17.04.2019 - 17:25 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Betrugstour quer durch die Oberpfalz

Zwei junge Männer geben sich als nahe Verwandte namhafter Unternehmer aus und gehen auf Beutezug quer durch die Oberpfalz. Sie sacken Handys, Tablets, Fernseher und Motorsägen im Wert von fast 90.000 Euro auf Rechnung ein. Jetzt sind sie verurteilt worden.

Als die dreiste Betrugsserie der Angeklagten noch auf vollen Touren lief, beendete die Polizei das Treiben. Der Grund: Einer der Täter zeigte sich selbst bei der Polizei an.
von Autor HWOProfil

Prozesstage vor dem Amberger Landgericht, denen es an Unterhaltung nicht mangelte. Mit zwei einst ziemlich besten Freunden auf der Anklagebank. Heute reden der 28-jährige Amberger und sein Ex-Kumpel, ein mehrfach vorbestrafter und momentan hinter Gittern sitzender 23 Jahre alter Serienbetrüger aus dem Kreis Schwandorf, nicht mehr miteinander.

Der 23-Jährige ist chronisch spielsüchtig und brauchte Geld für seine Besuche in Casinos. Der andere bezeichnete sich jetzt als Mitläufer, der auch schon mal durch seinen damaligen Freund mit Rachemaßnahmen der Rockergang Hells Angels bedroht worden sei, wenn er nicht mitmache. Also will er hingegangen sein und alles, was ihm sein Kumpel vorher auf einen Zettel geschrieben hatte, in Geschäften vorgetragen haben. Mit schier unfassbarem Erfolg und der Frage: Wieso bekam er haufenweise Neuware auf Rechnung mit, ohne konkret nach seiner Identität gefragt zu werden? "Es wurde ihnen auch wirklich leicht gemacht", beschrieb einer der Verteidiger die Situation.

Die Vorgehensweise des Duos war unglaublich. Der 23-Jährige rief vorher in den Läden an und gab sich als naher Verwandter namhafter Unternehmer aus. Dabei wurde auch ein bayernweit bekannter Autoverleiher bemüht.

Alles "redlich geteilt"

Dann kam es zu Bestellungen von Smartphones, I-Phones, Tablets, Fernsehern, Rädern und Motorsägen. Nicht lange darauf erschien der 28-jährige Amberger und holte die Waren ab. Sie wurden später bei einem Schwandorfer Geschäftsmann und über Internet verhökert. Für einige Tausender. Kein Vergleich zum Gesamtwert von annähernd 90 000 Euro. Allerdings: "Mir hat er nur Spritgeld und ein paar kleinere Scheine gegeben", ließ der 28-Jährige wissen. Entrüstung beim anderen: "Es wurde alles redlich geteilt." Die Tatorte zogen sich quer durch die Oberpfalz: Regensburg, Wackersdorf, Amberg, Trausnitz, Willmering, Schwandorf, Pfreimd. Ganz besonders war ein Chamer Elektronikmarkt betroffen. Dort sprach der angebliche Enkel des prominenten Autoverleihers in einer Woche sieben Mal vor und bekam Sachen im Wert von nahezu 50 000 Euro mit auf den Weg. Man freute sich offenbar über den Kunden mit wohlklingendem Namen.

Selbst angezeigt

Interessant: Als die Betrugsserie heftig am Laufen war, ging der 28-Jährige zur Polizei und erstattete Selbstanzeige. Während die Kripo ermittelte, setzte sich das Treiben aber unverdrossen fort. "Weil man halt Geld braucht, wenn einen die Spielsucht treibt", sagte der eine. Vom anderen hörten die Richter: "Er hat nie Ruhe gegeben und mir einfach keine Wahl gelassen."

Der Amberger kam, weil bisher eher unwesentlich vorbestraft, mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon. Den zweiten Angeklagten traf es ungleich härter: Als Betrüger, der gegenwärtig noch über ein Jahr in Jugendhaft zubringen muss, hat er anschließend drei Jahre in einem Gefängnis für Erwachsene abzusitzen. Eine Therapie gegen die Spielleidenschaft will er machen. Und auch ansonsten, wie der 23-Jährige ankündigte, "fortan anständig leben."

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