04.03.2020 - 21:08 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Barbara Meier und die Näherinnen in Bangladesch

Barbara Meier ist seit 2017 „Botschafterin für faire Kleidung“. Entwicklungsminister Müller engagierte das Topmodel aus der Oberpfalz, um dem Thema Fair Fashion die nötige Aufmerksamkeit zu geben.

von Christa VoglProfil

„Ich lernte Entwicklungsminister Müller 2016 beim Zukunftskongress in München kennen, wo ich als WWF-Botschafterin unterwegs war“, erzählt Topmodel, Schauspielerin und Autorin Barbara Meier. „Eigentlich wollte ich mit ihm bei diesem Treffen über das Plastikproblem in unseren Meeren sprechen.“ Doch das Gespräch entwickelt sich anders als von Meier ursprünglich geplant: Denn auch der Minister hat ein Anliegen und will die Zusammenkunft mit ihr nutzen – nämlich um sich mit dem Topmodel über Fair Fashion, also fair produzierte Mode zu unterhalten.

Während ihres Gesprächs kommt der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sehr schnell zu sprechen auf die oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, unter denen Mode in den Entwicklungs- und Schwellenländern produziert wird. Und in diesem Zusammenhang spricht er auch über das Unglück, bei dem 2013 in Bangladesch über 1000 Frauen in einer brennenden Näherei qualvoll ums Leben kamen. Barbara Meier ist vom ersten Moment an gefesselt und auch berührt von der Thematik. „Mir waren zu diesem Zeitpunkt die vielen Missstände in der Textilindustrie einfach nicht bewusst“, erklärt Meier.

Meier vom "Grünen Knopf" überzeugt

Aber was bedeutet eigentlich Fair Fashion? Faire Mode ist Mode, die nach fairen und ökologisch korrekten Produktionsbedingungen hergestellt wird. Grundsätzlich gilt: Kleidung ist dann fair, wenn die Menschen, die sie herstellen, selbstbestimmt agieren, grundlegende Rechte haben, von ihrer Arbeit leben können und durch diese Arbeit keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Oder, um nur einige Kriterien zu nennen: keine Kinderarbeit, geregelte Arbeitszeiten, keine Diskriminierung, Vermeidung kritischer Chemikalien, Einsatz von ungiftigen Farben, faire Bezahlung.

Nach dem Gespräch ist Barbara Meier fest entschlossen, sich auf diesem Gebiet zu engagieren und dazu auch ihre Bekanntheit zu nutzen. Ohne Zögern sagt sie dann auch zu, als ihr vom Ministerium der Vorschlag gemacht wird, ab 2017 auf ehrenamtlicher Basis als Botschafterin für faire Mode tätig zu sein. Im September 2019 stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Antwort auf die gefährlichen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Ländern wie beispielsweise Indien, Bangladesch und Pakistan das Siegel „Der Grüne Knopf“ vor. Der dazugehörige Slogan: Wir alle tragen Verantwortung für die Menschen, die unsere Kleidung herstellen.

Kritik am Grünen Knopf kommt von einigen Nichtregierungsorganisationen (NGO). Sie bemängeln beispielsweise, dass der vom neuen Siegel geforderte Mindestlohn oft nicht ausreichend sei für ein Leben in Würde und dass der Grüne Knopf nicht alle Arbeitsschritte – vom Baumwollfeld bis zur Näherei – abdeckt. Im Klartext: nach wie vor sei es möglich, dass auf den Anbaufeldern Kinder arbeiten, dass dort keine fairen Löhne bezahlt werden, dass ohne Schutz mit giftigen Chemikalien hantiert wird, dass es keine klaren Arbeitszeitregelungen gibt. Doch Meier ist vom neuen Nachhaltigkeitssiegel überzeugt und gibt sich zuversichtlich. „Der Grüne Knopf befindet sich in einer Entwicklungsphase und wird ständig weiter verbessert.“

Kleidung der Promis meist geliehen

Es ist kein Geheimnis, dass sich Mode zum Wegwerfartikel entwickelt hat. Erst im Oktober 2019 berichtete ZDF darüber, dass hier eine Wegwerfmentalität entstanden ist und belegt dies auch mit Zahlen: Durchschnittlich 60 Teile kauft jede(r) Deutsche pro Jahr und wirft genauso viele wieder weg - vier Mal so viel wie noch vor 20 Jahren. Der Trend geht eindeutig zur „Fast Fashion“. „Kleidung wertzuschätzen und lange zu tragen ist eigentlich die Grundlage, wenn wir diesen Konsumwahnsinn wieder eindämmen wollen. Denn die Macht liegt beim Verbraucher“, ist das Starmodel, das im Sommer zum ersten Mal Mutter wird, überzeugt. „Vielleicht wäre es ein erster Schritt, jungen Menschen bewusst zu machen, dass die Kleidung bei Models, Influencern oder Promis meistens geliehen ist und wir privat unsere Outfits auch viele Male tragen und nicht jeden Tag etwas Neues kaufen.“ Dass sie durch ihre Tätigkeit eine veränderte Sichtweise auf ihren eigenen Konsum bekommen hat, gibt sie offen zu. Privat hat sich Barbara Meier das Ziel gesetzt, in ihrem Kleiderschrank einen Anteil von 20% fair produzierter Kleidung zu erreichen. „Ich denke, niemand muss sich radikal verändern und sofort 100% anstreben. Das bringt nur Verdruss, wenn es nicht klappt. Wenn ich die 20% erreicht habe, dann kommt der nächste Schritt.“

Bleibt noch die Frage, warum beispielsweise nach der Katastrophe 2013 in Bangladesch so viele Jahre ins Land gehen mussten, bis endlich etwas in Bewegung gerät. Und warum es so einfach möglich ist, dass sich internationale Konzerne ihrer Verantwortung für die Menschen, die sie beschäftigen, entziehen. Aber darauf hat Barbara Meier leider auch keine Antwort.

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