"Eine Apotheke in Deutschland versorgt im Schnitt 4819 Menschen", titelte das Statistische Bundesamt im Juli 2024. Das entspricht auch in etwa dem Wert der Versorgung in Bayern. Mittlerweile hat sich der Schnitt wohl weiter verschlechtert: Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gab es zum Jahresende 2025 bundesweit 16.601 Apotheken – 440 weniger als Ende 2024. 502 Apothekenschließungen standen 62 Neueröffnungen im Laufe des Jahres 2025 gegenüber. Mittlerweile sei der niedrigste Stand an Apotheken seit fast 50 Jahren erreicht – 1977 gab es laut ABDA, deren Erhebungen auf den Zahlen der Landesapothekerkammern basiert, – in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken.
Wie sieht es im Landkreis Tirschenreuth aus? Haben in den vergangenen Monaten Apotheken geschlossen? Wie weit ist im Höchstfall eine Apotheke entfernt? Was, wenn man dringend ein Medikament braucht? Antworten dazu kann Christian Züllich geben: Er ist Pressesprecher der Bayerischen Landesapothekerkammer für den Kreis Tirschenreuth und Pharmazierat der Regierung der Oberpfalz.
"In Bärnau und Plößberg gibt es keine Apotheke mehr. In Tirschenreuth waren es mal vier, jetzt sind es nur noch drei", zählt Züllich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien auf. Letztendlich seien die Zahlen, die der Bayerische Apothekerverband zeichnet, auch auf den Landkreis Tirschenreuth zutreffend. "Meist fehlende wirtschaftliche Perspektive" nennt er als Grund, weshalb die Anzahl der Apotheken in der Nordoberpfalz innerhalb von zehn Jahren von 140 auf 114 gesunken ist. In der gesamten Oberpfalz seien in diesem Zeitraum "um die 60 untergegangen".
Nachwuchs wäre da
Der Nachwuchs wäre zwar da, meint Züllich, "aber der geht nicht in einen Bereich, in dem er kein Geld mehr verdienen kann". Wie der Inhaber der Stadtapotheke in Tirschenreuth erklärt, verdienten Apotheken an verschreibungspflichtigen Arzneimitteln – und deren Fixum sei seit 2013 nicht mehr angehoben worden. "Alle anderen Preise steigen", sagt Züllich und nennt etwa die Personalkosten. "Es ist eine große Enttäuschung, dass das, was im Koalitionsvertrag steht, nicht umgesetzt wird", betont er und meint damit die in Aussicht gestellte Anhebung des Fixums. Dieses Vorhaben muss allerdings laut Bundesgesundheitsministerium "aufgrund der derzeit wirtschaftlich massiv angespannten Lage" der gesetzlichen Krankenversicherungen "aktuell noch zurückstehen", wie es im September 2025 hieß.
„Verursacher der vielen Apothekenschließungen ist allein die Politik, die seit mehr als einem Jahrzehnt das Apothekenhonorar nicht erhöht hat, während Inflation und Lohnsteigerung die Betriebsergebnisse der Apotheken von Jahr zu Jahr mehr belasten“, wird ABDA-Präsident Thomas Preis in der Mitteilung der Bundesvereinigung vom Januar 2026 zitiert. Damit bestätigt dieser die Aussagen Züllichs über das Fixum und die Personalkosten.
ABDA-Präsident Preis fordert, dass die Bundesregierung "jetzt unverzüglich ihren eigenen Koalitionsvertrag umsetzen" muss, in dem die Honorarerhöhung klar formuliert ist. Dann könnten sich die Apotheken wieder stabilisieren und neu aufstellen. "Mit unserem Positionspapier ‚In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke‘ haben wir längst Vorschläge gemacht, wie der Weg nach vorne aussehen kann.“ In diesem Papier wird vorgeschlagen, die Kernaufgabe der Apotheken, also die sichere und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung, durch weitere Versorgungsleistungen zu ergänzen oder auszuweiten.
Dessen Ziele seien schnellere Arzneimittelversorgung ohne Umwege (schnellere Versorgung mit Arzneimitteln), Prävention und Früherkennung direkt vor Ort (mehr Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen in Apotheken) sowie mehr Unterstützung für eine sichere Arzneimitteltherapie (weitergehende Unterstützungs- und Betreuungsangebote für die richtige Arzneimittelanwendung).
"Schneller als das Internet"
Weil eben immer mehr Apotheken schließen, werden auch die Entfernungen zur nächsten immer größer. "Wir haben auch überlegt, was man anbieten kann", erzählt Züllich. Etwa könne man E-Rezepte via App zur Apotheke schicken und der Patient bekommt dann eine Rückmeldung, ob das Medikament da ist. So müsse sich der Kunde nur einmal auf den Weg machen. Viele Apotheken würden außerdem schon Botendienste anbieten. "Inzwischen sind auch ganz viele Senioren mit dem Smartphone unterwegs", weiß der Pharmazierat und widerlegt das Argument, dass nur Jüngere von einer App-Lösung profitieren würden.
"Wir kennen unsere Kunden, wir wissen, was sie brauchen", sieht Züllich den Vorteil der Apotheken vor Ort. "Wir sind schneller als das Internet", sagt er mit Blick auf die Online-Angebote. Der Versandhandel könne zwar einiges abdecken, "aber in Krisenzeiten wird die Versorgung wieder wichtig".















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