11.12.2020 - 15:16 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Apotheken befürchten Ansturm: FFP-2-Gratismasken erst ab Dienstag

Eine Informationspanne löst einen Ansturm auf Apotheken aus: Nach Jens Spahns Ankündigung wollten sich viele Senioren und Risikopatienten eine kostenlose FFP-2-Maske abholen. Die gibt's aber frühestens ab Dienstag.

Christian Züllich hat in seiner Apotheke auf einer Videowand eigens einen Hinweis eingerichtet, um seine Kunden direkt zu informieren, dass es die kostenlosen Masken erst nächste Woche gibt.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Tirschenreuther Apotheker Christian Züllich hatte am Donnerstag alle Hände voll zu tun, um verärgerten Kunden klarzumachen: "Die kostenlosen FFP-2-Masken für die über 60-Jährigen und Risikopatienten gibt es erst ab 15. Dezember."

Verordnung noch nicht erlassen

Mit dem dritten Bevölkerungsschutzgesetz wurde die Grundlage geschaffen, bestimmten Risikogruppen einen Rechtsanspruch auf Versorgung mit Schutzmasken einzuräumen: "Diese Rechtsverordnung wurde aber bislang noch nicht erlassen", informiert Züllich. Er gehe davon aus, dass bis Montag letzte Fragen zur Durchführung geklärt seien und die notwendige Veröffentlichung im Bundesanzeiger erfolge. "Dann kann es am Dienstag losgehen."

Ursprünglich war die Ausgabe der Masken für Januar geplant. "Wegen der Zuspitzung der Coronalage wollte der Gesundheitsminister das unbedingt vorziehen", erklärt der Pressesprecher der Bayerischen Landesapothekerkammer für den Kreis Tirschenreuth. Menschen ab 60 oder mit Vorerkrankungen sollen zunächst drei der gut schützenden FFP-2-Masken erhalten. Im Januar dann auf Bezugsschein der Krankenkasse noch einmal zwölf, die bis März reichen sollten.

Verteilung über Ministerium zu kompliziert

Die Apotheken müssten sich selbst mit Masken eindecken, Kauf und Verteilung über das Ministerium würde viel zu lange dauern. Entlohnt würden die Apotheken pauschal über den Nacht- und Notdienstfonds. "Wie die Vergütung genau aussehen wird, darüber wird noch verhandelt", sagt Züllich, der seinen Vorrat auf einige Tausend Stück nach deutschem Standard und europäischer Norm aufgestockt hat.

Der Pharmazierat der Regierung der Oberpfalz appelliert an die Kunden: "Jeder sollte in seine Stammapotheke gehen, wo man bekannt ist und Kundendaten hinterlegt sind." Im Zweifel bekommen Senioren gegen Vorlage des Ausweises ihre Masken. "Unter Hygiene-Aspekten kann ich nur dringend empfehlen, dass nicht alle gleich am Dienstag loslaufen - wir haben auch noch die normale Versorgung, ansonsten bilden sich wegen der Zugangsbeschränkung lange Schlangen." Es gebe genügend Masken und man habe Zeit bis zum 31. Dezember, diese abzuholen.

Amberg: Schlaflose Nächte vor Dienstag

Charlotte Ackermann-Strobl, Miteigentümerin der Käfer-Apotheken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg kennt das Dilemma: "Leute fragten ab vergangener Woche nach den Masken, wir haben deshalb schon Plakate gemacht." Schlaflose Nächte bereite ihr der mutmaßliche Ausgabetermin am Dienstag dennoch: "Ich erwarte große Schlangen." Auch sie appelliert an die Bezugsberechtigten, ihre Stamm-Apotheke aufzusuchen. "Wir werden die Ausgabe großzügig handhaben, und hoffe nicht, dass wir dafür bestraft werden."

Die EU-zertifizierten FFP-2-Masken hielten Aerosole deutlich besser ab als Alltagsmasken: "Sie muss aber ordentlich sitzen, durch Anwendungsfehler nimmt der Schutz ab." Auf alle Fälle bekomme man nicht die volle Virenlast ab, die häufig zu schweren Verläufen führe. "Die Maske verliert ihre Filterwirkung, wenn sie feucht wird." Dann müsse man sie ein paar Stunden bei Zimmertemperatur trocknen lassen. "In der Regel setzt man sie mal für eine Stunde im Supermarkt oder bei Besuchen auf." Mit den 15 Masken könne man problemlos bis März auskommen.

Weiden: "Warten auf Richtlinien von oben"

"Wir haben angefangen zu bestellen", sagt die Apothekerin im Weidener Ärztehaus, "müssen aber sicher noch nachordern." Aufgrund der großen Verfügbarkeit erwarte sie keinen Engpass.

Allerdings erhofft sie sich bis Montag noch klare Richtlinien "von oben, nach welchen Richtlinien die Verteilung erfolgen soll".

Nabburg: "Bedarf wird sich verzehnfachen"

Leicht verärgert zeigt sich Katrin Duschner, Chefin der Nabburger Paracelsus-Apotheke: "Seit gestern verzeichnen wir eine große Nachfrage, wissen aber selbst nicht, wie wir die Ausgabe abrechnen sollen." Der Bedarf werde sich nach ihrer Einschätzung verzehnfachen.

Sie werde erst bestellen, wenn die genauen Kriterien für die Ausgabe bekannt gemacht würden. "Ich finde es gut, dass man die Maske kostenlos bekommt", sagt Duschner, "aber mein Hauptproblem ist, so viele Masken herzubekommen." Es werde so viel bestellt, dass sich die Lieferzeiten verlängerten.

Infos zur Coronalage in der nördlichen Oberpfalz finden Sie in unserem Newsblog

Oberpfalz
Info:

Wer bekommt die kostenlosen Masken?

Laut Referentenentwurf erhalten die FFP2-Masken

  • Menschen ab 60,
  • Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung,
  • Asthma bronchiale,
  • chronischer Herz- oder Niereninsuffizienz,
  • zerebrovaskuläre Erkrankung wie Schlaganfall,
  • Diabetes mellitus Typ 2,
  • fortschreitender Krebserkrankung,
  • einer Therapie, die die Immunabwehr beeinträchtigen,
  • Risikoschwangerschaft.

 

 

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