2026 - 14:31 Uhr
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Meinung: Kein Loblied auf die Demokratie in Weiden

Männlich, wirtschaftsnah, konservativ: Diese Denkrichtung wird künftig das Machtzentrum in Weiden bestimmen. Der Rest ist außen vor. Besonders demokratisch wirkt das nicht. Eine SPD-Bürgermeisterin hätte der Stadtspitze gutgetan.

Kommentar von Florian Bindl
Das Machtzentrum in Weiden verschiebt sich. Wirtschaftsnahe und konservative Kräfte werden künftig die Stadtpolitik bestimmen. Bild: blf
Das Machtzentrum in Weiden verschiebt sich. Wirtschaftsnahe und konservative Kräfte werden künftig die Stadtpolitik bestimmen.

Nun sind die Machtverhältnisse geklärt. Die CSU wird mit ihren Juniorpartnern Bürgerliste und Junger Union die kommenden Jahre in Weiden prägen. Mehrheiten für Vorschläge seiner Verwaltung sind Oberbürgermeister Zeitler wohl jederzeit sicher. Auch das Führungstrio an der Stadtspitze kommt ausschließlich aus diesem Spektrum – selbst der umstrittene zusätzliche Stellvertreterposten, der einem Zuckerl für die Junge Union gleicht. Andere Meinungen? Kann das künftige Machtzentrum der Stadt recht ungeniert beiseiteschieben. Jetzt wird durchregiert.

Klar, so geht etwas voran. Beschlüsse zerfallen nicht in ein Klein-Klein. Davon kann Weiden profitieren. Die Amtszeit von Zeitlers Vorgänger Jens Meyer (SPD) litt vor allem an der zermürbenden Suche nach immer neuen Mehrheiten. Nun kommt wohl mehr Tempo in den Stadtrat.

Aber: Ist das im Sinne der Bürger? Der Wähler? Der Demokratie? Immerhin beschwor der neue Oberbürgermeister den demokratischen Geist des Gremiums in seiner ersten Ansprache. "Demokratie lebt von Beteiligung", sagte er. Dass nun faktisch nur eine Denkrichtung die Zukunft der Stadt bestimmt – männlich, wirtschaftsnah, konservativ –, lässt einen großen Teil der Weidener Wähler und Meinungen außen vor. Von seinen neuen Bürgermeisterkollegen bekommt Zeitler vermutlich meist seine eigene Sicht gespiegelt.

Nicht alles, was in demokratischen Strukturen machbar ist, ist auch im Sinne der Demokratie. Eine SPD-Bürgermeisterin hätte Benjamin Zeitlers Amtszeit gut getan. Sie wäre ein willkommenes Zeichen gewesen, dass er sein Loblied auf die Demokratie auch als Auftrag an sich selbst versteht.

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Kommentare

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Martin Hofmann

Perfekt kommentiert. Genauso ist es.
Aus meiner Sicht ist das schon mal der erste Fehler der machtbesessenen Herren.
Umso wichtiger ist es, dass die Lokalpresse unabhängig bleibt, die Vorgänge realistisch kritisch beobachtet und entsprechend transparent hierzu berichtet.
Wichtig ist zudem, dass sich eine geschlossene und konstruktive politische Opposition bildet. Wenn das gelingt, wird diese sicher ziemlich zügig die notwendige Stärke entwickeln und dann auch einen entsprechenden Zulauf der Bürger bzw. zukünftigen Wähler erhalten.

23.05.2026
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