Alles Magie

Wenn man sich „The Secret“, das aktuelle Werk von Alan Parsons anhört, so fühlt man sich zumindest als Mensch Ü 50 frappierend in eine Zeitschleife geworfen, welche einen in die späten 70 und frühen 80er versetzt.

Alan Parsons kommt auf seiner Deutschland-Tournee auch nach München. Am 24. Juni spielt er im Circus Krone.
von Autor MFGProfil

Ein Hit jagte, unter dem Namen The Alan Parsons Project, den nächsten: „Lucifer“, „Eye In The Sky“, „Don’t Answer Me“, um nur die bekanntesten zu nennen. Der Londoner und seine Mitstreiter verstanden es trefflich, orchestral konzipierte, manchmal am Rande des Pomps stehende, und eingängige, manchmal am Rand des Kitschs stehende Pop-Rock-Perlen in die Welt zu schleudern, wo sie von Millionen Menschen nur zu gerne in den Gehörgängen aufgenommen wurden.

In diese zeitlose musikalische Welt beamt einen der 70jährige Komponist und Multiinstrumentalist, mittlerweile ohne „Project“ unterwegs, mit seiner aktuellen Scheibe zurück. Was diese ebenfalls mit dem Frühwerk verbindet – es handelt sich um ein Konzeptwerk. Und: Der seit etlichen Jahren in Kalifornien residierende Parsons hat wieder einige Gastsänger dabei. Dieses Mal handelt es sich um den jungen Troubadour Jason Mraz, Ex-Foreigner-Frontmann Lou Gramm und den Soul-Vokalisten Jared Mahone. Beim einleitenden Instrumental steht ihm der frühere Genesis-Gitarrist Steve Hackett zur Seite.

Alles wie gehabt demnach beim Progressive-Großmeister auf dem ersten Album seit 15 Jahren. „Zurück in die Zukunft“, lacht Parsons beim Gespräch vergnügt.

ONETZ: Was ist Ihr Geheimnis, aus welchem Grund Sie Ihr aktuelles Album „The Secret“ betitelt haben? Oder anders gefragt: Sind Sie ein geheimnisvoller Mensch?

Alan Parsons: Es geht in diesem Fall nicht um meine eigenen Geheimnisse, stattdessen erzähle ich stringent die Geschichte der Zauberei. Übrigens weiß ich, worüber ich schreibe, denn eine Menge meiner Freunde sind Zauberer, ich bin seit Jahrzehnten Mitglied der „Magier-Gilde“, habe selbst ein paar, wenn auch bescheidene, Tricks auf Lager. Das Grundthema ist „Magie“, in ihren mannigfaltigen Schattierungen. Übrigens auch die Magie des Daseins eines Künstlers.

ONETZ: Wenn Sie 2019 auf Tournee gehen, werden Sie dabei Magie einsetzen?

So ist es von mir angedacht. Ich habe schon mit dem Präsidenten meiner Gilde darüber gesprochen. Er hat mir Unterstützung zugesichert. Lassen Sie sich einfach verzaubern. (lacht)

ONETZ: Sehen Sie „The Secret“ in der Tradition klassischer Alan Parsons Project-Alben der 70er und 80er?

Tatsächlich bin ich beim Komponieren ganz bewusst in die frühen „Project“-Zeiten eingetaucht. Ich bin auf diese Ära in meiner Karriere sehr stolz! Vor allem auf die Zeitlosigkeit dieser Scheiben. Man muss diesen Sound nicht unbedingt mögen. Aber man kann ihn sich bis heute anhören, etwa im Radio. Er hat keine Patina angelegt.

ONETZ: Wie haben Sie all Ihre Gast-Sänger rekrutiert?

Den Löwenanteil machen meine aktuellen Live-Mitstreiter aus. Die anderen habe ich ohne Umwege kontaktiert. Das sind Musiker, die mir von Freunden vorgestellt worden sind. Die Sache war einfach und mit keinem allzu großen Aufwand verbunden.

ONETZ: Warum war und ist es Ihnen wichtig, prominente Musiker an Ihrer Seite zu wissen?

Sie ergänzen meine Kompositionen, bereichern sie. Das hat nichts mit einem Promi-Bonus zu tun, auf den ich schiele, bitte glauben Sie mir das.

ONETZ: Wenn man Sie als „Progressive-Rocker“ bezeichnet – stimmen Sie mit dieser Definition überein?

„Prog Rock“, dieser Stempel gilt eigentlich nur für das erste „Project“-Werk „Tales of Mystery And Imagination“von 1976. Doch im Vergleich etwa zu Yes oder King Crimson bin ich definitiv „Progressive Pop“. Die sanftere Version demnach.

ONETZ: Der „orchestrale Aspekt“ spielt auf beinahe all Ihren Arbeiten eine wichtige Rolle. Woher rührt diese Begeisterung dafür?

Mein Vater war absoluter Klassik-Fan! Er hat mich regelmäßig schon als Junge in Konzerte mitgenommen. Immer bekam er leuchtende, glänzende Augen, wie ich sie im Alltag kaum je an ihm bemerkt habe. Ich war fasziniert. So etwas prägt für ein ganzes Leben.

ONETZ: Woher bekommen Sie in der Regel Inspiration für neue Texte?

Ich mag ein scheuer Mensch sein, gleichzeitig bin ich aber auch äußerst neugierig. Meine Augen stehen stets sperrangelweit offen. Und wenn ich am Abend nach Hause komme, lasse ich all die Eindrücke, die auf mich niedergegangen sind, Revue passieren. Manche Ereignisse sind für mich einzigartig und besonders. Über die schreibe ich dann.

ONETZ: Was ist außer Magie, welche Sie schon erwähnt haben, von Ihren Live-Konzerten im nächsten Jahr zu erwarten?

Wenn alles klappt, werden inklusive meiner Wenigkeit acht Leute auf der Bühne stehen. Wir werden zumindest drei oder vier Lieder von „Te Secret“ zum besten geben. Und ansonsten sehr viel Stoff aus der frühen Phase von Alan Parsons Project. Ich bin mir sicher, es wird sehr magisch zugehen…

Cover der aktuellen CD "The Secret".
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