Zwei müssen mit Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren rechnen, der dritte Angeklagte kann früher seine Zelle verlassen: Vor dem Landgericht Amberg geht es am Dienstag um 127 Pfund Drogen, die für Tschechien bestimmt waren, und um Handlanger einer kriminellen Vereinigung in Rotterdam.
Dort brachen sie am 18. April 2018 auf, hatten Schwarzmarktfracht für hunderttausende Euro im Auto: 20 Kilogramm Marihuana 102 000 Ecstasy-Tabletten. 87 Pfund brachten diese auf die Waage. Gegen 6 Uhr hatten die Türken den deutsch-holländischen Grenzübergang Arnheim überquert, um 11.40 Uhr rasteten sie auf einem Parkplatz an der A6 - und fielen zwei Polizisten auf. Einer der größten Drogenaufgriffe an dieser Fernstraße war die Folge.
Bei der Ermittlung stellte sich heraus, dass zwei Türken ihren Wohnsitz in Rotterdam, der dritte in Izmir gemeldet hatten. Nun geht es darum, ob da eine Bande auf eigene Rechnung einen Transport nach Prag ausführte? Staatsanwältin Christina Denk kam zu einem anderen Ergebnis: Hier habe man Kuriere entlarvt, die im Auftrag auf Tour gingen.
Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg gab es zum Prozessauftakt einen dreistündigen Debatten-Marathon hinter verschlossener Tür. Nach dem Rechtsgespräch erfuhr die Öffentlichkeit: Für Geständnisse wurden den beiden Hauptverdächtigen im Alter von 51 und 34 Jahren Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren zugesichert. Die Angeklagten redeten lange mit ihren Verteidigern Helmut Mörtl (Regensburg), Jörg Jendricke und Michael Schüll (beide Amberg). Dann waren sie einverstanden und räumten den Transport von Rotterdam ein. Der Kurierlohn betrug jeweils 15 000 Euro. "Keine Angaben zu den Hintermännern", hieß es in den Erklärungen. Man habe "aus wirtschaftlicher Not den Auftrag angenommen." Angst vor Repressalien durch die Drahtzieher ist deutlich.
Und der dritte Mitfahrer? Der nach eigenen Angaben als Handyreparateur in Rotterdam arbeitende 32-Jährige will eher aus Reiselust dabeigewesen sein. Von der heißen Fracht habe er erst im Auto erfahren. Das Gegenteil wird schwer beweisbar sein. Für sein Geständnis hat er jetzt zwischen zwei und zweieinhalb Jahren Gefängnis zu erwarten. Bei zwei der Beschuldigten könnte es zudem zur Einweisung in die Drogentherapie kommen. Analysierte Haarproben ergaben bei ihnen, dass sie Rauschgiftkonsumenten sind.













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