Abschied vom wilden Trommler

Er galt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Zusammen mit Gitarrengott Eric Clapton gründete der temperamentvolle Virtuose die Superband Cream und stand bis ins hohe Alter auf der Bühne.

In kleinen Clubs hat Ginger Baker Mitte der 50er Jahre mit Jazz-Konzerten seine Karriere begonnen. 2014 spielte er mit seiner „Jazz Confusion“ in der Fürther Kofferfabrik.
von Stefan Voit Kontakt Profil

In Bayern hätte man ihn als "ewigen Grantler" bezeichnet: immer schlecht gelaunt, miesepetrig drauf, immer am Fluchen. Wahrscheinlich war er mit seinem Leben nie so richtig zufrieden - außer wenn Peter Edward "Ginger" Baker hinter seinem Schlagzeug saß. Da konnte der "Double Kick"-Virtuose alles um sich vergessen, dem Rhythmus lauschen, die Takte neu erfinden.

1939 in London geboren, trommelte er sich erst durch die Jazz-Szene, bevor er 1962 bei Alexis Korner's "Blues Incorporated" einstieg, anschließend die "Graham Bond Organization" mitgründete und dort auf Jack Bruce traf. Und dann war 1966 der Weg frei für die erste "Super Group" des Rock: "Cream". Bruce, Baker und Clapton waren eine unorthodoxe Band zwischen Jazz, Blues und Rock, alle Instrumente waren gleichberechtigt. Doch die Gruppe scheiterte (auch) an den ausgeprägten Persönlichkeiten.

Auf nach Afrika

Mit "Blind Faith" stand 1969 die nächste "Super Group" an, die sich nach einem Album und einer erfolgreichen Tour wieder verabschiedete. Und dann machte er sich - "Ginger Baker's Airforce" war nur ein Zwischenspiel - nach Nigeria auf und widmete sich den afrikanischen Einflüssen in der Musik. In seinem Studio bei Lagos entstanden übrigens auch Teile von Paul McCartney's "Band on The Run"-Album. Es folgten wilde Jahre: Er versuchte sich als Olivenbauer in Italien, spielte in unterschiedlichsten Formationen, kämpfte mit Alkohol- und Drogenproblemen, rauchte wie ein Schlot, betrieb eine Pferdezucht. Das ist alles wunderbar erzählt in der Dokumentation "Beware of Mr Baker" (2104).

Legendäres Solo

Finanziell ging es für ihn, der auf Platz 3 der "100 besten Schlagzeuger der Welt" landete, wieder aufwärts: "Cream" kamen 2005 zu einem Reunion-Konzert in der Londoner "Royal Albert Hall" noch einmal zusammen. Obwohl damals schon gesundheitlich angeschlagen, trommelte an diesen ausverkauften Abenden auf seinen unvergleichliche Art.

2014 ging er mit "Ginger Baker's Jazz Confusion" auf Tour und spielte unter anderem in der Kofferfabrik in Fürth ( - und 1992 auch im Weidener Jugendzentrum!). Obwohl er auf die Bühne geführt werden musste und Probleme mit der Atmung hatte, trommelte er wie dem "Rhythmus sein wilder Bruder". Sein legendäres "Cream"-Drum-Solo "Toad", seine außergewöhnliche Spielweise und seine Knorrigkeit werden unvergessen bleiben. Am Sonntag ist er im Alter von 80 Jahren in London gestorben und im "White Room" des Rock-Himmels angekommen.

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