Immer weniger Berufsschulen: Der lange Weg für Land-Azubis

In jeder Kleinstadt lässt sich heute ein BWL-Bachelor erwerben. Aber wehe man möchte Landschaftsgärtner werden. Dann kann man sich auf lange Reisen zur Berufsschule einstellen. Wieso ist das so?

Maximilian Ehinger hat Spaß an der Gestaltung und an seiner Arbeit im Grünen. Weniger glücklich ist er über den langen Weg zur Berufsschule.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Andreas Ehinger will nicht meckern, nur fragen: "Alle reden vom Fachkräftemangel im Handwerk", sagt der Vater von Landschaftsgärtner-Azubi Maximilian, "dann sollte man über die Schwierigkeiten von Azubis nachdenken, in die Berufsschule am anderen Ende Bayerns zu kommen." Sicher, jeder kennt die Geschichte vom Großvater, der im Winter 20 Kilometer zur Schule marschieren musste. Kein Vergleich. Dennoch: Das Handwerk hat Nachwuchsmangel, es beklagt den anhaltenden Trend zu Abitur und Hochschule. Ist es da nicht angesagt, den Wettbewerb anzunehmen und sich für wohnortnahe Standorte auch von Berufsschulen einzusetzen?

Die Berufsschule für Landschaftsgärtner befindet sich im 230 Kilometer entfernten Höchstädt an der Donau. Der 18-jährige Maximilian hat die Wahl: "Anfangs bin ich mit dem Zug gefahren", erzählt er, "das dauert dreieinhalb Stunden - wenn der Zug pünktlich ist." Inzwischen hat er seinen Führerschein, fährt mit dem Auto. "Irgendwann hat man die ewigen Verspätungen satt", kann er der Bahn kein gutes Zeugnis ausstellen, "Abfahrt in Nürnberg um 3.30 Uhr mit halber Stunde Verspätung, dann bekommt man in Donauwörth keinen Anschluss nach Höchstädt - also von Günzburg mit dem Taxi für 70 Euro."

Die Bahn ersetzt in solchen Fällen die Mehrkosten: "Aber es ist ein riesiger Aufwand und dauert vier Monate." So lange bleibt der Junior auf seinen Kosten sitzen. Bei 520 Euro netto im ersten Lehrjahr kein Pappenstiel. Auch die regulären Fahrtkosten werden ersetzt, aber auch das ist nicht ganz unkompliziert: "430 Euro im Jahr muss ich selber bezahlen, wenn man darüber kommt, wird es erstattet." 1300 Euro kosten die Fahrten reell, die Maximilian vorstreckt: "Im Landratsamt Tirschenreuth wurde wenigstens halbjährig abgerechnet, in Neustadt nur jährlich."

Ehinger Senior macht sich oft einfach Sorgen um seinen Jungen: "Mal kommt der Alex, mal nicht, mal funktioniert es mit dem Schienenersatzverkehr, mal nicht." Wenn's hochkommt, seien die Anreisen bisher viermal normal verlaufen, ansonsten immer mit Verspätung. "Als er wieder einmal erst mitten in der Nacht ankam, musste ich telefonisch jemanden im Wohnheim erwischen, damit er überhaupt reinkam."

Im zweiten Lehrjahr muss Maximilian sechs Blöcke à zwei Wochen absolvieren. "Meine Mitschüler kommen aus ganz Bayern", sagt Maximilian, "ich bin der einzige aus der Oberpfalz." Die Schule müsse ja nicht direkt vor der Haustüre sein, findet Vater Ehinger, aber wenigstens im Bezirk. "Die Bauhandwerker müssen nach Wetzendorf, die Metzger nach Sulzbach - die Anforderungen an die jungen Leute wachsen", sagt der Neustädter.

Dabei zögen die Handwerksbetriebe im Wettbewerb mit Büro oder Studium oft den Kürzeren: "Ich finde, das Handwerk muss gestärkt werden." Aber während Hochschulen immer dezentraler verteilt werden, OTH-Lernorte sogar aufs Dorf kämen, würden Berufsschulen weiter zentralisiert. "Vor 20 Jahren konnten die Landschaftsgärtner noch in Weiden bleiben", erinnert Ehinger.

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