25.07.2018 - 16:41 Uhr
Deutschland & Welt

69 Kerzen im IS-Sturm: Seehofers schlechtester Scherz

Ausgelacht: Horst Seehofers (CSU) Torte zum 69. Geburtstag.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Nein, es geht nicht um Political Correctness, wenn sich Kirchenvertreter an der Wortwahl einiger CSU-Politiker stören. Besser versteht man die Kritik, wenn man den Einzelfall betrachtet.

M. ist einer der 69 abgeschobenen Flüchtlinge, die sich Seehofer rhetorisch als Kerze auf seine Geburtstagstorte stecken ließ - als Beispiel konsequenter Abschiebung von Kriminellen und Gefährdern. M. hat sich in acht Jahren in Weiden nichts zuschulden kommen lassen. Er hatte Arbeit und Freunde. Er trat zum evangelischen Glauben über. Er engagierte sich seinem Dekan zufolge vorbildlich.

M. gehört zur schiitischen Minderheit der Hassara - von IS und Taliban wegen ihres "falschen Glaubens" verfolgt. Als Konvertit ist M. Feindbild Nummer 1 der Glaubenswächter.

Man stelle sich einen jungen Mann vor, der als 10-Jähriger mit dem Onkel in den Iran floh, der Vater noch in Afghanistan ermordet. Aus dem Gottesstaat muss er wieder weg, über die Türkei nach Europa. In Weiden scheint er angekommen, integriert sich. Am Ende einer sinnlosen Odyssee sitzt M. depressiv in einem als IS-Zielscheibe bekannten Hotel in Kabul.

Guter Humor wäre, wenn Horst Seehofer sich entschuldigen und M. zurückholen würde.So sieht ein sicherer Drittstaat aus, die Wiederherstellung des Rechtsstaates? Ist die flapsige Geburtstagsanekdote in diesem Licht ein gelungener Scherz? Guter Humor wäre, wenn Horst Seehofer sich entschuldigen und M. zurückholen würde.

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