08.01.2019 - 15:26 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

127 Pfund Drogen für Prag

Zwei von ihnen müssen mit Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren rechnen. Der dritte Angeklagte kann früher seine Zelle verlassen. Vor dem Landgericht Amberg geht es um 127 Pfund Drogen, die für Tschechien bestimmt waren.

Symbolbild.
von Autor HOUProfil

Die Männer brachen am 18. April letzten Jahres in Holland auf, hatten Schwarzmarktfracht im Wert von mehreren hunderttausend Euro im Wagen. 20 Kilo Marihuana lagen im Kofferraum, 102 000 in Reisetaschen verstaute Ecstasy-Tabletten klemmten hinter den Rücksitzen. Sie brachten 87 Pfund auf die Polizeiwaage.

Reiner Zufall: Gegen 6 Uhr hatte die drei türkischen Männer den Grenzübergang bei Arnheim überquert, um 11.40 Uhr rasteten sie auf einem Autobahnparkplatz an der A6 im Kreis Amberg-Sulzbach. Dort fielen sie zwei uniformierten Polizeibeamten auf. Was folgte, war spektakulär: Einer der größten Drogenaufgriffe, die es jemals an dieser Fernstraße in Richtung Osten gab.

Bei den umfangreichen Ermittlungen stellte sich heraus: Zwei der Türken hatten ihren Wohnsitz in Rotterdam, der dritte war zuletzt in Izmir gemeldet. War da eine Bande am Werk, die auf eigene Rechnung diesen für die tschechische Hauptstadt Prag gedachten Transport ausführte? Die ermittelnde Staatsanwältin Christina Denk kam zu einem anderen Ergebnis:

Hier hatte man Kuriere entlarvt, die im Auftrag einer kriminellen Vereinigung auf Tour gingen.

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg gab es zum Prozessauftakt eine Art dreistündigen Debatten-Marathon, der sich Rechtsgespräch nannte und hinter verschlossenen Türen stattfand. Dann erfuhr die Öffentlichkeit: Für Geständnisse wurden den beiden Hautverdächtigen im Alter von 51 und 34 Jahren Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren zugesichert.

Die Angeklagten redeten lange mit ihren Verteidigern Helmut Mörtl (Regensburg), Jörg Jendricke und Michael Schüll (beide Amberg). Dann waren sie einverstanden und räumten über die Anwälte den Transport von Rotterdam nach Prag ein. Ihr in Aussicht gestellter Kurierlohn betrug jeweils 15 000 Euro. "Keine Angaben zu den Hintermännern", hieß es in den Erklärungen. Ferner: "Aus wirtschaftlicher Not heraus den Auftrag angenommen." Die Angst vor Repressalien durch die Drahtzieher wurde deutlich.

Und der dritte Mitfahrer? Der nach eigenen Angaben als Handyreparateur in Rotterdam arbeitende 32-Jährige will eher aus reiner Reiselust die Fahrt nach Tschechien mit angetreten und von der heißen Fracht erst im Auto etwas mitbekommen haben. Das Gegenteil wird schwer beweisbar sein. Für sein Geständnis hat er jetzt zwischen zwei und zweieinhalb Jahren Gefängnis zu erwarten.

Bei zwei der Beschuldigten könnte es zur Einweisung in die Drogentherapie kommen. Die Analysen entnommener Haarproben bei ihnen ergaben, dass sie Rauschgiftkonsumenten sind. In solchen Fällen stellen oberste deutsche Bundesrichter den Entzug vor einen Haftaufenthalt.

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