09.05.2019 - 19:16 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Anwältin verzockt Mandantengelder in Casinos

Sie trinkt und geht in Spielcasinos. Dabei verpulvert die Rechtsanwältin nahezu 100.000 Euro, die eigentlich als bei Zivilprozessen erstrittene Zahlungen für 21 ihrer Mandanten gedacht waren. Ins Gefängnis muss die 54-Jährige nicht.

Die Anwältin hat viel Geld in Casinos gelassen.
von Autor HOUProfil

Die Anwältin aus dem Kreis Schwandorf hatte einen guten Ruf und deshalb viel Arbeit in ihrer Kanzlei. Doch irgendwann ab 2014 wuchs ihr diese Tätigkeit über den Kopf. Ein Workaholic im Büro, zuletzt ganz allein und ohne Schreibkraft. Da begann die Frau zu trinken. Drei Flaschen Wein bei der Arbeit bis in die Nacht hinein.

Danach suchte sie Entspannung in tschechischen Spielcasinos. Gewinne gerieten zur Rarität. Die 54-Jährige verlor mehr und mehr. Zum Schluss ihre renommierte Existenz. "Alkohol, Zocken und kein Ende", sagte sie jetzt.

Die verprassten Gelder gehörten ihr nicht. Die Rechtsanwältin griff Konten an, auf denen rund 100 000 Euro lagen, die sie für 21 ihrer Mandanten bei Zivilprozessen erstritten hatte. Versicherungen hatten Unfallschäden überwiesen, bei Verhandlungen unterlegene Firmen zahlten und Kundenforderungen trafen nach Urteilen der Justiz ein. In einem Fall sogar 36 000 Euro.

Als schließlich fünf Mandanten Anzeige erstattet hatten, kam die Kripo. Deren Betrugsfahnder trafen auf eine Frau, die sofort reinen Tisch machte und 21 Geschädigte nannte. Das wurde ihr jetzt angerechnet. Außerdem bekam die Juristin Pluspunkte vor dem Amberger Landgericht, weil sie im Jahr 2017 einen finalen Schlussstrich zog: Schließung ihrer Kanzlei, Rückgabe der Zulassung, Antritt einer Alkoholtherapie.

Der Prozess vor der Ersten Strafkammer dauerte nur fünf Stunden. Keine Zeugen, umfangreiches Geständnis. Menschliche Tragödie einerseits. Doch auf der anderen Seite "nicht hinnehmbar, weil sie ein Organ der Rechtspflege war, der man Vertrauen entgegenbrachte", wie Staatsanwalt Oliver Wagner argumentierte.

Wagners Antrag auf zwei Jahre Haft mit Bewährung entsprach dem Urteil der Strafkammer. Die Richter ordneten eine Unterbringung in geschlossener Alkoholtherapie zwar an, setzten sie aber zur Bewährung aus. Der Grund: Die 54-Jährige befindet sich unterdessen in einer ambulanten Entzugsmaßnahme "Mit großer Erfolgsaussicht", wie eine medizinische Sachverständige attestierte und ergänzte: "Sie ist weitgehend trocken". Künftige Griffe zur Weinflasche und Aufenthalte in Spielhallen wurden der Ex-Anwältin durch das Gericht verboten.

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