26.04.2019 - 12:39 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Bombastische Hymnen und "Unerhörtes"

Die Amberger Chorgemeinschaft bringt Joseph Haydns Meister-Oratorium auf die ACC-Bühne. Dirigent Dieter Müller beschäftigt sich schon viele Jahre mit der „Schöpfung“ und entdeckt sie doch stets neu. Ein Interview.

Mit Haydns "Schöpfung" widmet sich die Amberger Chorgemeinschaft gemeinsam mit dem Chor der Berufsfachschule für Musik und dem Sinfonieorchester Bohemia Prag einem der schönsten Oratorien überhaupt.
von Anke SchäferProfil

Zusammen mit dem Chor der Berufsfachschule für Musik des Bezirks Oberpfalz und dem Sinfonieorchester Bohemia Prag preist die Amberger Chorgemeinschaft am Sonntag, 19. Mai (19 Uhr) die sechs Schöpfungstage und das Glück des Paradieses in einer der schönsten musikalischen Formen. Am Pult vor den rund 110 Choristen, 40 Musikern und vier Solisten hält Dirigent Dieter Müller Taktstock und Fäden in der Hand. Die Kulturredaktion hat sich mit ihm über Werk und Aufführung unterhalten.

ONETZ: Die „Schöpfung“ zählt zu den berühmtesten Oratorien – was schätzen Sie an diesem Werk?

Dieter Müller: Es ist die Summe aus allem: Die bombastischen Hymnen in den großen Chören, die feinen Stimmungsbilder, die natürliche Tonsprache, Haydns fantastisches handwerkliches Können, die farbige Instrumentierung und wie er John Miltons Epos „Paradise Lost“ umgesetzt hat. Und man darf heute nicht vergessen: In dem Werk steckt so viel, was zu Haydns Zeit - im wahrsten Sinne des Wortes "unerhört" war.

ONETZ: Sehen Sie auch Bezüge zur Gegenwart?

Für mich stellt sich in dem Werk auch eine ganz konkrete und aktuelle Auseinandersetzung mit der Problematik „Schöpfung“ in unserer Zeit. Wie gehen wir, der Mensch, mit der Schöpfung um? Was ist aus dieser wundervollen Erde im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte geworden? Bei bevorstehendem Klimakollaps, Verschmutzung der Meere, der Umwelt und dergleichen mehr, muss sich jeder von uns die Frage nach der „Schöpfung“ immer wieder neu stellen.

ONETZ: Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit der „Schöpfung“?

Seit meinen Studienzeiten, also schon über viele, viele Jahre. Und obwohl wir die „Schöpfung“ schon vor zehn Jahren in Amberg aufgeführt haben, ist es jetzt wieder wie ein erstes Mal. Mein Blick auf das Werk hat sich verändert, was früher viel romantisierter war, sehe ich jetzt viel klassischer. Es ist nie das Gleiche, es ist immer wieder eine neue Schöpfung.

ONETZ: Und wie lange arbeitet der Chor schon am Werk?

Nachdem es für die Amberger Chorgemeinschaft ja eine Wiederaufnahme ist, haben wir nach Weihnachten angefangen. Mit dem Chor der Berufsfachschule für Musik arbeiten wir nach ersten Proben im Herbst seit Januar konsequent daran. Gerade auch die Studenten sollten dieses Werk kennenlernen.

ONETZ: Ergeben sich aus der Kooperation der beiden Ensembles auch Effekte, die über die rein zahlenmäßige Präsenz hinausgehen?

Hervorzuheben wäre die positive und immer sehr bereichernde Zusammenarbeit zwischen dem Chor der Amberger Chorgemeinschaft und dem Chor der Berufsfachschule für Musik. Jedes der beiden Ensembles konnte immer wieder in all den Jahren vom jeweils anderen Ensemble lernen. Bringen die „Alten“ zum Teil jahrzehntelange Erfahrung des Chorsingens größerer Werke mit, so bringen sich die „Jungen“ in ihrer ungestümen, frischen Jugendlichkeit ein. So bereichern sich beide Chöre gegenseitig. Die Synthese aus beiden ergibt diese wunderbare menschliche wie auch klanglich-musikalische Mischung.

ONETZ: Wann stößt das Sinfonieorchester Bohemia Prag dazu?

Es reicht, wenn ich kurz vor der Aufführung einen Tag nach Prag reise und dort im Nationaltheater mit den Musikern probe. Im Übrigen war das Orchester auch bereits bei der Aufführung vor zehn Jahren dabei.

ONETZ: Wie kam eigentlich der Kontakt nach Tschechien zustande?

Ich habe das Orchester sozusagen von meinem Vorgänger Berthold Höps (Dirigent der Chorgemeinschaft von 1980 bis 2007, Anmerk. d. Red.) „geerbt“. Bei unseren großen Auftritten im ACC ist es immer dabei.

ONETZ: Sind die Solisten Barbara Baier, André Khamasmie und Daniel Blumenschein auch gute Bekannte der Chorgemeinschaft?

Ja, wir arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen. Ich schätze Barbara Baier, die ja aus der Oper kommt, dann viele Oratorien gemacht hat und jetzt wieder zurück zur Bühne ist. Sie verfügt über einen schönen, klaren Sopran. André Khamasmie schätze ich als jungenhaften, leichten Tenor. Daniel Blumenschein kenne ich am längsten, bestimmt schon seit 12 Jahren. Sein samtiger Bass-Bariton ist wie guter Wein – die Stimme wird immer runder und weicher. Der gute Kontakt zueinander ist wichtig, es ist angenehm, wenn es familiär ist – das gibt einem ein Gefühl von Vertrautheit.

ONETZ: Mal abgesehen von diesem Konzert, wie viele Auftritte bestreitet die Amberger Chorgemeinschaft pro Jahr?

Wir machen jeweils zwei Konzerte in unterschiedlichen Besetzungen pro Jahr. Dazu kommt dann noch die alljährlich stattfindende Abendmusik zur Silvesternacht in einer kleinen Kammerchorbesetzung.

ONETZ: Und nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie das jeweilige Programm aus?

Ich versuche, Abwechslung zu bieten: Mal Opernchöre, mal Romantisches, mal klassisches Oratorium, mal etwas Zeitgenössisches.

Info:

Service

Karten im Vorverkauf bei der Tourist-Information Amberg, Hallplatz 2 unter Telefon 09621/101233

Homepage der Amberger Chorgemeinschaft

 

 

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