11.01.2019 - 08:39 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Ein Bild stößt auf Ablehnung

Eine Art Paradiesvogel auf unserer Titelseite. Ob Mann oder Frau, wer weiß es genau? Einem Leser geht das gehörig gegen den Strich. Wegen des Fotos denkt er sogar darüber nach, sein Abo zu kündigen.

Der Stein des Anstoßes.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

"Bitte veröffentlichen Sie nicht nochmal so einen Menschen auf der 1. Seite", hieß es in der Mail von Hans R. an die Redaktion. Bei solchen Worten, das gebe ich offen zu, fällt es auch einem Leseranwalt nicht leicht, Emotionen außen vor zu lassen. "Sie üben Kritik, was als Abonnent Ihr gutes Recht ist", antwortete ich dem Leser, machte jedoch zugleich deutlich: "In diesem Fall tue ich mich aber schwer, diese Art von Kritik zu verstehen."

Ich erwähnte im Schreiben an Hans R. ein Zitat des österreichischen Journalistenkollegen Paul Jandl, der einmal gesagt hat: "In der Zeitung stehen Dinge, die uns nicht gefallen müssen, die wir aber als zivilisierte Bürger zu ertragen haben." Weiter formulierte ich in meiner Mail: "Ich halte dies für einen sehr schlauen Satz. Sie schreiben von ,so einem Menschen'. Ich sage: Auch dieser Mensch ist ein Mensch und hat deshalb unseren Respekt verdient. Ich möchte an dieser Stelle noch das vielzitierte Wörtchen Toleranz ins Spiel bringen. Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Ich betrachte mich selbst als einen toleranten Menschen und würde mich freuen, wenn Sie über meine Zeilen kurz nachdenken. Sie müssen meine Meinung ja nicht akzeptieren. Aber ich halte mit ihr nicht hinterm Berg."

Darauf entgegnete Hans R.: "Ich habe nichts gegen den Menschen Olivia Jones, er ist halt so und ich akzeptiere das. Es fällt mir nur schwer zu verstehen, warum er auf der Titelseite abgebildet war. Womit hat er das verdient? Eine Frage noch, muss ,Der neue Tag' dafür noch etwas bezahlen? Bitte entschuldigen Sie die Wortwahl ,so einen Menschen'! Das habe ich nicht so gemeint."

Dem Leser gegenüber bezog ich ein zweites Mal Stellung und teilte ihm mit: "Auch wenn vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden sein mag - bei der abgebildeten Person handelt es sich nicht um Olivia Jones, sondern um eine(n) uns namentlich nicht bekannte(n) Teilnehmer(in) eines Christopher Street Days in Köln. Es ist ein Archivbild aus dem Fundus der dpa.

Im Übrigen stellt sich einem Redakteur nicht die Frage, ob es jemand ,verdient' hat, mit seinem Konterfei an einer bestimmten Stelle in der Zeitung zu erscheinen. Das von Ihnen monierte Foto war der bewusst gewählte, farbenfrohe und natürlich auffallende Hinweis auf einen großen Bericht auf Seite 3 (,Thema des Tages') in dieser Ausgabe. Erzählt wurde dort die Geschichte von Jay, die als Julia geboren wurde, sich seit drei Jahren aber immer weniger weiblich fühlt. Jay hat die Entscheidung getroffen, weder Mann noch Frau sein zu wollen. Ich bewundere im Übrigen den Mut von Jay, sich in aller Öffentlichkeit zu outen.

Extra bezahlen mussten wir für das Titelbild nicht. Unser Verlag ist eines von 180 deutschen Medienunternehmen, die Gesellschafter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sind. Die dpa versorgt uns als Nachrichtengroßhändler täglich mit einer großen Menge an Texten und Bildern, insbesondere für die überregionale Berichterstattung. Als Kunde haben wir hier ein umfangreiches kostenpflichtiges Paket gebucht, auf das wir uneingeschränkt Zugriff haben."

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