Er ist nicht der Mitreiter auf der Seite der Mehrheit, nur um auf die richtige Party eingeladen zu werden. Georg Tassev ist anders.Weg von Bulgarien. Das war der Gang in seine Freiheit - kurz nach dem Mauerfall. Auf nach Kanada. Doch dort kam Georg Tassev nie an. Ein Glück für die Oberpfalz - wäre dieser Regierungsbezirk doch ungern um so einen außergewöhnlichen Künstler ärmer. Der bulgarische Kommunismus wollte in seinem totalitären Anspruch auf das Denken der Menschen alles ausschließen, was eine Wandlungsmöglichkeit der Ideen verrät und Unruhe hervorrufen könnte. Das Streben nach Sekurität, nach unwandelbarer Sicherheit, verträgt sich nicht mit künstlerischen Experimenten. Darin begegnen sie sich mit jenen ängstlichen Naturen, die gleiche kleinbürgerliche Neigungen haben und eigensinnig an einem Weltbild festhalten, obgleich es kein Bild mehr der wirklichen Welt ist.
Georg Tassev verweilt seit 1990 in Regensburg, arbeitet als freischaffender Künstler. Mehr von dieser Freiheit, die eine große Verantwortung mit sich bringt. Er ist Beobachtender. Immer. Versucht aber nicht wie ein solcher wahrgenommen zu werden. Das sind sie, die Aspekte, die die Zeichnungen und Malerei von Georg Tassev ausmachen. Man könnte auch sagen: Die Freiheit klandestin zu beobachten und aufs Papier zu bringen. Es entstehen Wesen aus seiner Emotion. Einer Liebe zur Grässlichkeit. Wesen mit Fratzen, die an sich zerren und aneinanderkleben. "Seine Kunst ist schwierig, ja, gar hässlich", sagt Freund, Laudator und Kunsthistoriker Tony Kobler. Dennoch liegt der Kunst von Tassev eine liebenswerte Verletzlichkeit zugrunde.
Jede Kunst folgt eigenen ästhetischen Gesetzen - etwa solchen der Harmonie des Gesamtaufbaus eines Kunstwerkes oder der Abgeschlossenheit einer Darstellung. Das Gesetz der Ähnlichkeit, der Kontinuität, der Nähe oder des gemeinsamen Schicksals. Tassev hält sich an diese Gesetze. Empfindet der Betrachter sich doch auf merkwürdige Art hingezogen zu diesen hässlichen Wesen. Die eben in diesem Augenblick ausgelöst werden, wenn Tassev zornig, melancholisch, verliebt oder lethargisch ist. Seine Signatur fehlt an ein paar seiner Werke - aber nie das Datum und die Uhrzeit. Während Herr Mustermann oder Lieschen Müller froh sind, ungewollte Erlebnisse und die schmerzenden Begleiterscheinungen hinter sich gebracht zu haben, versetzt sich Tassev freiwillig zurück in diese Situation, die ihm die Entstehung seiner Leute von heute eingebrockt haben. Böse Zungen, Verwandlungen und heilende Wunden.
Allein seine Titel wie "The same fucking day", "Gesetzentwurf", "Meinungsmacher" oder "Out of Time" gleichen Blockbuster-Filmen mit spannenden und tragischen Geschichten, die er wüst malerisch und zeichnerisch darstellt. Ein Phänomen bei Sigmund Freud ist das Paradoxe an Hässlichkeit. Es ist ästhetisch. Es ist weit weg von Perfektion und deswegen anziehend. Insgeheim weiß doch jeder Betrachter: "Ich bin genauso verkehrt wie du." Und sind Gefühle oft nichts anderes als ein Mischmasch, vor Eintritt der eigenen Selbstreflexion? 56 Exponate von Georg Tassev sind bis 2. Dezember in der Amberger Stadtgalerie zu bewundern. Sie sind eine absolute Empfehlung für das empathische Kunstherz, den argwöhnischen Kritiker und dem leidenschaftlichen Liebhaber.
















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