Waldsassen
25.02.2026 - 10:14 Uhr
OnetzPlus

Stadt-Apotheke in Waldsassen ab März in neuen Händen

Zwei Apotheken gibt es traditionell in Waldsassen. Damit dies auch künftig so bleibt, einigten sich die Inhaberinnen Brigitte Mehler-Pfletscher und Gabriele Badum auf eine gemeinsame Lösung. Sie soll die flächendeckende Versorgung erhalten.

Zum 1. März 2026 gibt es in der Stadt-Apotheke Waldsassen eine Veränderung. Die Inhaberinnen wechseln: Apothekerin Brigitte Mehler-Pfletscher wird künftig die Stadt-Apotheke in Waldsassen als Filialapotheke der Marienapotheke führen. Sie war bisher von Gabriele Badum geleitet worden.

Im Sommer 2025 trafen die beiden Frauen die Entscheidung für den Schritt, im Dezember begannen die konkreten Vorbereitungen für die Übernahme. Beide Inhaberinnen wollen damit die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten sichern.

Die Leitung der Filiale wird Apothekerin Dagmar Goblirsch in enger Zusammenarbeit mit der neuen Inhaberin übernehmen. "Vielen in Waldsassen dürfte sie ein vertrautes Gesicht sein", heißt es dazu in einer Mitteilung. Die künftige Leiterin ist seit gut 15 Jahren in der Stadt-Apotheke Waldsassen tätig.

Mittagspausen abgestimmt

Der bewährte Service einschließlich der Botendienste wird den Angaben zufolge auch zukünftig angeboten. Neu ist, dass die Mittagspausen so aufeinander abgestimmt sind, dass jeweils eine der beiden Apotheken geöffnet hat.

Die neue Inhaberin Brigitte Mehler-Pfletscher stellt ihre Passion zur Pharmazie aus der Marienapotheke Waldsassen heraus. Dort engagiert sie sich bereits seit 1984 für die gesundheitlichen Anliegen ihrer Kunden – "mit viel Herz und Fachkompetenz", wie es heißt.

Massive Verschlechterung

Viele Jahre führte Apothekerin Gabriele Badum in Waldsassen die Stadt-Apotheke mit großem Engagement. Nun ist sie froh, "dass sich nun zum längst wohlverdienten Ruhestand eine Nachfolgerin für die alteingesessene Apotheke gefunden hat". Denn in den vergangenen 15 Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen "massiv verschlechtert“ – vor allem durch die politischen Vorgaben.

Der Kostendruck sei enorm gestiegen und andererseits das Fixum für die Apotheken auf dem Stand von 2013 geblieben. Die Suche nach einer Nachfolge für die Leitung einer Apotheke sei deshalb schwer. Das wirtschaftliche Risiko sei viel größer geworden. „Sie haften persönlich mit allem, was Sie haben“, sagt Gabriele Badum im Gespräch mit Oberpfalz-Medien und hinterfragt, ob die Politik überhaupt noch an einer Versorgung vor Ort interessiert sei.

Entscheidung für die Zukunft

„Seit ich im vergangenen Sommer erfahren habe, dass Frau Badum die Stadt-Apotheke verkaufen möchte, habe ich mich nach reiflicher Überlegung und einigen schlaflosen Nächten zur Übernahme entschieden – für die Zukunft“, so Brigitte Mehler-Pfletscher. "Wir versuchen einfach unser Bestes für Waldsassen und für die Versorgung unserer Kunden." Der Apothekenmarkt stehe vor enormen Herausforderungen: Personalmangel, Kostendruck, wachsender Online-Wettbewerb – und gleichzeitig steigenden Anforderungen von Krankenkassen und Kunden.

"Wir stellen uns der Politik", will Brigitte Mehler-Pfletscher ihr Engagement als Gegenpol dazu verstanden wissen – und hofft darauf, dass sich die Vorgaben der Politik rasch zum Besseren verändern. "Sonst wird es schwierig für die Jungen", sagte sie über die beruflichen Perspektiven für den Apothekernachwuchs. Gabriele Badum unterstreicht die Bedeutung einer klassischen Apotheke. "Die ist nicht nur Anlaufstelle, um ein Medikament zu bekommen." Vor allem ältere Menschen würden aktiv beraten. "Wir versuchen, ein Miteinander zu gestalten."

Harmonische Kommunikation

Bis Ende Februar wird sich Gabriele Badum noch um die Offizin, also den Verkaufsraum, kümmern; auch danach ist sie gerne in der Apotheke gesehen. Die Mitarbeitenden der Stadt-Apotheke sind größtenteils mit übernommen worden. "Das Team freut sich, dass es weitergeht", sind sich die beiden Apothekerinnen einig. Denn dies sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich.

„Das hat alles sehr reibungslos funktioniert", unterstreicht Gabriele Badum die "harmonische Kommunikation". Über Einzelheiten der Übernahme haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Die Apothekerinnen freuen sich, dass mit der Zusammenführung das frühere Konkurrenzdenken beider Familien beendet ist. "Wir haben auf diese Weise alte Verstrickungen und Knoten gelöst", so Gabriele Badum. Brigitte Mehler-Pfletscher ergänzt im Hinblick auf die Rahmenbedingungen im Apothekenmarkt: "Wir waren die Zwei, die in den Positionen sind, das Licht hochzuhalten."

OnetzPlus
Tirschenreuth19.02.2026
Hintergrund:

Früher nur eine Apotheke in Waldsassen

  • Im Apothekerflügel des Klosters gab es früher die einzige Apotheke in Waldsassen.
  • Die Familie Badum taucht im Zusammenhang mit der Apotheke erstmals 1865 auf, als Wilhelm Badum das Anwesen erwarb. Um 1900 Umsiedlung in die Prinz-Ludwig-Straße. 1913 Übernahme der Apotheke durch Philipp Badum, 1955 durch dessen Sohn Hans Badum.
  • Seit 1983 leiteten Apotheker Heinz Badum und seine Frau Gabriele die Apotheke. Seit dem Tod von Heinz Badum im Jahre 2008 führte Gabriele Badum die Stadt-Apotheke alleine.
  • Die Familie Mehler ist mit dem Kloster über den Kloster-Ökonom Albericus Mehler verbunden. Er lebte im 18. Jahrhundert und ist in der Basilika-Gruft bestattet.
  • Gegründet wurde die Marienapotheke 1968 von Apotheker und Chemiker Dr. rer.nat. Albert Mehler und seiner Ehefrau Gerda. Seit 1988 ist Tochter Brigitte Mehler-Pfletscher Inhaberin.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.