Er wütete wie ein Berserker. Nachdem der 36-Jährige vor den Augen eines Vollzugsbeamten zahlreiche Tabletten im Amberger Gefängnis geschluckt hatte, war er ins Klinikum der Stadt gebracht worden. Dort rastete der als Schläger bekannte Gefangene aus. Er ging zunächst mit einem abgerissenen Teil seines Bettes und danach mit einem Tischbein gegen zwei ihn bewachende Uniformierte vor.
Die Leute aus der JVA zogen sich zurück, bis Verstärkung kam. Dann drangen sie in das verwüstete Patientenzimmer vor und hatten größte Mühe, den Tobenden unter Kontrolle zu kriegen. Unter seinem Bauch hielt der Mann ein Jagdmesser. "Es stammte aus dem Rucksack eines seiner Bewacher", sagte die Amberger Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber am zweiten Prozesstag.
Zehn Jahre in Psychiatrie
Diesen Umstand hatte zuvor Verteidiger Benjamin Ruhlmann (München) als "unglaublich" bezeichnet. Das von dem 36-Jährigen aus einem persönlichen Gepäckstück des Beamten geholte Jagdmesser wurde später vor der Zimmertür zur Beweissicherung abgelegt. Von dort verschwand es und tauchte nicht mehr auf.
Der renitente Häftling hatte bereits zehn Jahre seines Lebens in der Psychiatrie zugebracht, als er 2013 auf freien Fuß kam und nicht lange darauf wegen massiver Gewalttaten in seiner Heimatstadt Oberviechtach fünf Jahre Haft bekam. Zwei weitere Jahre fügte später ein Würzburger Gericht hinzu, als ein Mithäftling des Gewalttäters in der dortigen Justizvollzugsanstalt von ihm angegriffen worden war.
Auf Staatskosten
Eine Haftentlassung des Mannes war für den Herbst 2020 vorgesehen. Doch diese Frist verlängert sich jetzt um weitere drei Jahre. Zu diesem Urteil kam die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts. Eine dauerhafte Unterbringung in der Forensik verneinte sie. Dem Langzeithäftling wurde Medikamenteneinfluss bei der Gewaltorgie im Klinikum zugeschrieben. Weil er offenbar abhängig ist von Pillen und Tabletten darf der 36-Jährige auf Staatskosten eine zweijährige Arzneimitteltherapie machen. Dazu hatte eine psychiatrische Sachverständige geraten.
Die Entscheidung erfreute den Angeklagten. Lang und sehr intensiv schüttelte er die Hand seines Anwalts. Der hatte eine milde Strafe und parallel dazu die Therapie beantragt. Nicht im Sinn von Staatsanwältin Vanessa Merl. Sie verlangte in ihrem Schlussvortrag drei Jahre und neun Monate Haft. Eine Therapie lehnte sie ab. "Dazu hat er doch gar keinen Willen", sagte die Vertreterin der Anklagebehörde.













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