11.02.2020 - 16:21 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

"Gräfin Mariza" als gelungener Operetten-Dauerbrenner

Johann-Strauss-Operette-Wien präsentierte Emmerich Kalmans Erfolgswerk im ACC in Amberg

Gut besucht war die Inszenierung „Die Gräfin Mariza“ im ACC in Amberg. Für die Aufführung gab es großen Applaus.
von Helmut FischerProfil

Entgegen allen Unkenrufen: Sie hat wohl ein ewiges Leben, die "gute alte Operette". Die Kombination von unrealistischer Handlung mit eingängigen Melodien und die Gewissheit, dass letztlich "alles gut" wird, machen wohl den bleibenden Reiz dieser Gattung aus. Die "Gräfin Mariza" des 1953 verstorbenen Emmerich Kalman zählt zu den "Dauerbrennern", die stets ihr Publikum finden. Im gut besuchten Amberger ACC wurde sie von der "Johann- Strauss-Operette-Wien" am Montag in einer unterhaltsamen Weise präsentiert.

Umwege und Wirrungen

Die Handlung ist eigentlich unwesentlich. Wie so oft, muss sich ein verarmter Adliger als "leitender Angestellter" bei einer anderen Grafschaft verdingen. Natürlich ist die Chefin eine attraktive, junge Gräfin, die wegen ihres Vermögens von vielen anderen umworben wird. Selbstverständlich finden nach Umwegen, Wirrungen und intriganten Missverständnissen alle liebend zusammen und das Operetten-typische Happy-End ist gesichert.

Kalman siedelt seine Handlung in Ungarn an, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die "adlige Welt" noch in Ordnung schien. Und er taucht die Story in eine schöne, eingängige Musik mit viel ungarischem Kolorit, der effektvollen Mischung von melancholischen Liedern, komödiantischen Einlagen und feurigen Rhythmen. Insbesondere der verarmte Graf Tassilo hat mit so schönen Liedern wie "Komm Zigan", und "Grüß mir die schönen Frauen aus Wien" nachklingende Melodien zu singen.

Damit die vergnügliche Seite nicht zu kurz kommt, erscheint ein Graf Koloman Zsupan (der Schweinefürst aus "Zigeunerbaron" ließ grüßen) und bringt mit "Komm mit nach "Varaszdin" und "Ich möchte träumen von dir" im Duett mit Lisa (die Schwester Tassilos) Schwung in das Geschehen. Auch Mariza hat mit "Wo wohnt die Liebe" tolle Soli und mit "ihrem Verwalter" so melodieselige Duette wie "Einmal möcht ich wieder tanzen" und "Sag ja, mein Lieb, sag ja" zu singen.

Überzogener Schluss

Das alles wurde in einem wohltuend konventionellen Handlungsrahmen präsentiert. Schade nur, dass der Schluss, bei dem "alles wieder gut wird", so überzogen kitschig-sentimental gestaltet wurde. Das mit 18 Instrumentalisten relativ kleine Orchester brachte unter Leitung von Guillaume Fauchére sowohl die leisen Töne wie auch die feurigen Rhythmen wirkungsvoll zum Klingen, schien rhythmisch nicht immer völlig sicher und gegenüber den Sängern oft zu dominant, hatte aber für die Musik von Kalman das richtige Gespür.

Von den Darstellern seien hier nur die "Hauptakteure" genannt. Catarina Coresi war als "Mariza" eine überzeugende Besetzung. Attraktiv anzuschauen, wandlungsfähig in Bühnenpräsenz und Darstellung, auch sängerisch überzeugend, war sie ein Aktivposten der Aufführung. Giorgio Valenta gab dem "Verwalter-Grafen" Tassilo mit seinen Liedern den erwarteten tenoralen Schmelz und war auch in der szenischen Verkörperung glaubwürdig.

Der "unerwartete" Baron Koloman Zsupan wurde von Felix Nikola in gut dosierter Komik dargestellt, auch sängerisch konnte er in seiner Buffo-Partie Akzente setzen. Fürst Populescu war in seiner ungeschlachten, überheblichen "Adligkeit" bei Josef Krenmair in besten Händen. Die kapriziöse Lisa, rollengerecht "soubrettenhaft" singend, wurde von Da-yung Cho kokett dargestellt und Maida Karisik hatte als junge Zigeunerin Manja eindrucksvolle Auftritte.

Der "stumme Diener" Tschekko fand in Daniel Valero seine diskrete Verkörperung und als "rettendes Duo" konnten Stefanie Kopinits und Joe Pechhacker als Fürstin Bozena und Kammerdiener Penicek auch heitere Nuancen einbringen. Zacharias Galaviz-Guerra hatte als geigender Zigeuner Anteil an der gelungenen Vorstellung. Das Publikum genoss diese unterhaltsame, musikalisch und darstellerisch solide präsentierte Operette sichtlich und spendete reichlich sowohl Szenen- wie auch Schlussapplaus.

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