Mit dem ADAC wankt eine Bastion: Ein Tempolimit hat weiter eine Chance

Freie Fahrt für freie Bürger. So sinnfrei der Spruch aus den 70ern auch ist, so tief hat er sich ins Bewusstsein des deutschen Autofahrers eingebrannt. Doch die ADAC-Parole gegen ein Tempolimit hat sich abgenutzt, meint Tobias Schwarzmeier

Ein allgemeines Tempolimit ist kurzfristig wohl nicht in Sicht. Der nun betonte "neutrale" Standpunkt des ADAC zu diesem Thema, rüttelt die Diskussion aber wieder auf.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
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In "Deutschland einig Vettelland" hat sich zuletzt etwas bewegt. Und da geht es nicht nur um Fakten wie die Zahl der Unfälle, Verkehrstoten und -verletzten, die ein Tempolimit definitiv verringern würde. Oder die Reduzierung von umweltschädlichem Mikroplastik, Feinstaub und CO2.

Abgehetzt und unentspannt am Zielort ankommen entspricht nicht mehr dem wachsenden Komfortdenken vieler. Auch wenn in der Oberpfalz außer einigen Flaschenhälsen erwiesenermaßen "freie Fahrt" herrscht, sind etwa 20 Stundenkilometer mehr im Schnitt, um am Ende zehn Minuten schneller von Weiden nach München zu kommen, kein echter Anreiz. Ein Tempolimit auf Autobahnen wäre daher für viele im Alltag kein Problem. Doch solange sich dieses Umdenken nicht im Kaufverhalten niederschlägt – hochmotorisierte Autos stellen Verkaufsrekorde auf – wird der Widerstand gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen in Industrie und Teilen der Politik bleiben.

Dennoch werden Tempolimits unvermeidlich kommen. Egal wie sie am Ende aussehen werden, pauschal oder variabel (CO2-Gehalt-, strecken-, oder tageszeitabhängig). Der einfache Grund: Es gibt kaum sinnvolle Argumente dagegen, nur ein vages Gefühl von einer vermeintlich eingeschränkten Freiheit. Doch eine wichtige Eigenschaft des "freien Bürgers" ist auch, seine Meinung zu ändern. Und wenn selbst der wertkonservative ADAC vorsichtig umzudenken beginnt, ist ein Tempolimit nicht vom Tisch.

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