Weniger Live-Fußball in Oberpfälzer Kneipen: Wirte kündigen Sky

In immer weniger Oberpfälzer Kneipen und Gaststätten können Fußball-Fans ihre Mannschaften anfeuern. Für viele Wirte lohnt sich ein Sky-Abo kaum noch.

Fußballfans schauen zusammen in einer Kneipe ein Spiel an.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Fragt man fünf Oberpfälzer Wirte, wie zufrieden sie mit ihrem Sky-Abo sind, erklären drei, sie hätten ihre Verträge bereits gekündigt - einer spielt mit dem Gedanken, einer verhandelt noch. Wie viele Oberpfälzer Gaststätten Sky beziehen und wie viele gekündigt haben, bleibt allerdings ein Geheimnis: Sky möchte die Zahlen nicht veröffentlichen. "Ich kann sagen, dass die Loyalität unserer Gastronomiekunden das höchste Gut ist", so Sky-Sprecher Jens Bohl.

Jene Loyalität allerdings wird von den steigenden Preisen auf eine harte Probe gestellt: Im Juni 2016 kostete ein Monat Sky maximal 1499 Euro (für Gaststätten mit mehr als 201 Quadratmetern), für bis zu 35 Quadratmeter Fläche zahlte der Wirt maximal 469 Euro.

"Nebulöse" Preise

Inzwischen liegen die Maximal-Preise zwischen 509 Euro und 1645 Euro. "Unser Vertrag wurde alle zwei Jahre teurer", beklagt Patrick Glaser vom Gasthof Alte Post in Freihung. Deshalb hat er zum ersten August gekündigt. Ebenso Jürgen Füssl, Wirt aus "d'Wirtschaft" in Altenstadt. "Es war einfach zu teuer - und das trotz Sky-Sondervertrag", sagt Füssl. Acht Jahre lang war er Kunde. Als Sportheim mit angrenzendem Sportplatz konnte "d'Wirtschaft" einen extra Vertrag für Vereinsheime abschließen - günstiger, aber nicht günstig genug. "Zehntausend Halbe im Jahr hätte ich mehr verkaufen müssen, damit es sich gelohnt hätte."

Der Preis für ein Sky-Abo richtet sich in Gaststätten nach verschiedenen Faktoren, die für Unbeteiligte mehr oder weniger durchsichtig sind. So bestimmen zum Beispiel Kaufkraft und "Sportaffinität der Region", Bevölkerungsdichte und Größe des Gastraumes den Preis. Doch selbst mit Vereins-Tarif habe sich das Abo nicht gelohnt, rechnet Füssl aus. Während Sky-Sprecher Bohl erklärt, der Wert "Sportaffinität" berechne sich aus der Nähe zum nächsten Bundesliga- oder Zweitligaverein, nennt Matthias Artmeier die Preisberechnung "nebulös". "Wie daraus die Sportaffinität einer Region berechnet werden soll, ist mir ein Rätsel", sagt der Leiter der Oberpfälzer Geschäftsstelle des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Regensburg.

Was die steigenden Preise angeht, sieht Artmeier aber die Hintermänner des Fußballs in der Verantwortung. Die Preise für die Übertragungslizenzen würden nunmal steigen. "Wer die Lizenzen haben möchte, muss sie teuer bezahlen", so Artmeier. Einen kleinen Lichtblick gibt es für Gastronomen, die Dehoga-Mitglied sind: Einmal im Jahr bekommen Gaststätten dann eine Rückzahlung, die einen Teil der Kosten abdecken soll, wie Mathias Artmeier erklärt. "Bei Gaststätten mit weniger als 35 Quadratmetern beteiligt sich die Dehoga mit 245 Euro, für mehr als 200 Quadratmeter mit 800 Euro."

"Wir würden die Spiele gerne weiter zeigen - aber nicht für 3000 Euro im Jahr", sagt der Wirt Wilhelm Geiger. Seit neun Jahren schauen die Schwandorfer beim Kirchawirt Fußball. Trotz Fußball-Stammtisch sinke die Rentabilität, sobald ein Spiel auf den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wird. "Bei einem öffentlichen Spiel habe ich fünf bis zehn Besucher. Bei einem Spiel, das nur auf Sky läuft, sind es 70 oder 80."

Der Altenstädter Wirt Füssl berichtet ähnliches. Vor allem Raucher nutzten oftmals den "Heimvorteil" mit Balkon oder Terrasse, sagt er. Für den Freihunger Wirt Patrick Glaser komme noch dazu, dass lediglich die Bayern-Spiele wirklich gut besucht gewesen seien. "Hier am Dorf scheint die Bundesliga kaum zu interessieren." Fünf Jahre lang konnte man in der Alten Post in Echtzeit anfeuern, bangen und jubeln. Nun ist bald Schluss mit Live-Fußball.

Ein klares "Jein"

So endgültig möchten weder Athanasios Balkizas noch Stefan Friedl sich festlegen. Während Friedl ("349er" in Luhe) noch in Verhandlungen mit Sky steht, ist Balkizas, Inhaber des Bistropolis in der Schwandorfer Oberpfalzhalle, hin- und hergerissen. "Jein", antwortet er auf die Frage, ob es sich lohnt. "Während der Champions-League schon - während der restlichen Zeit eher nicht." Kurz vor dem Start der Bundesliga überlegt er noch. Bald muss er kündigen - oder verlängern.

Wenigstens jene rentablen Champions-League-Spiele bleiben für Sky-Bars und -Gaststätten erhalten: Wie der Sky-Sprecher Bohl betont, habe man bis 2021 eine Kooperation mit dem Sport-Streaming-Dienst Dazn vereinbart, die Sky die Übertragung aller Spiele der deutschen Mannschaften in der Champions-League sichert - und zwar ohne Konkurrenz der öffentlichen Fernsehsender.

Das Sky-Schild hängt zwar noch vor „d’Wirtschaft“, doch der Vertrag ist bereits gekündigt.

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