Amberg
08.06.2018 - 14:54 Uhr

Bewegung im Statischen

Erich Spahn hält mit der Linse fest, was wir im Vorbeirauschen optisch wahrnehmen. Die neue Moderne der Fotografie heißt Bewegungsunschärfe.

Sakrale Elemente der Architektur aus aller Welt sind Motive der Ausstellung von Erich Spahn. Dagmar Williamson
Sakrale Elemente der Architektur aus aller Welt sind Motive der Ausstellung von Erich Spahn.

Amberg.Seine Fotografien wirken psychedelisch. Obwohl der Fotograf behauptet, die sakralen Motive wären ohne Absicht entstanden, so kann er nicht leugnen, dass diese eine große, natürliche Anziehungskraft auf ihn haben. 1957 geboren und aufgewachsen in Weiden habe ihn der katholische Glaube selbstverständlich geprägt - aufhalten ließ sich Spahn jedoch nicht, seinem wachsenden Interesse an anderen Konfessionen und deren darstellende Architektur nachzugehen. Über fünfzig Länder bereiste der Fotograf.

Nepal, Indien, Türkei

In den vergangenen drei Jahren entstanden die 18 Exponate unter anderem in Nepal, Polen, Namibia, Indien oder in der Türkei. Symbole der Buddhisten, Orthodoxen oder des Islam werden in Nahaufnahme abgelichtet. Die Besonderheit liegt in der Technik. Gezielte, aber ruckartige Bewegungen seines Selbst führen zur Unschärfe im Objekt. Er nutzt lange Belichtungszeiten und bringt den Fokus auf das Wesentliche - der Ort ist dabei unerheblich.

Unabhängig von den ausgestellten Werken, ist es Erich Spahn ein Anliegen, die Wahrnehmung dieser Kunst auf das Weite zu richten. "Wenn ich reise und fotografiere, dann bin ich der Fremde in einem Land." In seine Heimat bringt er die Welt mit. Ausschnitte dessen, was er erlebt und was ihn emotional bewegt. Er sei immer freundlich und mit offenen Armen empfangen worden - diese Gesten wünscht er sich auch hier. Seine vielen Ausstellungen vor Ort bringen immerhin Liebhaber der Fotografie aus ganz Bayern ins Gespräch. "Das Weltbild Spahns ist universell", sagt Laudator Marcus Spangenberg. Der Vorstandsvorsitzende der Regensburger Kulturstiftung hebt die große Kunst des Weglassens hervor - gleichzeitig gelinge es Spahn aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, auch den Zufall des Aufnahmeprozesses zuzulassen.

Dynamik und Mystisches

Flüchtige Augenblicke wollen festgehalten werden, aber die dabei entstandene Unschärfe ist oft unerwünscht. Dennoch hat sie ihren Reiz. Hier wird Dynamik und Mystisches vermittelt. Durch das Mitziehen der Kamera vermittelt Erich Spahn dem Betrachter einen Mehrwert. Die entstandenen Farben und Lichter erwecken den Augenblick des Umdrehens beim Betrachten.

Spahn gehört zu den besten Fotografen im Freistaat. Seine Werke in Sammlungen findet man in der Bibliothèque National in Paris oder bei der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Zahlreiche Einzelausstellungen und Beteiligungen an Vernissagen in Houston, Paris, Regensburg, Bonn oder Frankfurt sind in seiner Vita zu verzeichnen.

Info:

Ausstellung: Erich Spahn: „Fotografie bewegt“. Bis 26. August.

Ort: Stadtgalerie Alte Feuerwache im Stadtmuseum Amberg, Zeughausstraße 18, 92224 Amberg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11–16 Uhr, Samstag/ Sonntag 11–17 Uhr.

Kontakt: Telefon 09621/101284

Weitere Informationen:

www.erich-spahn.de

www.stadtmuseum-amberg.de

 
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