27.04.2020 - 14:56 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Besuch vom Musik-Olymp

„Vollendet ist das große Werk“: Die Botschaft der 32 Klaviersonaten Beethovens, im Theater, es war schon zu Zeiten des Komponisten (1803) in die einstige Franziskanerkirche eingebaut, vermittelt von dem sorgsam vorbereiteten Herbert Schuch.

Der Komponist im Alter von 34 Jahren. Portrait von Joseph Willibrord Mähler.
von Peter K. DonhauserProfil
Beethoven in der Oberpfalz: Die Büste wurde 1866 unter Anwesenheit von Ludwig II.in den "Ruhmestempel" aufgenommen.

Das Projekt erwies sich als Glückstreffer für das Kulturleben der Stadt, der seinesgleichen sucht. Zu seinem 250. Geburtsjahr konnten wir in die Gedanken- und Gefühlswelt Beethovens eintauchen, der sich in den Klaviersonaten wie ein konzentriertes Destillat präsentiert. Faszinierend die Begegnung mit solcher Geistesgröße! Dabei verläuft die Entwicklung des „Ludwig van“ alles andere als geradlinig: Er wächst ohne klassische Schulbildung oder Universitätsstudium auf, in schwierigen familiären Verhältnissen, sein Leben verläuft mit unzähligen Brüchen, Rückschlägen und Krisen, besonders tragisch ist der fortschreitende Verlust des Gehörs.

Nicht-verkopfte Kopfmusik

So sind die drei letzten Sonaten opp. 109, 110, 111 von 1821/22 reine „Kopfmusik“. Gerade die letzte Sonate wirkt wie ein „Ende auf Nimmerwiederkehr“ (Wendell Kretschmar in „Doktor Faustus“), Triller und Ostinati spannen eine geradezu kosmisch-unendliche Klangsphäre auf, da klingt schon Musik aus einer anderen Welt herüber. Dank der überlegenen Spieltechnik von Herbert Schuch - und das auswendig vor laufender Kamera - vermittelt sie eine geistige, von Materie gelöste Sphäre. Chapeau!

Transzendente Klänge

Nicht minder überzeugend – trotz der ungewöhnlichen Situation eines „Geisterkonzerts“ vor leeren Rängen – schärft Schuch die auf schroffe Kontraste angelegte E-Dur-Sonate Nr. 30. Bei der As-Dur-Sonate Nr. 31 gelingt ihm eine alles überblickende Darstellung wie aus Vogelperspektive. Er profiliert die vokalen Gattungen wie Rezitativ und Arioso (die Nähe zur „Missa Solemnis“ lässt grüßen) und die instrumentalen, die beiden Fugen, mit Thema original und umgekehrt, ein hochachtungsvoller Rückbezug auf Bach. Auch der Finalsatz, eines der kühnsten Form-Experimente Beethovens bleibt eine Einheit und zerfällt nicht in sechs Abschnitts-Trümmer.

Was können wir von dem Klavierzyklus mitnehmen? Die Erfahrung, dass der Mensch mehr ist als ein Kosten-Nutzen-Faktor. Die Erfahrung, warum Beethovens Denken und Fühlen, seine Visionen und Utopien Spieler, Hörer und Komponisten bis ins Jahr 2020 bewegen und inspirieren. Die Berührung mit dem Humanisten Beethoven, dem Anhänger der Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ – wie aktuell, wie fern: „Alle Menschen werden Brüder“ (Friedrich Schiller).

Neues Konzert-Format

Alles andere als Alltagsgeschäft erweist sich für OTV die Übertragung eines klassischen Klavierabends: Ohne Moderation startet die Wiedergabe abrupt, die ersten beiden Sonaten sind zu nahtlos ohne Punkt und Komma aneinander gefügt. Harte unvermittelte Schnitte zur lautstark ausgesteuerten Werbung. Wegen der Kameras Ausrichtung des Flügels zum Bühnenraum, die Mikrofone im Instrument postiert, so entsteht leider ein staubtrockener „Wohnzimmer-Klang“ ohne Raumdarstellung. Gelungen das zwischen dem Leiter des Kulturreferats Dr. Fabian Kern und Herbert Schuch gewandt und kundig geführte Pausen-Gespräch. Großartig die Idee, dieses achte Konzert nicht ausfallen zu lassen, nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben. Dennoch: Die Vorfreude auf baldige Live-Aufführungen auf Amberger Podien dürfte gewachsen sein.

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